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Anlässlich des Weltfrauentages fordern Verbände eine gerechtere Einkommenspolitik und mehr Schutz vor Altersarmut für Frauen. Landesweit finden Online-Veranstaltungen oder Aktionen statt.

Frauen waren laut Statistischem Landesamt im Jahr 2019 in Baden-Württemberg mit knapp 17 Prozent häufiger armutsgefährdet als Männer mit knapp 15 Prozent. Einen besonders hohen Anteil armutsgefährdeter Personen gab es dabei in der Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren. Der finanzielle Unterschied zwischen Männern und Frauen zeigt sich in dieser Gruppe noch deutlicher: Mehr als 20 Prozent der über 65-jährigen Frauen sind von Armut gefährdet, also mehr als jede fünfte Frau im Rentenalter. Bei den Männern sind es 15 Prozent. Zudem hat die Armutsgefährdung in dieser Altersgruppe in den letzten zehn Jahren überdurchschnittlich zugenommen - nämlich um 3,5 Prozentpunkte.

Der Paritätische: Altersarmut heute schon weiblich

Altersarmut sei heute schon weiblich, die Tendenz werde in Zukunft noch steigen, so Ursel Wolfgramm, die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Baden-Württemberg. Bei verheirateten Frauen könne das auch zu einer finanziellen Abhängigkeit vom Partner führen. Um im Alter ein Leben in Würde sicherzustellen, fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband vorbeugende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, schon für junge Frauen.

Der sogenannte Gender-Pay-Gap, also der Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst zwischen Mann und Frau, müsse angeglichen werden. Berufe, die vor allem mit Frauen in Verbindung gebracht werden, müssten besser bezahlt werden. Man brauche einen Mindestlohn, von dem man leben könne, und später eine Rente, die zum Leben reiche, so der Verband.

Frauen stärker von Corona-Krise betroffen

Der südbadische Bezirksverband der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) warnt vor einem Rückschritt bei der Gleichberechtigung. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie habe die Arbeitssituation von Frauen spürbar verschlechtert. Denn sie würden besonders häufig in Minijobs arbeiten und seien in Krisenzeiten deshalb kaum geschützt. Geringfügig Beschäftigte gingen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus, sondern würden auch schneller entlassen, kritisierte die IG Bau. Im Kreis Lörrach seien beispielsweise 60 Prozent der Minijobs von Frauen besetzt. Im Bereich der Gebäudereinigung liege der Frauenanteil sogar bei 75 Prozent. Der Verband plädiert daher dafür, Minijobs künftig sozialversicherungspflichtig zu machen.

Veranstaltungen zum Weltfrauentag in BW

Mit zahlreichen Veranstaltungen im Corona-Format wird am Montag der Weltfrauentag auch in Baden-Württemberg begangen. Digitale Angebote bietet unter anderem das Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart. So werden in Videoclips Geschichten von Frauen erzählt, die im Kontext der Stuttgarter Gestapozentrale im "Hotel Silber" stehen. Es geht um Frauen, die dort für die Gestapo arbeiteten, die vom "Hotel Silber" aus verfolgt wurden oder um Frauen, die sich für Verfolgte einsetzten. Die Clips sind auf dem Youtube-Kanal des Hauses der Geschichte abrufbar. Weil Frauen in der Politik noch immer unterrepräsentiert sind, werden auf der Website ohne-unterschied.de Biografien von Kommunalpolitikerinnen von 1919 bis heute vorgestellt.

Am Montagnachmittag ruft ein Bündnis aus links-feministischen Gruppen in Heidelberg zu einer Kundgebung auf dem Uniplatz auf. Unter dem Motto "Die Krise steckt im System - Zusammen gegen Kapitalismus und Patriarchat!" wollen sie ein Zeichen für Geschlechtergerechtigkeit setzen.

Theater Konstanz: "Digitales Festival Female Artists"

Das Konstanzer Theater lässt beim "Digitalen Festival Female Artists" auf seiner Homepage Frauen zu Wort kommen, die sich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einsetzen: eine Dichterin, eine Ärztin, Musikerinnen sowie Frauen in Führungspositionen wie die neue Konstanzer Uni-Rektorin Katharina Holzinger. Der bayerische Kreis Lindau präsentiert Filmtipps. Das Ravensburger Frauenbündnis diskutiert am Montagabend online über die Folgen der Corona-Pandemie für Frauen.

Demonstrationszug durch Karlsruher Innenstadt

"Mehr Gewerkschaft, mehr Gleichstellung: mehr denn je", so lautet das Motto der Kundgebung des DGB Karlsruhe auf dem Rathausplatz. Sie beginnt um 20 Uhr, unter anderen wird auch Karlsruhes Bürgermeisterin Betina Lisbach von den Grünen sprechen. Bereits um 17:30 Uhr startet eine Kundgebung des Karlsruher Frauenbündnisses, der ein Demonstrationszug durch die Innenstadt folgen soll. Während viele Veranstaltungen in der Region verschoben werden, bietet die Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald in Pforzheim einen Workshop für berufstätige Frauen und Wiedereinsteigerinnen an.

Plakat des DGB Karlsruhe zum Internationalen Frauentag (Foto: Pressestelle, DGB Karlsruhe)
Plakat des DGB Karlsruhe zum Weltfrauentag Pressestelle DGB Karlsruhe

"Rote Bank" zieht durch Freiburg

Die Internetseite der Stadt Freiburg bietet verschiedene virtuelle Infostände. In der Innenstadt zieht außerdem die rote Bank, ein Symbol gegen Gewalt an Frauen, vom Rathausplatz zum Theater. Der Kreis Emmendingen bietet verschiedene Online-Vorträge für Frauen, zum Beispiel zu Stressmanagement und Minijob. Die Frauenforen aus Villingen-Schwenningen und Donaueschingen (beide Schwarzwald-Baar-Kreis) laden zum Online-Vortrag "Für Anerkennung und Gleichberechtigung" ein. In Bad Säckingen (Kreis Waldshut) gibt es eine Solidaritätsaktion des Deutschen Gewerkschaftsbundes für die Mitarbeiterinnen an der Rhein-Jura-Klinik. Sie kämpfen seit Monaten für einen Tarifvertrag. Die Klinik sei für die Gewerkschaft ein Beispiel von hoher Arbeitsbelastung und schlechter Bezahlung.

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