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Dürre, Sturm und Borkenkäfer - sie haben dem baden-württembergischen Wald zugesetzt. Wie viel Wald wurde eigentlich zerstört? Und was kostet es, den Forst wieder fit zu machen?

Fast 46.000 Fußballplätze - diese Fläche nehmen die Bäume ein, die die Hitze und den Borkenkäfer in den vergangenen beiden Sommern und den nächsten beiden Jahren in Baden-Württemberg nicht überstanden haben und nicht überleben werden. Dabei sind vor allem Fichten und Buchen, Tannen und Kiefern.

Um diese Fläche erneut zu bepflanzen und zu begrünen, muss das Land zwischen 2018 und 2021 fast 340 Millionen Euro in die Hand nehmen. Es müsse eine Fläche von rund 15.600 Hektar bepflanz werden. Das teilt das Forstministerium in einer Antwort auf eine Landtagsanfrage der CDU mit.

Beschädigt worden sei sogar eine doppelt so große Fläche. Allerdings sollen etwa 17.000 Hektar durch eine sogenannte Naturverjüngung bepflanzt werden. Das ist eine Art Wald-Erneuerung zum Nulltarif. Das heruntergefallene Saatgut eines Baumes wird dabei in den Waldboden eingearbeitet. So kann sich aus der selbständigen Saat umstehender Bäume ein neuer Jungbestand entwickeln.

Waldshut-Tiengen: Tote Nadelbäume stehen in einem Wald.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Patrick Seeger/dpa)
Tote Nadelbäume im Wald bei Waldshut-Tiengen picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Privatwälder sind nach Angaben des Forstministeriums besonders betroffen. Dort liegt die Masse an Schadholz nach den Erhebungen bei rund 9 Millionen Erntefestmetern zwischen 2018 und 2021. Im Kommunalwald sind es demnach 7,4 Millionen und im Staatswald 4,9 Millionen. "In Bannwäldern, Kernzonen der Biosphärengebiete sowie im Nationalpark wird bewusst auf Pflanzungen und Wiederaufforstungen verzichtet", teilt das Ministerium weiter mit. Beim Verjüngen setzt das Land auf "neue und zukünftige Baumarten", wie es heißt.

Hoffnung: Douglasie, Roteiche und andere

Hoffnungen setzen die Experten auf Baumsorten wie die aus Nordamerika stammende Douglasie oder die Roteiche, die in Südeuropa wächst. Aber auch der Tulpenbaum und die Baumhasel, die Edelkastanie, Hainbuche und Sandbirke, die Japanische Lärche und die Robinie haben Aussicht, künftig stärker in baden-württembergischen Wäldern vertreten zu sein. "Bei der anstehenden Wiederbewaldung wird darauf geachtet, den Wald mit standortangepassten und klimaresilienten Baumarten an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen", sagt Forstminister Peter Hauk (CDU).

Denn viele der derzeit dominierenden Baumarten würden durch Trockenheit und Hitze Probleme bekommen. Das Problem: In den Forstbaumschulen wachsen diese Arten noch nicht ausreichend. Es ist außerdem noch unklar, welche Folgen viele dieser neuen Baumarten für die Fauna und Flora haben. Anbauerfahrungen gibt es bislang kaum.

Wiederaufforstung wird etwa zehn Jahre dauern

Das Landeswaldgesetz schreibt Waldbesitzern vor, Waldflächen innerhalb von drei Jahren wieder aufzuforsten durch Naturverjüngung, Pflanzung oder Saat. Bis alleine die Schäden der vergangenen zwei Jahre beseitigt sind, dürfte aber weit mehr Zeit vergehen: "Die Wiederaufforstung aller Flächen wird etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen", schätzt Jerg Hilt, der Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg.

Die Flächen müssten frei geräumt werden, danach werde oft bis zu drei Jahre gewartet, ob sich eine natürliche Waldverjüngung einstellt. "Wenn das nicht geht oder nicht erfolgreich ist, wird gepflanzt", sagt Hilt. Erst nach frühestens weiteren fünf Jahren könnten Förster und Waldbesitzer davon ausgehen, dass die Wiederbewaldung funktioniert hat. Vorausgesetzt, die Temperatur in den kommenden Sommern dreht nicht wieder so folgenschwer auf.

43 Prozent der Waldfläche im Land gelten als "deutlich geschädigt"

Bereits der Ende Oktober vorgestellte Waldzustandsbericht 2019 hatte Baden-Württembergs Wäldern große Schäden durch extreme Hitze und Dürre des Vorjahres sowie den Baumschädling Borkenkäfer bescheinigt. Demnach fällt im Rheintal die Kiefer auf großen Flächen aus, in weiten Teilen Baden-Württembergs gibt es immense Schäden bei Tannen und der Fichtenbestand ist massiv vom Borkenkäfer geschädigt worden. Laut Waldzustandsbericht ist nur jeder fünfte Baum ungefährdet, 43 Prozent der Waldfläche Baden-Württembergs gelten sogar als "deutlich geschädigt". "Es sind nahezu alle Arten betroffen. Und unsere heimischen Baumarten stoßen an ihre Grenzen", sagt Hauk.

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