Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod - Montage: SWR)

Kultusminister-Konferenz zu Corona-Pandemie

Warum Baden-Württemberg die Maskenpflicht an Schulen teilweise abschafft

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Wie können die Schulen trotz Corona offen bleiben? Darüber diskutiert heute die Kultusminister-Konferenz. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper will weniger Masken.

Nach vielen Monaten treffen sich am Donnerstag und Freitag die für Bildung zuständigen Senatorinnen und Senatoren und Ministerinnen und Minister der 16 Bundesländer zur Kultusminister-Konferenz (KMK) in Potsdam. Auf Grund der Corona-Pandemie findet diese nur als Videokonferenz statt. Das wichtigste Thema sind die Bedingungen des Schulunterrichts in Hinblick auf die Ansteckungsgefahr mit Covid-19, sagte KMK-Präsidentin, Brandenburgs sozialdemokratische Bildungs- und Jugendministerin, Britta Ernst (SPD) dem SWR.

Vor Beginn der Kultusminister-Konferenz hat SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern mit der baden-württembergischen Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) gesprochen.

Arne Wiechern, SWR Aktuell: Das Land hat angekündigt, auf der einen Seite die Maskenpflicht im Unterricht zu lockern - auf der anderen Seite aber bis Ende des Jahres weiter zu testen. Ist Ihnen also bei der Lockerungs-Idee doch nicht so ganz wohl?

Theresa Schopper: Nein. Wir haben mit der Lockerung der Maskenpflicht eine Abwägung getroffen. Es ist pädagogisch notwendig, dass man auch das Gesicht sieht. Das ist gerade für die Grundschülerinnen und Grundschüler wichtig. Die Kleinen müssen die Mimik des Lehrers und der Lehrerinnen sehen. Bei den Älteren gilt das zum Beispiel beim Lernen einer Fremdsprache.

Jenseits der pädagogischen Sicht ist es für viele nicht einfach, den ganzen Tag die Maske in der Schule anzuziehen. Wir haben das abgewogen. Wir hatten ja schon einmal nach den Pfingstferien auf die Maskenpflicht verzichtet, als die Inzidenzzahlen gut waren.

Wir haben zwar ein Infektionsgeschehen an den Schulen, sehen aber auch, dass wir nicht durch die Decke schießen. Zusätzlich haben wir andere Sicherheitszäune, wie ich es nenne, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Deshalb haben wir gesagt: Wir machen das im Zuge der nächsten Änderung der Corona-Verordnung, die wir am 18. Oktober in Kraft setzen. Da gehen wir dann den Schritt, dass die Maske an den Schulen am Platz abgenommen werden darf. Im Schulgebäude, wenn man herumläuft und auch, wenn man im Klassenzimmer zur Tafel geht, muss man die Maske wieder aufsetzen.

Die Tests haben wir noch einmal erhöht, weil wir gesagt haben: Wir gehen jetzt in den Winter. Da fühlt sich dieses Virus besonders wohl. Von daher haben wir von vornherein gesagt: Wir machen dreimal die Woche Antigen-Tests und zweimal die Woche PCR-Tests, weil die früher andeuten, ob jemand mit einer Infektion zugange ist oder nicht.

Auf der einen Seite haben Sie Sorge, dass im Winter die Corona-Infektionszahlen ansteigen. Auf der anderen Seite wollen Sie die Masken wegnehmen und trotzdem viel testen. Ich finde, das klingt widersprüchlich.

Die Pandemie ist insgesamt widersprüchlich. Wir werden auch in den kommenden Jahren mit SARS-CoV-2 leben - mit welcher Variante auch immer. Deshalb müssen wir schauen, wie man mit dem Impfen gerade die ältere Generation schützen kann. Das war ja der Grund, warum wir Schulen geschlossen haben. Weil man Angst hatte, dass über Kinder eine Infektion in die Familien getragen wird. Wir wussten, dass sich vulnerable Gruppen nicht dagegen schützen konnten. Wir haben jetzt den Impfstoff. Mit der Impfquote haben wir allerdings noch Luft nach oben. Das ist genau der Schutz auch für die Kinder (unter zwölf Jahren, Anm. d. Red), für die es noch keinen Impfstoff gibt.

Sie schreiben in Ihrer Stellungnahme vom Juli zur Impfkampagne: Die Lehrerinnen und Lehrer und auch die Erzieherinnen und Erzieher sind aufgrund der Priorisierung bereits jetzt zu großen Teilen vollständig geimpft. Aber was macht Sie so sicher, dass das wirklich so ist? Eine Meldepflicht für das Personal gibt es ja bis heute nicht.

Wer an den Schulen nicht geimpft ist, muss jeden Tag getestet werden. Von daher haben wir schon einen Überblick. Diejenigen, die geimpft oder genesen sind, müssen nicht jeden Tag mit einem Corona-Test in die Schule kommen. Von daher wissen wir, die Ungeimpften machen keinen großen Prozentsatz aus.

Die Verantwortung der Lehrkräfte aber auch der Erzieherinnen war sehr hoch. Sehr viele haben die Möglichkeit genutzt, sich ab Februar impfen zu lassen. Wir appellieren jetzt an diejenigen, die noch nicht beim Impfen waren. Bei den Lehrkräften haben wir eine Impfquote 80 bis 90 Prozent. Im Vergleich zur normalen Impfquote sind wir da deutlich drüber.

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