Maske liegt am Boden (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Infektionsschutz im Land

Einzelhandel und Gastgewerbe begrüßen Wegfall der Maskenpflicht in Baden-Württemberg

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Eine Woche ist seit dem Ende der Maskenpflicht in Baden-Württemberg vergangen. Während die Einzelhändler auf gute Geschäfte hoffen, überwiegt bei den Gewerkschaften die Besorgnis.

Bei Einzelhandel und Gastgewerbe herrscht eine Woche nach dem Ende der Maskenpflicht in Baden-Württemberg Aufbruchsstimmung. "Die Begegnungen sind wieder unbeschwerter, man erlebt sich wieder intensiver - darauf haben wir zwei Jahre lang gewartet", sagt Andreas Hilgenstock, geschäftsführender Gesellschafter des Mannheimer Modehauses Engelhorn.

Gleichwohl sei er immer noch überzeugt, dass Impfung und Maskentragen der beste Schutz gegen Corona sind, so Hilgenstock. Doch mit dem Ende der Maskenpflicht überlasse es sein Unternehmen sowohl Kundinnen und Kunden als auch Mitarbeitenden, ob sie beim Einkaufen beziehungsweise Verkaufen eine Maske tragen wollen. Mit einer Ausnahme: "Wenn Kunden mit Maske auf unsere Mitarbeiter zukommen, setzen auch sie für die Beratung automatisch eine Maske auf", so der Gesellschafter. Die Masken stelle das Modehaus weiterhin für seine Mitarbeitenden zur Verfügung.

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Bei Bernhard Franke von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di überwiegt die Skepsis: "Wir sehen das Ende der Maskenpflicht sehr kritisch", sagt er. "Auch wenn wir uns alle danach sehnen: So lange in Deutschland noch immer täglich 250 bis 300 Corona-Patienten sterben, ist die Zeit nicht reif dafür", so der ver.di-Fachbereichsleiter für Handel. Viele Beschäftigte seien in Sorge, dass Kunden ohne Maske durch die Gänge liefen und dabei ihre Aerosole in den Verkaufsräumen verteilten.

"Das Gefährdungspotenzial sowohl für Arbeitnehmer als auch für Kunden wächst", so Franke. Leider sähen sich unter dem Konkurrenzdruck der Branche viele Unternehmen gezwungen, auf die Durchsetzung angemessener Infektionsschutzmaßnahmen mittels Hausrecht zu verzichten.

Gastgewerbe hofft auf gutes Ostergeschäft

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bewertet sowohl das Ende der Maskenpflicht als auch den Wegfall der 3G-Regelungen positiv, "weil dadurch die Zugangshürden für Gäste reduziert werden". Damit seien nun auch spontane und entspanntere Besuche von Gästen möglich, antwortet DEHOGA-Sprecherin Carolin Spies auf eine Anfrage des SWR. Meldungen über erhöhte Krankenstände bei den Beschäftigten lägen bisher nicht vor, das Gastgewerbe hoffe auf ein gutes Ostergeschäft.

Inwieweit Unternehmerinnen und Unternehmer über die aktuell geltenden Bestimmungen hinausgehende Schutzmaßnahmen umsetzen, müsse im Rahmen der unternehmerischen Freiheit in jedem Betrieb individuell entschieden werden, so Spies. Gleichwohl habe der DEHOGA Baden-Württemberg an Betriebe und Gäste appelliert, weiterhin bestmöglich zur Eindämmung der Pandemie beizutragen.

"In diesem Zusammenhang haben wir darauf hingewiesen, dass gastgewerbliche Betriebe im Rahmen ihres Hausrechts weiterhin die Möglichkeit haben, Anti-Corona-Maßnahmen wie zum Beispiel die 3G-Zugangsbeschränkung oder die Maskenpflicht beizubehalten", schreibt die DEHOGA-Sprecherin. Entsprechende Hinweisschilder für Betriebe seien weiterhin online abrufbar.

Gewerkschaft empfiehlt weiter Maskentragen

"Für uns steht nach wie vor der Gesundheitsschutz an erster Stelle", sagt Alexander Münchow, Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das Masketragen bleibe auch nach dem Wegfall der Pflicht der einfachste Schutz gegen Corona, weshalb die Gewerkschaft an ihrer Empfehlung festhalte.

"Auf menschlicher Ebene wünschen sich natürlich alle Beschäftigten, dass die Maske endlich weg kann, aber die Notwendigkeit besteht weiterhin und wird auch eingesehen", so Münchow. "Selbst die Arbeitgeber haben verstanden, dass die Corona-Lage immer noch angespannt ist und es auch in ihrem Interesse ist, dass die Krankmeldungen nicht alle auf einmal herein flattern."

Besonders Gastronomie und Einzelhandel waren im Verlauf der vergangenen zwei Jahre schweren Belastungen durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausgesetzt. Beide versprechen sich durch den Wegfall der Masken mehr Kundschaft.

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SWR