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Gesperrte Straßen, die Kirschernte verhagelt, keine Opernaufführungen: Die Gewitter haben in Baden-Württemberg mit voller Wucht zugeschlagen - mancherorts mit weitreichenden Folgen.

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Die Feuerwehren, städtischen Betriebshöfe und auch das Technische Hilfswerk haben in Baden-Württemberg nach den Unwettern einiges zu tun. Bäume müssen von den Straßen und Spazierwegen entfernt werden, viele Schäden durch das Hochwasser werden erst langsam sichtbar. An manchen Orten im Land wird man das Ausmaß des Unwetters noch einige Tage lang deutlich sehen und spüren.

Stuttgarter Oper erst wohl wieder am Samstag mit Aufführungen

Gleich zwei Mal hat es die Staatsoper in Stuttgart durch den Sturm und die sintflutartigen Regenfälle erwischt. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag war das Dach beschädigt worden. Am Dienstagnachmittag sei beim nächsten Gewitter "erneut Wasser in das Haus eingedrungen, weil das Dach nur provisorisch abgedeckt ist", sagte der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater Stuttgart, Marc-Oliver Hendriks. Frühestens am Samstag könne der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden.

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Einige Zuschauerplätze seien aber nachhaltig beschädigt. Der dritte Rang könne vor der Sommerpause nicht mehr benutzt werden, sagte Hendriks. Von 700 Plätzen blieben damit 550 übrig. Bis Samstag müssten nun Handwerker das Dach provisorisch reparieren, das aktuell noch mit Planen und Holzplanken abgedeckt sei.

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) machte sich am Mittwochabend im Schlossgarten ein Bild von den Schäden. Dabei kündigte er an, sich bei den nächsten Haushaltsberatungen dafür einzusetzen, dass Feuerwehren und Krisenmanagement finanziell besser ausgestattet werden. "Sicherheit kostet Geld", so der Innenminister.

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B27-Tunnel in Dußlingen bleibt vorerst geschlossen

Der Tunnel der B27 in Dußlingen im Kreis Tübingen bleibt bis auf weiteres gesperrt. Bei dem Unwetter am Montagabend mit starkem Regen und Hagel lief der 450 Meter lange Tunnel mit Wasser voll. Autos blieben stecken.

Laut einer Pressesprecherin des Tübinger Landratsamtes kann der Tunnel vorerst nicht genutzt werden, da der Schaden noch begutachtet werden müsse. Die Technik des Tunnels ist beschädigt, dazu gehören unter anderem die Beleuchtung und die elektronische Beschilderung. Es gibt eine Umleitung. Zugleich will sich der Bürgermeister von Dußlingen, Thomas Hölsch (Freie Wähler), nach eigenen Worten nun für den Bau eines Rückhaltebeckens einsetzen. Es würden bereits Gespräche geführt - allerdings sei die Finanzierungsfrage noch nicht geklärt, so Hölsch.

Baden-Württemberg

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Schifffahrt auf dem Neckar eingestellt

Auf dem Neckar bleibt die Schifffahrt eingestellt. Bereits seit Montagnacht geht auf dem Neckar nichts mehr, weil der Wasserstand durch die starken Niederschläge innerhalb kurzer Zeit angestiegen ist und weiter hoch bleibt.

Derzeit liege der Pegelstand zum Beispiel bei Plochingen bei 2,21 Metern (Stand 30.6. Nachmittag). Der Pegel muss nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Baden-Württemberg bei 1,60 Metern stehen, so die Sprecherin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Baden-Württemberg, Johanna Reek, am Mittwochmorgen. Im Stuttgarter Raum sei nicht mit einem Neustart für die Schifffahrt im Laufe des Mittwochs zu rechnen, am unteren Neckar bei Heilbronn sei das dagegen möglich.

Heilbronn

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Die Schifffahrt auf dem Neckar zwischen Heilbronn und Mannheim ist laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar wieder freigegeben worden.  mehr...

Ernteausfälle von bis zu 100 Prozent befürchtet

Landwirte in den Kreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb müssen nach Angaben des Landesbauernverbands bis zu 100 Prozent von ihrer Mais-, Getreide- und Kartoffelernte abschreiben. In den Landkreisen Calw und Freudenstadt ist der zweite Schnitt im Grünland wegen Starkregens nicht mehr möglich. Davon ist die Versorgung der Kühe betroffen.

Nicht alle Landwirte hätten eine Hagelversicherung, erläuterte Vize-Hauptgeschäftsführer Horst Wenk am Mittwoch in Stuttgart. "Wir raten aber dazu, weil das Wetter immer unkalkulierbarer wird und das Land die Hälfte der Kosten beisteuert."

Laut SWR-Wetterexperte Karsten Schwanke war es das vorerst mit starken Regenfällen und Sturmböen. Gerade im Sommer könne man aber nur wenige Tage im Voraus das Wetter vorhersagen. Was nächste Woche kommen könnte, sei noch nicht klar.

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Keine Probleme mehr bei Bussen und Bahnen

Die Unwetter hatten vor allem in der Region Stuttgart für große Probleme bei der Bahn und im öffentlichen Nahverkehr gesorgt. Nach Angaben der Bahn gab es in Baden-Württemberg am Mittwochvormittag aber keine Behinderungen mehr. Alle Streckensperrungen wurden aufgehoben. Auch die S-Bahn in Stuttgart verkehrt wieder regulär.

Beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart hieß es, die S-Bahn fahre wieder mit einem vollumfänglichen Fahrangebot. Und auch die Stadtbahnen der SSB in Stuttgart sind wieder nach Fahrplan unterwegs. Am Montagabend war die Zentrale Stadtbahnhaltestelle Charlottenplatz mit Wasser vollgelaufen. Einige Linien waren deshalb unterbrochen.

Heftige Gewitter als Folge des Klimawandels?

Die heftigen Gewitter der vergangenen Tage passen nach Ansicht des Meteorologen Uwe Schickedanz in das Bild, das Klimaforscher von der Entwicklung zeichnen. Dazu gehöre die sommerliche Abwechslung zwischen Dürre und Starkregen-Ereignissen, sagte der Leiter des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart dem "Südkurier". Gewitterlagen wie die der vergangenen Tage seien in der Heftigkeit aber immer noch ein relativ seltenes Ereignis.

"Gewitter leben von Hitze unten und Kälte oben, weil die Temperaturunterschiede sehr groß sind", erklärte Schickedanz. Die Gefahr extrem heftiger Gewitter nehme daher mit steigenden Temperaturen laufend zu, solange es zudem auch feucht sei. "Je mehr Wärme ich habe, umso heftigere Gewitter habe ich. Mehr Wärme entsteht auch durch die Erwärmung des Klimas", sagte Schickedanz. Die vergangenen drei sehr trockenen Jahre seien aber trotz des Klimawandels gewitterarm gewesen.

Ulm

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Umweltministerin: Wegen Klimawandels auf häufige Unwetter vorbereiten

Nach Überzeugung von Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) sind die Gewitter und Überschwemmungen der vergangenen Tage eine Folge des Klimawandels. "Die Unwetter mahnen uns, unsere Anstrengungen beim Klimaschutz zu erhöhen", so Walker am Mittwoch. "Und sie erinnern uns daran, dass wir uns darauf vorbereiten müssen, dass es künftig verstärkt zu Starkregen- und Hochwasserereignissen kommen kann, auch am eigenen Wohnort", mahnte sie.

Walker rief die Kommunen auf, die extremen Wetterlagen im Blick zu haben und sich vorzubereiten. Für die Hochwasser an Flüssen lägen Hochwassergefahrenkarten vor, mit denen sich die Kommunen ausrechnen könnten, wie wahrscheinlich und wie stark sich verheerende Hochwasserereignisse in ihrer Region ereignen könnten. Außerdem lasse sich dort ablesen, wie hoch die zu erwartenden Schäden ausfallen könnten.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Württemberg hat mit Blick auf die Wetterlage zur Vorsicht gemahnt. "Die Häufigkeit der extremen Wetterlagen hat in den letzten Jahren enorm zugenommen", wird Armin Flohr, DLRG-Präsident des Landesverbandes Württemberg, in einer Mitteilung zitiert.

Die Organisation müsse sich daher künftig intensiver um die Ausbildung und Ausstattung ihrer ehrenamtlich tätigen Retterinnen und Retter bemühen. Das bringe auch finanzielle Herausforderungen mit sich. Die schweren Unwetter in den vergangenen Tagen seien für die DLRG-Einsatzkräfte eine besondere Herausforderung gewesen. In den betroffenen Kreisen mussten sie etwa Menschen retten, die in Fahrzeugen in den Fluten stecken geblieben waren.

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