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Der Gehaltsunterschied zwischen Beschäftigten und Vorständen von Dax-Unternehmen bleibt gewaltig. Im Schnitt verdienten Dax-Vorstände 2020 etwas weniger, allerdings mit Ausnahmen.

Die Vorstandsgehälter der 30 DAX-Unternehmen sind im letzten Jahr leicht gesunken - um 3,3 Prozent. Das Gefälle zu den Beschäftigten bleibt aber groß. Das zeigt eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der TU München.

Im Vorstand bekommt man 48 Mal so viel wie als Mitarbeiter

Der Verband DSW und die TU-Forscher registrieren damit den dritten Rückgang in Folge. Entscheidend dafür sei, wie sich die Gewinne entwickelt hätten, sagte der Studienleiter, Professor Gunther Friedl von der TU München, bei der Vorstellung der Studie. Im Corona-Jahr 2020 seien die operativen Gewinne vor Zinsen und Steuern um mehr als 25 Prozent zurückgegangen. In der Folge seien auch die Boni gesunken, nämlich um deutliche 18,9 Prozent. Die Fixvergütung habe sich aber um 1,2 Prozent im Vergleich zu 2019 erhöht.

Vor einem leuchtenden Dax-Schriftzug stehen dunkle Plastikfiguren (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ein leichter Rückgang der Dax-Vorstandsgehälter verringert die Lücke zu den Angestellten etwas. Im Schnitt verdienen sie aber noch 48 Mal so viel. Picture Alliance

Im Schnitt verdient ein Dax-Vorstandsmitglied mit 3,4 Millionen Euro etwa das 48-Fache eines Normal-Beschäftigten, stellt die Studie fest. 2018 war es noch das 52-Fache.

Studie lobt Gehalts-Ausrichtung an langfristigen Zielen

Die Forschenden stellen fest, dass die Unternehmen ihre Vorstandsvergütungen zunehmend an langfristigen, und auch an ökologischen und sozialen Zielen ausrichten. Diese Struktur habe die richtigen Anreize gesetzt um die Unternehmen durch die Krise zu steuern, sagt Studienleiter Friedl. Er sieht allerdings jetzt noch größere Herausforderungen, vor denen die Unternehmen stehen.

„Der Umbau zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Gesellschaft wird eine der zentralen Herausforderungen für die Wirtschaft. Wir können bereits erkennen, dass Unternehmen ihre Vergütungssysteme umbauen. Gleichzeitig muss sich meines Erachtens diese Jahrhundertaufgabe in den nächsten Jahren noch wesentlich stärker in einer strukturellen Änderung der Vergütung niederschlagen.“

SAP zahlt im Dax am meisten an die Vorstände

Ganz vorn auf der Liste der DSW steht der Walldorfer Softwarekonzern SAP, der im Vergleich am meisten an seine Vorstandsmitglieder zahlt. Dort bekam ein Vorstandsmitglied im Schnitt 7,4 Millionen Euro, das ist deutlich mehr als im Jahr vorher. Auf Platz zwei und drei folgen der Pharmakonzern Merck und der Industriegase-Hersteller Linde. Wenn Pensionen und Einmalzahlungen einbezogen werden, sticht dagegen Volkswagen hervor.

SAP-Gebäude in Walldorf (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)
picture alliance/dpa | Uwe Anspach

Millionen für die Chefs - nicht so viel im internationalen Vergleich

Die Studie listet auch die Einkommen der Vorstandsvorsitzenden auf. Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne bekamen laut der Berechnung für das Jahr 2020 im Schnitt rund 5,4 Millionen Euro, und damit in etwa das 76-Fache eines durchschnittlichen Angestelltengehalts.

An der Spitze steht Stephen Angel von Linde mit rund 14 Millionen Euro, es folgen Christian Klein von SAP mit 8,4 Millionen Euro und Volkswagen-Chef Herbert Diess mit 7,9 Millionen Euro. Am wenigsten - unter den Dax-Vorstandsvorsitzenden - bekam MTU-Chef Reiner Winkler mit knapp 1,9 Millionen Euro Gesamtvergütung. Eingerechnet sind das Festgehalt sowie die kurz- und langfristige variable Vergütung. Zum Vergleich: in den USA kommt beispielsweise Nike-Chef John Donahoe umgerechnet auf rund 46,8 Millionen Euro.

Nur wenige Frauen - aber beim Verdienst liegen sie vorn

Bemerkenswert sind die Gehaltsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Vorstandsmitgliedern: So verdienten die männlichen Vorstände - Vorstandschefs nicht eingerechnet - mit durchschnittlich 2,9 Millionen Euro deutlich weniger als ihre weiblichen Kolleginnen, die auf 3,4 Millionen Euro kommen. Damit liegen die Frauen in den Vorständen zum ersten Mal vorn.

Eine Person mit Aktenkoffer mehrfach gespiegelt in einer Fensterfront (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Frauenanteil in den Vorständen der Dax-Unternehmen bleibt ausbaufähig. Beim Gehalt überflügeln sie aber ihre männlichen Kollegen. Picture Alliance

Zumindest auf Ebene der Vorstandsmitglieder sei kein Gender-Pay-Gap zu erkennen, erklärt die DSW. Trotzdem sei der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in den Dax-Unternehmen mit nicht einmal 18 Prozent aber immer noch deutlich ausbaufähig.

Zahlreiche Studien befassen sich mit Vorstandsvergütungen. Die Ergebnisse unterscheiden sich teilweise stark, weil unterschiedliche Berechnungsmethoden verwendet werden.

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