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In den Impfzentren im Land entspannt sich sich die Lage. Wer einen Impftermin sucht, der hat es derzeit relativ leicht: Denn es gibt viele freie Termine. Das hat mehrere Gründe.

"Bitte buchen Sie möglichst schnell einen Termin für die Corona-Schutzimpfung!" - so hieß es zum Beispiel am Mittwoch aus dem Landratsamt in Biberach. So seien im Kreisimpfzentrum in Ummendorf jede Menge Termine frei, mit verschiedenen Impfstoffen. Terminbuchungen seien kurzfristig möglich, innerhalb von einer Stunde könne man vorbeikommen. So oder so ähnlich sieht es auch in anderen Teilen von Baden-Württemberg aus.

Die Kreisimpfzentren in Aalen und Heidenheim haben am Donnerstag Sonderaktionen für Erstimpfungen ohne Voranmeldung angeboten, in Aalen zum Beispiel mit 500 Dosen Astrazeneca. Auch aus Angst vor der Delta-Variante soll das Impftempo in Baden-Württemberg beschleunigt werden. Im Impfzentrum Ravensburg gibt es bis kommenden Sonntag noch 1.000 freie Impftermine für eine Corona-Erstimpfung. Das teilte das Landratsamt Ravensburg mit. Impfinteressierte können sich online oder telefonisch anmelden.

In Impfzentren bleiben viele Stühle leer. Bis zu 60 Prozent der angemeldeten Frauen und Männer erscheinen nicht. (Foto: SWR, K. Pezold)
Leere Stühle in den Impfzentren. Auch weil viele Termine abgesagt werden. K. Pezold

Warum gibt es plötzlich so viele freie Impftermine?

Das Sozialministerium erklärte die vielen freien Impftermine auf SWR-Nachfrage so: "In den letzten Wochen fanden fast ausschließlich Zweitimpfungen statt, es gab kaum noch freie Termine für Erstimpfungen. Da die Zweitimpfungen nun zum größten Teil abgeschlossen sind, werden wieder viele Termine für Erstimpfungen frei".

Außerdem erhält Baden-Württemberg diese und nächste Woche mehr Astrazeneca-Impfdosen. Dadurch erhöhten sich die Liefermengen im Juli von bisher angekündigten 350.000 Dosen wöchentlich auf 430.000, so das Ministerium.

Lage auch bei Hausärzten entspannt

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg sieht die Terminsituation bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten entspannt. Auch dort gebe es wieder freie Termine, erklärte der Verband auf SWR-Anfrage. Für diesen Umstand gebe es mehrere Effekte. Ein Grund seien auch hier die Zweitimpfungstermine, die es vor allem in den letzten Wochen gegeben habe. Diese "Welle" sei nun größtenteils "abgearbeitet", so dass der Impfstoff jetzt wieder verstärkt auch für Erstimpfungen verwendet werden könne, erklärte die Vereinigung.

Außerdem stehe jetzt auch für die Arztpraxen mehr Impfstoff zur Verfügung. Zum ersten Mal gebe es für die niedergelassenen Ärzte für die kommende Woche keine Bestellgrenze nach oben. "Das heißt aber noch nicht, dass sie auch so viel bekommen, wie sie bestellen", so die Vereinigung.

Gibt es eine Impfmüdigkeit?

Freie Impftermine, abgesagte Impftermine - gibt es eine Impfmüdigkeit? Politiker hatten bereits vor Wochen angedeutet, dass es in der Impfkampagne einen Punkt geben werde, an dem es schwieriger werde, alle Impftermine zu besetzen. Nämlich dann, wenn alle Impfbereiten einen Termin bekommen haben und man nun diejenigen überzeugen muss, die einer Impfung skeptisch gegenüber stehen oder die man medial und kommunikativ nur schwer erreicht. Dieser Punkt scheint nun erreicht zu sein.

Das Sozialministerium erklärte dem SWR dazu: "Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass ab einer bestimmten Impfquote mehr Aufklärung über das Impfen und eine gezielte Ansprache notwendig sind, um Menschen vom Impfen zu überzeugen. Auch das Land bereitet sich auf eine im Sommer und angesichts sinkender Inzidenzen nachlassende Nachfrage vor." Laut Ministerium plant die Landesregierung derzeit ein Konzept, mit dem direkt vor Ort eine niederschwellige, zielgruppengerechte Ansprache an ausgewählten Orten ermöglicht werden soll, um über das Impfen aufzuklären und Menschen davon zu überzeugen.

Muss Impfstoff weggeworfen werden?

Das Impfstoff weggeworfen werden muss, schließen sowohl das Sozialministerium als auch die Kassenärztliche Vereinigung aus. Die Ärzte würde nur die Menge an Impfstoff bestellen, die sie auch verimpft bekämen. Meldungen über hohe "Lagerbestände" in den Praxen gebe es nicht, so die Vereinigung. Außerdem verweist sie darauf, dass Impfstoffe auch eine gewissen Zeit aufbewahrt werden könnten.

Auch das Sozialministerium erklärt, dass die verschiedenen Impfstoffe im Lagerzustand mehrere Monate haltbar seien. Nicht verbrauchte Impfdosen würden außerdem in der Regel kurzfristig an andere verimpft werden. Viele Impfzentren hätten hierfür Wartelisten mit Personen, die kurzfristig kontaktiert werden könnten.

Delta-Variante in Deutschland im Juli wohl bei 80 Prozent

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland noch im Juli 70 bis 80 Prozent der Neuansteckungen ausmacht. Daher sei es wichtig, das Impftempo aufrechtzuerhalten, sagt Spahn. Bislang seien in Deutschland zwei Drittel aller Erwachsenen mindestens einmal geimpft. Generell hätten mittlerweile 55 Prozent eine Erstimpfung erhalten, doppelt geimpft seien 37,3 Prozent. Spahn betont, nur eine vollständige Impfung schütze vor Delta.

Spahn bat alle Bürgerinnen und Bürger sich impfen zu lassen oder sich regelmäßig testen zu lassen. Es liege am Ende an uns, ob Delta für uns in Deutschland zum Risiko werde oder nicht, schrieb Spahn auf Twitter.

Das twitterte Jens Spahn dazu

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