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Wasser ist Leben - aber manche Keime im Trinkwasser können lebensgefährlich sein. Die Kontrollen sind daher aufwendig, aber auch notwendig, wie aktuelle Fälle aus Baden-Württemberg zeigen.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

"Trinkwasser bitte abkochen" - wenn dieser Hinweise durch die Behörden verbreitet wird, sorgt das für Verunsicherung in der Bevölkerung. Denn das Wasser aus der Leitung gilt in Deutschland eigentlich als äußerst sauber und bedenkenlos trinkbar. Besonders Grundwasser gilt mancherorts als so rein, dass man es theoretisch sogar ohne Aufbereitung trinken könnte.

In den vergangenen Wochen kam es in Baden-Württemberg allerdings zu mehreren Vorfällen. Zuletzt wurde zum Beispiel in der Biberacher Innenstadt das Trinkwasser mit Chlor versetzt, weil dort wiederholt Keime nachgewiesen wurden. Ähnliche Vorkommnisse gab es Anfang Oktober in Offenburg (Ortenaukreis), Ende September in der Gemeinde Schönbrunn (Rhein-Neckar-Kreis), im Kreis Esslingen Anfang September, in Gingen an der Fils (Kreis Göppingen) Mitte August und in Hirschberg (Rhein-Neckar-Kreis) Mitte Juli.

Alle Fälle sind zwar dicht hintereinander aufgetreten, allerdings handele es sich nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums um "Zufälle". "Die Ursachen scheinen uneinheitlich zu sein", sagte am Dienstag Petra Mock, Leiterin des Referats Trinkwasserversorgung, auf SWR-Anfrage. Es gebe keinen Grund zur Sorge.

Das Wasser soll aufsprudeln (Foto: dpa Bildfunk, SWR, picture alliance / Patrick Pleul/Zentralbild/dpa)
Nervt, muss aber manchmal sein: Abkochen des Wasser bei entsprechenden Warnungen. picture alliance / Patrick Pleul/Zentralbild/dpa

Bakterien in kleinsten Mengen feststellbar

In Baden-Württemberg gibt es rund 1.300 Wasserversorger. Das Wasser, das diese durch die Leitungen in die Haushalte spülen, wird dabei immer wieder im Labor untersucht, um eine Belastung durch Keime auszuschließen. Laut Bernhard Röhrle von der Landeswasserversorgung, die zum Beispiel Stuttgart und Ulm mit Trinkwasser beliefert, lassen sich heutzutage schon Verunreinigungen in Molekülgröße ausmachen. "Die Analysemethoden sind sehr fein, wir können uns vollständig auf sie verlassen", so der Wasserforscher.

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SWR Fernsehen BW

Gibt es einen Treffer, wird das jeweilig zuständige Gesundheitsamt informiert. Dieses erlässt dann je nach Schwere ein Abkochgebot. Auf wie viele Haushalte sich dies dann auswirkt, ist unterschiedlich. Im Kreis Esslingen beispielsweise waren rund 22.000 Menschen betroffen, weil in einem Trinkwasserbehälter in Kirchheim/Teck Bakterien gefunden wurden.

E-Coli-Bakterien besonders gefährlich

Kleine Ursache, große Wirkung: Schon bei minimalen Mengen im Trinkwasser wird gehandelt. In Kirchheim/Teck wurde der ganze Wasserbehälter geleert, desinfiziert und die Leitungen zusätzlich gechlort. Als besonders gefährlich gelten E-Coli-Bakterien, die schwere Magen-Darm-Krankheiten auslösen können. Besonders gefährdet sind Säuglinge sowie alte und kranke Menschen.

zwei Männer prüfen das Trinkwasser (Foto: SWR)
Aus einem Behälter wird das Wasser entnommen und anschließend im Labor untersucht.

Und die Ursachen? Die lassen sich nicht immer feststellen. Im Kreis Esslingen vermutete man eine Fliege, konnte dies aber nicht zweifelfrei bestätigen. "Es könnte aber auch eine kleine Maus gewesen sein, die in den Wasserbehälter geraten ist", vermutet Bernhard Röhrle von der Landeswasserversorgung.

Dabei ist der technische Fortschritt bei den Analysemethoden Fluch und Segen zugleich. Zwar lassen sich immer kleine Verunreinigungen feststellen, allerdings sorgt dies auch für mehr Verunsicherung in der Bevölkerung - selbst wenn das Trinkwasser als das am genauesten untersuchte Lebensmittel im Land gilt.

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