Ein Mann zeigt ein Stäbchen für einen Abstrich.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Trendwende bei Infektionen

Warum die Corona-Zahlen in BW wieder steigen und was das für Folgen hat

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Nach Wochen des Rückgangs zeichnet sich eine Trendumkehr bei den Corona-Infektionszahlen in Baden-Württemberg ab. Die Zahlen steigen wieder. Geht es direkt in die nächste Welle?

Gut sah es aus seit Mitte Februar: Die Kurve der Corona-Fallzahlen in Baden-Württemberg fiel deutlich nach unten. Doch nun scheint der Abwärtstrend gebrochen.

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Die Neuinfektionen nehmen seit mehreren Tagen wieder zu - trotz eines minimalen Inzidenz-Rückgangs zum Wochenanfang. Ist das bereits eine neue Welle? Wir erklären, was es mit dem Anstieg auf sich hat und was das für die Kliniken im Land bedeutet.

Warum steigt die Corona-Inzidenz?

Fastnacht und die Lockerungen im kulturellen und Veranstaltungsbereich sind für das baden-württembergische Landesgesundheitsamt die wohl maßgeblichsten Gründe. Während der Faschingsferien waren die Menschen häufiger unterwegs und hatten auch mehr Kontakte, so die Einschätzung der Behörde. Zugleich hob die Landesregierung bereits Ende Februar zahlreiche Corona-Maßnahmen auf.

Ein weiterer Grund könnte die wohl noch leichter übertragbare Omikron-Untervariante BA.2 sein. Das bestätigt auch Pascal Kiss aus der SWR-Wissenschaftsredaktion. Man wisse auch aus anderen Ländern, dass diese noch ansteckender sei. Ihr Anteil an den Neuinfektionen nimmt weiter zu und könnte die Omikron-Welle laut Experten verlängern.

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Deshalb müsste man in den nächsten Wochen bei den über 60-Jährigen genauer hinschauen, so SWR-Wissenschaftsredakteur Kiss. Die seien bei der bisherigen Omikron-Welle weniger betroffen gewesen. Gerade ungeimpften älteren Menschen könnte die Omikron-Variante durchaus noch Probleme bereiten. Geimpfte müssten sich dagegen keine Sorgen machen, dort liege der Schutz immer noch bei über 90 Prozent, erklärt Kiss.

Wie ist die Belastung in den Kliniken?

Die Belastung der Krankenhäuser ist weiter sehr hoch. Jedes freie Bett werde genutzt, um die in den vergangenen Monaten zum Teil mehrfach verschobenen Operationen nachzuholen, teilt Matthias Einwag mit, Hauptgeschäftsführer der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft. Der Zeitpunkt, zu dem die Krankenhäuser in den Normalbetrieb übergehen könnten, rücke in weitere Ferne. Von der "relativ entspannten Situation im Sommer 2021" sind die Kliniken demnach noch weit entfernt.

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Damals wurden Einwag zufolge rund 50 Covid-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen behandelt, zuletzt waren es noch deutlich mehr als 200. Auch auf den Normalstationen bleibt die Auslastung mit Corona-Infizierten hoch.

Was heißt das für den Sommer?

Das Problem, das diesen Sommer von den vorherigen unterscheide, sei die bereits erwähnte Omikron-Variante, erklärt SWR-Redakteur Kiss. Sie sei ungefähr bis zu 200 Prozent ansteckender im Vergleich zum letzten Sommer. Auch bei wärmeren Temperaturen wird uns Corona wohl erhalten bleiben. Der Virologe Christian Drosten etwa geht nicht von einem infektionsfreien Sommer aus. Als Gründe nannte er den nicht ausreichenden Impffortschritt und die weiter hohe Infektionstätigkeit.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte zuletzt gar vor einer Sommerwelle bei den Neuinfektionen. Die Einhaltung der Schutzmaßnahmen und die Impfung seien nach wie vor wichtig, um das Infektionsgeschehen bestmöglich einzudämmen, betonte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart. Die Fachleute gingen laut Kiss nicht mehr davon aus, dass es im Sommer in den Kliniken noch mal zu einem Problem käme. Wenn überhaupt, könne es im Herbst und Winter noch einmal zu einer wirklich spürbaren Welle kommen.

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Wie sehr ist auf die aktuellen Corona-Zahlen Verlass?

Immer wieder ist von Meldeverzug und einer Dunkelziffer der Corona-Zahlen die Rede. Fakt ist: Die Gesundheitsämter verfolgen nicht mehr alle Kontakte. Zugleich fällt derzeit weiter mehr als jeder zweite PCR-Test positiv aus.

Diese Quote sei relativ gleich geblieben und zuletzt auch wieder gestiegen, bestätigt Pascal Kiss. Je höher die sogenannte Positivrate ist, desto größer dürfte die Zahl der unerkannten Infektionen sein. Die Fallzahlen in Kombination mit den Daten zur Auslastung in den Kliniken ermöglichten weiterhin eine sichere Beurteilung der Lage, zeigte sich der Sprecher des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums überzeugt.

Bringt der neue Impfstoff von Novavax eine Wende?

In Baden-Württemberg wird der Impfstoff von Novavax seit einer Woche verabreicht. Es gab die Erwartung, dass vor allem Menschen, die den mRNA-Impfstoffen kritisch gegenüberstehen, zu diesem Vakzin greifen würden. Doch die Nachfrage ist derzeit sehr gering, bestätigt das Sozialministerium auf Anfrage des SWR.

2.288 Menschen seien bisher in Baden-Württemberg mit dem Impfstoff von Novavax gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 geimpft worden. Dem stehen 192.000 Dosen des Impfstoffes gegenüber, die vergangene Woche geliefert wurden. Die Hälfte des Impfstoffes sei ausdrücklich für Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflegebranche reserviert. Die Landesregierung bedauert die auch aus ihrer Sicht sehr geringe Nachfrage nach dem Impfstoff.

Novavax wird in einem herkömmlichen Verfahren, ähnlich dem für Grippe-Impfstoffe, hergestellt. Diese Erweiterung der Impfstoffpalette habe leider nicht den erhofften Effekt für das Schließen der Impflücke gebracht, heißt es aus dem Sozialministerium. Das müsse aber bis zum Herbst gelingen, ansonsten werde man auf einen dritten Corona-Winter zusteuern.

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SWR