Pflegerinnen auf einer Covid-19-Intensivstation (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Immer mehr Infizierte auf Intensivstationen

Corona-Warnstufe nicht vor Mittwoch: Zahlen in BW weiter unter Grenzwert

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Auch am Donnerstag ist die Zahl der Corona-Intensivpatienten in BW mit 246 unter der Schwelle von 250 geblieben. Ein Überschreiten in den kommenden Tagen gilt als wahrscheinlich.

Die landesweite Warnstufe tritt in Baden-Württemberg in Kraft, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Werktagen mehr als 250 Covid-19-Erkrankte auf den Intensivstationen des Landes liegen. Das Landesgesundheitsamt hat (Stand Donnerstag: 16 Uhr) einen Wert von 246 gemeldet. Damit liegt das Land unter der Schwelle, ab der schärfere Corona-Maßnahmen in Kraft treten.

Keine Warnstufe vor Mittwoch

Sollte die Intensivbettenbelegung mit Covid-19-Patientinnen und -patienten erstmals am Freitag über 250 steigen, könnte die Schwelle aufgrund des Wochenendes und dem darauffolgenden Feiertag frühestens am Dienstag ein zweites Mal an einem Werktag überschritten werden. Daher werde es vor Mittwoch kommender Woche keine strengeren Regeln geben, teilte das Sozialministerium am Donnerstagbend mit.

Wird die Warnstufe ausgerufen, so treten automatisch landesweite Einschränkungen für Ungeimpfte in Kraft - unter anderem Kontaktbeschränkungen. Ein Haushalt dürfte sich nur noch mit fünf weiteren Personen treffen. Außerdem müssten Ungeimpfte vielerorts negative PCR-Tests vorweisen. Von den Einschränkungen ausgenommen sind neben Geimpften und Genesenen auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Menschen, die sich etwa aus medizinischen Gründen nicht gegen das Coronavirus impfen lassen können.

Auch Gastronomie von Warnstufe betroffen

Seit Donnerstag können Wirte und Wirtinnen selbst entscheiden, ob ihre Beschäftigten Masken bei der Arbeit tragen müssen. Voraussetzung ist, dass sie sich für die 2G-Option entschieden haben. Doch sobald die Warnstufe in Kraft ist, gilt diese Regelung nicht mehr.

Erneuter Anstieg an Intensivpatienten

Die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz lag am Donnerstag bei 4,3. Das bedeutet, dass innerhalb einer Woche 4,3 Menschen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner mit Corona-Symptomen ins Krankenhaus gekommen sind. Auch die Hospitalisierungsinzidenz kann die Warnstufe auslösen. Dafür müsste ihr Wert an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen bei 8,0 oder darüber liegen.

So berichtete SWR Aktuell vor Kurzem über das Thema:

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Lucha sieht Verantwortung für Infektionsanstieg bei Ungeimpften

Die Gründe für die steigenden Zahlen seien für ihn klar, hatte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) zuletzt gesagt. "Die wenigen Prozente der Nichtgeimpften sind verantwortlich für rund 80 Prozent der Infektionen und damit natürlich auch für die angespannte Lage in den Intensivstationen." Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) pflichtete ihm bei: "Die Träger der Pandemie sind jetzt die Ungeimpften. Sie entscheiden letztlich darüber, ob es zu diesen Maßnahmen kommt oder nicht", sagte er am Dienstag.

Intensivmediziner besorgt über Entwicklung der Bettenbelegung

Der Koordinator für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten in Baden-Württemberg blickt angesichts der hohen Zahl an belegten Intensivbetten besorgt auf die weitere Entwicklung. Wenn die derzeitigen Prognosen eintreffen sollten, sei das ein wirkliches Problem, sagte Götz Geldner, Ärtzlicher Direktor der Ludwigsburger RKH-Kliniken. Auch er hatte damit gerechnet, dass noch im Laufe dieser Woche die Zahl von 250 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen und damit die Warnstufe erreicht werde. Ein Großteil der Patientinnen und Patienten sei zudem mit 35 bis 65 Jahren deutlich jünger als davor und bleibe länger auf der Intensivstation als Ältere. Dies verknappe die Kapazitäten weiter. Laut Geldner sind nahezu alle Intensivpatienten ungeimpft.

Warnstufe soll Krankenhäuser entlasten

Mit der Warnstufe und den Einschränkungen will das Land vor allem die Krankenhäuser entlasten und Ansteckungen ausbremsen. Für Letzteres soll eine konsequente PCR-Testung ungeimpfter Personen sorgen. Gesundheitsminister Lucha hält es zudem für möglich, dass die Einschränkungen Menschen dazu bewegen könnten, sich doch impfen zu lassen. Die erfolgreichsten Maßnahmen der vergangenen zwanzig Monate seien nicht die gewesen, die auf die Vernunft und Einsicht der Menschen gesetzt hätten, meinte er.

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