Am Morgen nach dem Unwetter liegen ungestürzte Bäume auf einer Straße am Hauptbahnhof, ein Auto wurde von einem Baum getroffen. Ein schweres Unwetter war über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen und hatte dabei große Schäden angerichtet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/VMD-Images | Simon Adomat)

Überflutungen und enorme Schäden

Nach Unwetter in BW: Innenminister Strobl dankt Helfern für Einsatz

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Ein heftiges Unwetter hat in der Nacht zu Dienstag Baden-Württembergs Straßen überflutet. Einsatzkräfte beseitigen überall im Land die Schäden unter anderem im Kreis Reutlingen.

Am Dienstag waren Feuerwehren und Helfer im ganzen Land damit beschäftigt, Straßen zur räumen und umgestürzte Bäume zu beseitigen.

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Notruf im Kreis Reutlingen überlastet - bis zu 1.000 Anrufe gleichzeitig

Wie der Feuerwehrkommandant Harald Herrmann von der Reutlinger Feuerwehr am Dienstagvormittag in einer Pressekonferenz berichtete, war im Landkreis Reutlingen wegen des Unwetters der Notruf 112 zwischenzeitlich stark überlastet. Anfangs gingen laut Herrmann bis zu 1.000 Anrufe gleichzeitig ein, sodass die Telekom zunächst fälschlicherweise von einem Hackerangriff ausging. Im Stadtgebiet Reutlingen regnete es innerhalb kürzester Zeit zwischen 55 und 76 Liter pro Quadratmeter, so dass die Messpegel des Flusses Echaz einen Anstieg auf 1,50 Meter, teilweise sogar 1,80 Meter anzeigten. Die Echaz überflutete nach Angaben des Feuerwehrkommandanten den Ortskern von Betzingen. Die Feuerwehr musste Verstärkung aus Baden-Baden, Pforzheim und Ulm anfordern. Insgesamt 780 Keller waren nach dem starkem Regen vollgelaufen. Sieben Personen mussten mithilfe von Tauchern aus ihren Untergeschosswohnungen gerettet werden.

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"Wir haben rund 1.000 Einsatzkräfte zur Schadensbeseitigung", so Hermann. Besonders der Schlamm, den die Überschwemmungen in die Straßen gespült hatten, soll möglichst schnell wieder beseitigt werden, weil er nach Angaben von Experten nach dem Trocknen hart wie Beton werden kann.

Innenminister Strobl dankt Helfern für Einsatz

Laut baden-württembergischem Innenministerium waren wegen des Unwetters im ganzen Land rund 4.000 Einsatzkräfte rund um die Uhr eingespannt. Innenminister Thomas Strobl (CDU) dankte allen Helfern und Helferinnen. Seit mehr als einer Woche zögen täglich schwere Unwetter übers Land, die verheerende regionale Schäden verursachten und alle weit über das übliche Einsatzgeschehen hinaus forderten, so Strobl in einer Mitteilung.

"Mein Dank geht an die Einsatzkräfte für ihren Dienst an unserer Gemeinschaft und unserer Gesellschaft, unter oft schwierigen und gefährlichen Bedingungen und teilweise unter Einsatz ihres Lebens oder ihrer Gesundheit."

Besonders betroffen von den Unwettern war der Kreis Calw. In Altensteig standen viele Straßen unter Wasser, Gullydeckel liefen über und Erdrutsche versperrten Wege und Straßen. Am Fluss Nagold wurde eine Mauer über einige Meter weggerissen.

Im Video sind extreme Überschwemmungen in Altensteig zu sehen

Wassermassen in Bösingen

Auch die Gemeinde Bösingen (Kreis Rottweil) erwischte es schwer. Bilder und Videos in sozialen Netzwerken wie Twitter zeigen überflutete Straßen. Ein Video von einem Traktor, der mit einem Schneeschieber Wasser- und Hagelmassen beiseite schiebt, wurde vielfach verbreitet.

In Dußlingen (Kreis Tübingen) befreiten Taucher fünf Personen in Lebensgefahr aus einer überfluteten Unterführung der B27, so Feuerwehrchef Harald Herrmann im SWR.

Im Laufe der Nacht wurden dem Polizeipräsidium Heilbronn mehrere Blitzeinschläge gemeldet. In Wüstenrot-Neuhütten (Kreis Heilbronn) setzte ein Blitz den gesamten Dachstuhl eines Hauses in Brand. Die Bewohner konnten sich unverletzt aus dem Haus retten.

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Stuttgarter Opernhaus teilweise abgedeckt - Weiterbetrieb unklar

Die Landeshauptstadt Stuttgart wurde durch das Unwetter stark in Mitleidenschaft gezogen. Heftige Böen deckten Dachteile des Opernhauses ab. Große Stücke des Kupferdachs wurden angehoben und abgerissen. Nach Angaben des Geschäftsführenden Intendanten der Staatstheater Stuttgart, Marc-Oliver Hendriks, flossen daraufhin mehrere Zehntausend Liter Wasser in das Gebäude. Beschädigt wurden vor allem der Dachstuhl sowie Decken und Wände aus Gips im Inneren. Weiterer Schaden ist wahrscheinlich an elektrischen Anlagen entstanden.

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Zum Zeitpunkt des Unwetters waren den Angaben zufolge 250 Gäste bei einem Liederabend in der Oper - es wurde glücklicherweise niemand erletzt. Wie der Geschäftsführende Intendant Hendriks weiter erklärte, ist noch unklar, wie es mit dem Betrieb im Opernhaus weitergehen kann.

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Nach Angaben der Polizei habe der anhaltende Starkregen und Wind dazu geführt, dass diverse Tunnel - wie beispielsweise der Flughafentunnel am Stuttgarter Flughafen - in kürzester Zeit mit Wasser vollliefen. Auf Twitter-Videos sind Wassermassen zu sehen, die die Weinsteige in Stuttgart zeitweise in einen Bach verwandeln.

Viele Stuttgarter Tunnel waren im Laufe des Abends wegen des Unwetters mit Wasser vollgelaufen. (Foto: SWR)
Viele Tunnel rund um Stuttgart - wie hier am Österreichischen Platz - waren mit Wasser vollgelaufen und mussten gesperrt werden.

"Land unter" meldete die Polizei im Kreis Esslingen. Auch im Rems-Murr-Kreis kam es zu hunderten Einsätzen. Auf rund 1,5 Millionen Euro schätzt die Polizei die Schäden in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg alleine durch vollgelaufene Tiefgaragen, speziell in Remseck und Waldenbuch.

Bahnstrecke Stuttgart-Ulm unterbrochen

Der S-Bahn- und Stadtbahnverkehr in Stuttgart musste komplett eingestellt werden. Die Deutsche Bahn meldete am Montagabend auf Twitter, dass ein Baum zwischen Stuttgart und Ulm auf dem Gleis liege. Fernverkehrszüge seien zurückgehalten und nach Möglichkeit umgeleitet worden, es sei zu Haltausfällen gekommen. Weitere Bahnstrecken wurden durch die Folgen des Unwetters blockiert.

Am Morgen nach dem Unwetter liegen ungestürzte Bäume auf einer Straße am Hauptbahnhof, ein Auto wurde von einem Baum getroffen. Ein schweres Unwetter war über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen und hatte dabei große Schäden angerichtet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/VMD-Images | Simon Adomat)
Auch am Dienstagmorgen waren die Unwetter-Folgen deutlich sichtbar. Umgestürzte Bäume lagen auf den Straßen, wie hier in der Nähe des Hauptbahnhofs in Stuttgart. Ein Auto wurde von einem Baum getroffen. picture alliance/dpa/VMD-Images | Simon Adomat

Unwetterfolgen haben auch am Dienstag Auswirkungen auf ÖPNV

Die Nachwirkungen spürten Reisende und Pendler noch am Dienstagmorgen: Die Überflutung der zentralen Stuttgarter Station Charlottenplatz führte zu Behinderungen für die Nutzer der Stadtbahnen. Busse wurden als Ersatz eingesetzt. Zahlreiche Buslinien wurden umgeleitet. Auch im S-Bahn-Verkehr kam es zu Behinderungen. Wegen Kurzschlüssen wurden mehrere Stationen nicht angefahren.

Weitere Impressionen vom Unwetter in Baden-Württemberg:

Dreckiges Wasser sprudelt aus einem Gully mitten auf der Straße (Foto: picture-alliance / Reportdienste, SDMG Sven Kohls)
Wenn die Kanalisation überläuft, werden Gullys zu Springbrunnen - wie hier in Aichtal (Kreis Esslingen). SDMG Sven Kohls Bild in Detailansicht öffnen
Nach heftigen Unwettern rauschen braune Wassermassen über eine Treppe in Altensteig (Kreis Calw) nach unten. picture alliance/dpa/Einsatz-Report24 | Aaron Klewer Bild in Detailansicht öffnen
Auch in Stuttgart-Gaisburg ging am Montagabend Starkregen nieder. Frieder Kümmerer Bild in Detailansicht öffnen
Straßen wurden überflutet, wie hier in Aichtal (Kreis Esslingen). SDMG Sven Kohls Bild in Detailansicht öffnen
Gewitterwolken verdunkeln die Welt in Benningen (Kreis Ludwigsburg), hinter der Unwetterfront wird es aber schon wieder heller. Bild in Detailansicht öffnen
Ein massives Unwetter mit einer Shelf Cloud zieht über die A8 bei Esslingen und Stuttgart auf. Eine Shelf Cloud ist eine tiefe horizontale Wolke in Keilform mit ausgefransten Rändern. Sie liegt meist vorn oder seitlich an der Gewitterzelle. Alexander Hald Bild in Detailansicht öffnen
Der Stuttgarter Schwanentunnel war im Laufe des Abends mit Wasser vollgelaufen und in beide Richtungen gesperrt. Bild in Detailansicht öffnen
Rund um den Schlossgarten in Stuttgart wütete der Sturm ebenfalls: Das Opernhaus wurde beschädigt, Bäume knickten um. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt Bild in Detailansicht öffnen
Ein vom Sturm umgestürzter Baum blockiert eine Straße in Stuttgart-Sillenbuch. Bernd WEissbrod Bild in Detailansicht öffnen
Wassermassen drangen an der Weinsteige in Stuttgart durch Büsche auf die B27 und sorgten für überflutete Straßen. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt Bild in Detailansicht öffnen

Wetterberuhigung erst am Mittwoch

Erst am Mittwoch wird sich die Lage bei etwas kühleren Temperaturen wieder beruhigen, sagte SWR-Wetterexperte Andreas Machalica. Bereits in der vergangenen Woche hatten Unwetter über Baden-Württemberg schwere Schäden angerichtet und für Überschwemmungen, Hagelschäden und vollgelaufene Keller gesorgt.

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Allein in Baden-Württemberg rechnet die Allianz-Versicherung mit 10.000 beschädigten Fahrzeugen. Kundinnen und Kunden hätten reihenweise vom Hagel verbeulte oder anderweitig beschädigte Autos gemeldet, teilte die Versicherung am Sonntag mit.

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