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Die Grünen im baden-württembergischen Landtag werfen dem CDU-geführten Kultusministerium vor, das Thema Vielfalt an den Schulen zu vernachlässigen. Das Ministerium erklärt dagegen, das werde bei der Lehrerfortbildung aufgegriffen.

Die Schulen sollen "Orte der Weltoffenheit sein, die es jungen Menschen ermöglichen, die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren", heißt es vom baden-württembergischen Kultusministerium. Doch viele Jugendliche werden in der Schule gemobbt, wenn sie lesbisch, schwul, bi, trans oder queer sind. Das sei immer noch ein Tabu, sagt die Grünen-Abgeordnete Brigitte Lösch, die sich für die Gleichbehandlung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten einsetzt. Sie fordert mehr Mut beim Thema Vielfalt.

Zu wenige Ansprechpartner bei Diskriminierung

Es gebe keine Ansprechpartner in der Schulverwaltung, etwa wenn eine transsexuelle Lehrerin gemobbt werde. Eine Hilfestellung für Schulpsychologen liege schon seit zwei Jahren vor, ohne dass sie eingesetzt werde. Doch das Kultusministerium scheine, so die Grünen-Abgeordnete Lösch, kein Interesse zu haben, das Thema umzusetzen.

Kritik kommt auch vom Lesben- und Schwulenverband Baden-Württemberg. "Bereits 2016 haben wir vor fehlender Verbindlichkeit und Überprüfbarkeit gewarnt", erklärte Kerstin Fritzsche aus dem Landesvorstand. "Leider sehen wir uns damit in unseren Befürchtungen bestätigt." Über die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten müsse im Schulunterricht und in Schulbüchern sachlich und angemessen informiert werden. "Im Schulalltag ist das offensichtlich nicht der Fall", ärgern sich die Lesben- und Schwulenvertreter.

Zwei Mädchen schauen auf ein Smartphone und lachen (Foto: Imago, imago images / Westend61 (Symbolbild))
Für Schüler, die wegen ihrer sexuellen Orientierung gemobbt werden, gibt es laut der Grünen zu wenige Ansprechpartner. Imago imago images / Westend61 (Symbolbild)

Empfehlungspapier kommt erst im Herbst

Das Ministerium entgegnet, das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung erarbeite aktuell ein solches Empfehlungspapier für Schulpsychologen für den Herbst. Lehrkräfte sollten bei besonders sensiblen Fragestellungen unterstützt werden. Das neu geschaffene Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung entwickele Konzepte und nehme verschiedene Diskriminierungsformen in den Blick.

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