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Braucht Baden-Württemberg trotz langsamer steigender Infektionszahlen mehr Intensivbetten? Und müssen wirklich provisorische Notfallkliniken zum Beispiel in Messehallen geplant werden? Ja, sagt die Landesregierung.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag gab es Lob und Dank von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) für das disziplinierte Verhalten der Baden-Württemberger in Zeiten des Kontaktverbots. Das scheint zu wirken, denn die Zahl der Neuinfektionen wächst deutlich langsamer als noch vor wenigen Tagen. Trotzdem will die Landesregierung bis Ende April 1.000 zusätzliche Intensivbetten in den Kliniken im Land bereitstellen. Es wäre regelrecht verantwortungslos, unser Gesundheitssystem nicht weiter aufzurüsten, warnt eine Sprecherin des Sozialministeriums.

Zahl der Neuinfektionen steigt weiter an

Auch Wissenschaftler warnen vor einer trügerischen Sicherheit, weil die Maßnahmen gegen Corona erste Wirkung zeigen. Zwar beginnt sich die Kurve der Neuinfektionen abzuflachen, doch sie steigt immer noch an. Das Wachstum ist nun langsamer, aber es ist immer noch ein Wachstum. Auch der Anteil von schweren Verläufen von Covid-19 bleibt deswegen unverändert. In Summe wird die Zahl dieser Patienten also weiter steigen.

Trügerisch ist der Erfolg der Kurve auch, weil Covid-19 sich nach der Ansteckung viel Zeit lässt. Der kritische Verlauf der Krankheit beginnt erst rund zehn Tage nach der Ansteckung. Das heißt, die Ansteckungen von heute führen erst in eineinhalb Wochen dazu, dass mehr Intensivbetten gebraucht werden.

Ein Patient im Krankenhaus wird behandelt (Foto: SWR)
Coronapatienten müssen in schweren Fällen oft wochenlang behandelt werden.

Schwer Erkrankte müssen lange behandelt werden

Erfahrungen aus China zeigen, dass Patienten im Schnitt drei Wochen lang intensivmedizinisch betreut werden müssen. Es dauert also ungewöhnlich lange, bis ein Intensivbett für den nächsten Patienten wieder frei wird. Der Anteil an Coronapatienten auf den Intensivstationen wird deshalb weiter wachsen. In Baden-Württemberg waren es vor einer knappen Woche schon über 30 Prozent - so viel wie in keinem anderen Bundesland.

"Nicht zu früh nachlassen"

Ob am Ende alle Entscheidungen richtig seien, könne im Moment keiner wissen. Es sei eben derzeit auch ein Blick in die Glaskugel, gesteht ein leitender Experte aus einem Stuttgarter Krankenhaus. Doch im Moment überwiege der Teil der warnenden Stimmen: "Bloß nicht zu früh nachlassen bei der Bereitstellung von Intensivbetten." In 14 Tagen könne man auf einer stabileren Grundlage entscheiden.

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