Ausgetrockneter Wald (Foto: SWR, Landratsamt Zollernalbkreis, Anja Martens)

Trockene und heiße Sommer

Landeswaldverband: Wälder in Baden-Württemberg müssen auf Brandgefahr vorbereitet werden

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Der trockene und heiße Sommer sorgt in diesem Jahr in Baden-Württemberg immer wieder für Waldbrandgefahr. Um die Wälder zu schützen, muss laut Verbänden nachgerüstet werden.

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Das Risiko für schwere Brände ist dem baden-württembergischen Landeswaldverband zufolge deutlich größer geworden. Vor allem im Rheintal, wo die sandigen Böden nur wenig Wasser speichern könnten. Immer häufiger gilt in Baden-Württemberg die höchste Waldbrand-Gefahrenstufe, im benachbarten Elsass wurden wegen der Trockenheit bereits Wälder gesperrt. Um in Zukunft für die wachsende Bedrohung gewappnet zu sein, setzt sich der Landesverband für mehr Artenreichtum und das Aufforsten mit verschiedenen Baumarten ein. Daneben fordert er ein flächendeckendes Waldbrand-Management. Wichtig sei außerdem eine bessere Zusammenarbeit zwischen Forstleuten, Feuerwehr und Katastrophenschutz, sagte ein Sprecher des Landeswaldverbands dem SWR.

Forstkammer BW: "Unsere Wälder sind nicht auf diese Gefahr vorbereitet"

Angesichts der anhaltenden Trockenheit und steigender Waldbrandgefahr in den kommenden Jahren muss sich Baden-Württemberg auch aus Sicht der Forstkammer besser für mögliche Waldbrände wappnen. "Unsere Wälder sind nicht auf diese Gefahr vorbereitet", sagte Jerg Hilt, der Geschäftsführer der baden-württembergischen Forstkammer.

Neben einer regionalen Risikoanalyse sei es wichtig, auch weiter verstärkt klimastabile Mischwälder anzubauen. "Wir müssen zusehen, dass wir die richtige Baumart an den richtigen Standort stellen", sagte Hilt der Deutschen Presse-Agentur. Es gelte zudem, die Feuerwehr besser für den Kampf gegen Waldbrände auszustatten, Abläufe bei der Brandbekämpfung einzuüben, Brunnen auszuheben und Löschteiche anzulegen.

"Das ist alles ein enormer Aufwand. Aufgrund der Historie gibt Baden-Württemberg bislang allerdings nicht viel Geld aus für die Brandbekämpfung im Forst", sagte Hilt weiter. "Das wird sich in den kommenden Jahren sicher ändern müssen." Er setzt ebenso wie das Land auch auf neue Kooperationen und eine stärkere Zusammenarbeit von Forstbesitzern, Feuerwehr und Politik.

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Praxis und Wissenschaft arbeiten in Modellregion Hardtwald zusammen

Ein gutes Beispiel sei die Modellregion für das Waldbrandmanagement im Hardtwald in der nördlichen Rheinebene zwischen Ettlingen (Kreis Karlsruhe) und Heidelberg. Dort werden in enger Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft zwischen Feuerwehr, Forst und weiteren Akteuren Verfahren und Konzepte entwickelt, erprobt und eingeübt.

Baden-Württemberg trage zwar als Region mit viel Regen bislang ein vergleichsweise geringes Risiko, sagte Hilt weiter. "Aber es ist wichtig, dass wir die Waldgebiete rüsten für die Zeit, in der das Risiko für Brände durch den Klimawandel steigt." Die Buchenrinde sei zum Beispiel zu dünn. "Da braucht es nicht lange und schon ist der Baum kaputt."

Immer mehr Regionen in BW von Waldbränden betroffen

Wegen der lang anhaltenden Trockenheit sorgen sich vor allem Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Im Großraum Karlsruhe war die Feuerwehr nach mehreren Bränden in den vergangenen Tagen alarmiert, auch in anderen Regionen hat die Zahl der Flächen- und Waldbrände zuletzt deutlich zugenommen. Nach Angaben Hilts, Geschäftsführer der baden-württembergischen Forstkammer, zählten die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in den vergangenen zehn Jahren bislang rund 370 Feuer. Es wurden in dieser Zeit mehr als 90 Hektar Wald zerstört, das entspricht der Größe von ungefähr 126 Fußballfeldern.

Baden-Württemberg zählt mit rund 1,4 Millionen Hektar zu den waldreichsten Ländern in Deutschland. Nahezu 38 Prozent der Landesfläche sind bewaldet, davon gehören rund 40 Prozent den Kommunen und Gemeinden. Weitere 36 Prozent sind in Besitz von Privateigentümerinnen und Privateigentümer, rund 24 Prozent gehören dem Land Baden-Württemberg.

Im Kampf gegen das steigende Risiko von Bränden können besser ausgebildetes und ausgerüstetes Forstpersonal nach Ansicht von Waldbesitzern und Naturschutz eine Art "Erste Hilfe" leisten. Das Forstpersonal müsse vor allem in den gefährdeten Revieren der Rheinebene sofort die benötigte Ausbildung und die erforderlichen Geräte erhalten, forderten der Landeswaldverband und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) am Dienstag in Stuttgart.

Das "Freiburger Modell" als Vorbild

Vorbild könne das sogenannte Freiburger Modell sein, sagte Johann Georg Goldammer, der Leiter der Arbeitsgruppe Feuerökologie und des Zentrums für Globale Feuerüberwachung in Freiburg. In dem seit 2012 aufgebauten Programm erhält das Forstpersonal dieselbe Ausbildung wie die Feuerwehr Freiburg. "Außerdem verfügen die Forstleute über eine leichte Grundausrüstung für den Erstangriff eines Waldbrands", sagte Goldammer.

Wichtig sei auch ein "Waldbrandrisikomanagement" auf Landesebene, betonten der Landeswaldverband und der NABU. Zuständigkeiten und Verfahren müssten zwischen den Ressorts klar geregelt, die Aufgaben Naturschutz, Waldbewirtschaftung und Waldbrandprävention vernetzt werden, forderten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und NABU. Feuerwehren und Forstpartien müssten konsequent mit der modernsten Technik zur Waldbrandbekämpfung ausgestattet, klimaresiliente Wälder und Mischwälder mit vielen Laubbäumen beim Waldumbau bevorzugt werden.

Waldfachleute kritisieren Feuerwerksfestivals

Baden-Württembergische Forstleute gehen mit Feuerwerksveranstaltungen wie dem Koblenzer Spektakel "Rhein in Flammen" oder dem Festival "Flammende Sterne" in Ostfildern hart ins Gericht. "Ich persönlich halte es in der aktuellen Situation für grob fahrlässig", sagte Dietmar Hellmann, der Vorsitzende des Landeswaldverbandes. An Waldeingängen und in den Medien werde streng darauf hingewiesen, dass das Rauchen im Wald und offene Feuer konsequent verboten seien.

Goldammer erinnerte an vier ausgebrochene Brände im Anschluss an das jüngste Event "Rhein in Flammen". "So ein Feuerwerk, vor allem, wenn es ein offizielles Programm ist, ist zu einer Zeit wie der jetzigen verantwortungslos", kritisierte er.

BW-Landwirtschaftsminister plant bessere Kommunikation

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) will die Waldbrandbekämpfung verbessern. Er räumte ein, dass die Kommunikation zwischen Forstleuten und Feuerwehr eine Schwachstelle sei. Daher sei es nötig, sich besser zu vernetzen, sagte der Landwirtschaftsminister dem SWR. Der Landeswaldverband hatte beklagt, dass die Forstleute bei einem Waldbrand oft nicht einmal die Möglichkeit hätten, per Funk mit der Feuerwehr zu kommunizieren. Um die Koordination zu verbessern, will Hauk zwei zusätzliche Personalstellen beantragen. Der Landeswaldverband geht davon aus, dass eher 150 zusätzliche Stellen notwendig sind. Das Land müsse eine zentrale Anlaufstelle schaffen.

BW-Innenminister Strobl: "Bisher keine großen Brände im Land"

Trockenheit und Hitze kombiniert mit wenig Niederschlägen hätten in Baden-Württemberg bislang nur zu Vegetationsbränden gefürt, äußerte sich Baden-Württembergs Innennminister Thomas Strobl (CDU) in einer Mitteilung. Davon seien bislang nur Wiesen und Felder betroffen gewesen. Gemeindefeuerwehren konnten diese Brände schnell wieder löschen.

Dennoch betonte der Innenminister, dass sich das Land auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Forstverwaltung und Feuerwehr konzentriert und verwies dabei auf das Projekt "Modellregion Waldbrandschutz Hardtwald". "Darauf aufbauend halte ich es für sehr sinnvoll, das Konzept der Fachberater-Tandems auch in anderen Landesteilen einzuführen", so Strobl. Außerdem lobte er das gute Waldwegnetz, das Feuerwehren ermögliche Waldbrände schnell zu bekämpfen.

Über 100.000 Feuerwehrkräfte stehen in baden-württembergischen Städten und Gemeinden zur Verfügung, um Waldbrände zu bekämpfen. Hinzukommen zwei Hubschrauber der Landespolizei mit Löschwasserbehältern. Unterstützend könnten Hubschrauber der Bundespolizei oder Bundeswehr angefordert werden. Er lobte auch das Pilotprogramm der EU zur Waldbrandbekämpfung in Griechenland.

SPD-Landtagsabgeordneter: Fokus darf nicht nur auf Modellregionen liegen

Die Warnungen eines erhöhten Waldbrandrisikos müssen ernst genommen werden, betonte Jan-Peter Röderer, der forstpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Auch die Hinweise, dass die Wälder im Land nicht auf das gestiegene Brandrisko vorbereitet seien, dürfe nicht ignoriert werden. "Die Botschaft der Fachleute ist unmissverständlich: Es muss gehandelt werden", sagte Röderer dem SWR. In Baden-Württemberg gebe es viele gute Ideen, diese Probleme zu beheben. Bislang würden sie aber nur punktuell umgesetzt. Man dürfe sich nicht nur auf Modellregionen fokussieren.

Technische Ausrüstung und Schulungen kosten Geld. Hier dürfe das Land nicht nur an die eigenen Wälder denken und auch Kommunen und Privatwaldbesitzerinnen und -besitzer nicht alleine lassen. Nur weil es in der Vergangenheit wenige Waldbrände gab, die für Probleme gesorgt haben, dürfe die Vorsorge nicht außer Acht gelassen werden. "Wir brauchen andere, resilientere Wälder. Und das Land muss endlich beim Klimaschutz aufholen." Sonst werden die Sommer in Zukunft richtig brenzlig.

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