Ein Baumstamm, der von Borkenkäfern zerfressen ist. In Baden-Württemberg haben sie 2022 weniger Schaden angerichtet als in den Vorjahren. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Martin Schutt)

Prognose von Experten

Weniger Waldschäden durch Borkenkäfer in Baden-Württemberg

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Er sieht ungefährlich aus, doch der Schein trügt: Der Borkenkäfer kann große Schäden verursachen. Eine Prognose von Experten lässt Waldbesitzer nun zumindest ein wenig aufatmen. 

Die Borkenkäfer haben im laufenden Jahr in Baden-Württemberg nach einer Schätzung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) bislang weniger Schaden angerichtet als in den Jahren zuvor. "In Baden-Württemberg gehen die Borkenkäfer-Befallszahlen weiter zurück, lediglich im Süden gibt es noch keine Entwarnung", sagte Markus Kautz von der Waldschutz-Abteilung der FVA, der Deutschen Presse-Agentur.

Keine Entwarnung in der Region Südbaden

Zwar gab es auch in Südbaden in den vergangenen Wochen weniger Borkenkäfer, jedoch gilt für Juni bereits ein Rekordwert im Vergleich zu den Jahren 2018 bis 2021. So sind laut FVA im Juni 2022 im Nordschwarzwald fast 4.000 Kubikmeter Schadholz befallen. Zum Vergleich: Dieser Wert wurde 2021 für das gesamte Jahr erreicht. Die hohen Temperaturen derzeit und die insgesamt recht trockenen Wälder bieten aber nach wie vor optimale Schwärm- und Entwicklungsbedingungen für Buchdrucker, die dominanteste Variante der Borkenkäfer.

Millionen "Meter" Schadholz

Kautz rechnet bislang bei Fichten mit etwa einer Million Festmeter Schadholz. 2019 seien fast 2,4 Millionen Festmeter gemeldet worden, 2020 knapp mehr als 2 Millionen und 2021 weniger als 1,5 Millionen. Festmeter ist ein Raummaß für einen Kubikmeter feste Holzmasse. In den Wäldern in Baden-Württemberg richte vorrangig die Borkenkäferart Buchdrucker die Schäden an. Er befällt vor allem Fichten.

Temperaturen spielen eine große Rolle

Dass die Zahlen rückläufig sind, sei zyklisch bedingt und hänge mit den trockenen und heißen Jahren 2018 bis 2020 sowie dem milden Vorjahr zusammen. Laut einer Sprecherin von Forst Baden-Württemberg - die Behörde bewirtschaftet nach eigenen Angaben mehr als 300.000 Hektar Staatswald - verbessert sich die Abwehrkraft der Bäume nach dem Ende einer extremen Witterung. Der Wald erholt sich demzufolge und die Käferpopulationen brechen entweder innerhalb von wenigen Jahren zusammen oder gehen allmählich zurück.

Erhebliche Schäden in den vergangenen Jahren

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer fürchten sich vor Borkenkäfern wegen der wirtschaftlichen Schäden, die die kleinen Tiere anrichten. Borkenkäfer sorgen dafür, dass Bäume absterben - vor allem Fichten, aber auch Douglasien, Lärchen und Tannen sind betroffen. Um die durch den Borkenkäfer verursachten Schäden zu beheben, gab das Land Baden-Württemberg allein seit 2020 mehr als 27 Millionen Euro aus.

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