Ein Einbrecher macht sich an einem Fenster zu schaffen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Trend durch Corona verstärkt

Kriminalstatistik BW: Zahl der Wohnungseinbrüche auf Rekordtief

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Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass 2020 weniger Einbrüche und Diebstähle in Baden-Württemberg verübt wurden. Dies geht aus der neuen Kriminalstatistik hervor. Es gibt aber auch Delikte, die durch Corona zunahmen.

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Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg ist 2020 auf einen historischen Tiefstand zurückgegangen. Rund 4.700 Einbrüche in Häuser und Wohnungen hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert - ein Rückgang um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus der neuen Kriminalstatistik hervor, die der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Freitag präsentierte.

Tiefstand bei Einbrüchen

Zu der positiven Entwicklung beigetragen habe, dass die Menschen wegen der Corona-Pandemie häufiger zu Hause waren, so Strobl. Dies verringere die Tatgelegenheiten für Wohnungseinbrecher.

Zudem führt der Innenminister den Tiefstand auf die verstärkte Arbeit der Polizei in dem Bereich und den Kampf gegen Bandenkriminalität zurück. Damit ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg das sechste Mal in Folge gesunken und liegt nun auf dem niedrigsten Wert seit 1971.

Positiv entwickelte sich 2020 auch die Aufklärungsquote aller Straftaten. Sie stieg von 60,8 Prozent im Jahr 2019 auf 64 Prozent. Bei Wohnungseinbruchdiebstahl wurden 24 Prozent der Fälle aufgeklärt. Jeder zweite Einbruchsversuch scheiterte.

Positive Entwicklung auch bei Diebstählen

Die Polizei registrierte 2020 nach Angaben des Innenministeriums außerdem 15 Prozent oder 24.000 weniger Diebstähle im Vergleich zum Vorjahr. Auch dies ist wohl durch die Pandemie bedingt: Geschäfte sind seit Monaten geschlossen, es herrscht kaum Betrieb auf den Bahnhöfen, Volksfeste und Weihnachtsmärkte sind fast komplett ausgefallen. "Vor allem beim Taschendiebstahl haben sich die Tatgelegenheitsstrukturen verändert, denn der Mindestabstand macht es den Dieben deutlich schwerer", sagte Innenminister Strobl.

Betrüger nutzen Pandemie aus

Dagegen hat die Corona-Pandemie Betrugsdelikte in Baden-Württemberg verstärkt. Täter nutzten die Pandemielage für kriminelle Zwecke aus, hatte das Innenministerium zuletzt mitgeteilt. Mit sogenannten Enkeltricks spielten Kriminelle etwa eine Infektion mit dem Coronavirus vor, um Geld zu erhalten.

Die Zunahme der Betrugsdelikte habe aber auch mit den vermehrten Online-Bestellungen im Corona-Lockdown zu tun, stellte der CDU-Innenminister fest. Betrüger operieren mit täuschend echt wirkenden Online-Shops und reagieren blitzschnell auf aktuelle Bedürfnisse: "Ein klassisches Beispiel im Zusammenhang mit der Pandemie sind sogenannte Fake-Shops, die Medizinprodukte, Hygieneartikel, Masken, Desinfektionsmittel und anders mehr anbieten", so Strobl.

Dabei werden die Kunden in der Regel um Vorkasse gebeten, die bestellte Ware wird nicht geliefert und das Geld ist weg. Wie in einem Fall, bei dem Internet-Betrüger mit ihrem vermeintlichen Online-Shop 240 Menschen übers Ohr gehauen haben.

Zunahme an Sexualstraftaten im Land

Gegen den allgemein rückläufigen Trend bei der Kriminalität gab es im letzten Jahr jedoch mehr Sexualstraftaten. Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz verzeichnet einen Anstieg um 14 Prozent. Das betrifft unter anderem die Verbreitung von pornografischen Schriften - oft unwissentlich von Kindern und Jugendlichen begangen, wenn sie in Gruppen-Chats entsprechende Bilder verschicken. Im Kampf gegen die Herstellung und Verbreitung von kinderpornografischem Material setzt die Polizei jetzt auf die gesetzlich erweiterten Ermittlungsbefugnisse: "Dass wir in der Lage sind über kinderpornografisches Material dann auch in solche Netzwerke entsprechend einzudringen und die Täter dingfest zu machen", sagte Hinz.

So wenig Straftaten wie seit 30 Jahren nicht mehr

Insgesamt lag die Zahl der Straftaten in Baden-Württemberg im Jahr 2020 mit 538.566 Fällen auf dem niedrigsten Wert seit 1991. Auch Gewaltdelikte politisch motivierter Kriminalität nahmen in allen Bereichen ab, außer bei rechts motivierter Gewalt. Außerdem weisen antisemitisch motivierte Straftaten mit 228 Fällen einen Anstieg um etwa 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 auf. Fast die Hälfte der antisemitisch motivierten Delikte fand online statt. Bei Hasspostings gab es einen Zuwachs von etwa 26 Prozent.

Mit der Kriminalstatistik im Frühjahr liefert das Innenministerium alljährlich einen genauen Überblick über die Entwicklung der Delikte im Land.

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