Katholikentag Stuttgart: Zelte auf Königstraße (Foto: SWR)

Kritik am Demonstrationsort

Katholikentag in Stuttgart: Gericht lehnt Eilantrag Missbrauchsbetroffener ab

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Beim Katholikentag darf eine Protestaktion von Missbrauchsbetroffenen nicht beim Kunstmuseum am Schlossplatz stattfinden. Das hat das Verwaltungsgericht entschieden.

Zwei Initiativen Missbrauchsbetroffener sind mit ihrem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart gescheitert. Es ging um den Demonstrationsort, den die Stadt Stuttgart ihnen während des Katholikentages zugewiesen hat. Das "Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen sexueller Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche" und die Giordano-Bruno-Stiftung lehnen den Stauffenbergplatz für ihre Protestaktion ab. Sie wollen stattdessen beim Kunstmuseum am Schlossplatz in der Fußgängerzone demonstrieren und hatten deshalb einen Eilantrag eingereicht. Gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts kann noch Beschwerde beim baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof in Mannheim eingelegt werden.

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Gericht teilt Argumentation der Stadt Stuttgart

Die Stadt Stuttgart hatte eine Versammlung rund um den Bereich am Kunstmuseum mit der Begründung abgelehnt, dass dort die Kundgebung nicht sicher durchgeführt werden könne, da unter anderem keine Zufahrt von Rettungsfahrzeugen gewährleistet sei. Das Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen sexueller Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche warf der Stadt daraufhin vor, den Protest ins Abseits drängen zu wollen, obwohl die Demonstration vier Wochen zuvor angemeldet worden sei. Das Verwaltungsgericht teilte allerdings die Auffassung der Stadt. Eine Kundgebung am Kunstmuseum könne zu Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen. Deshalb sei die Zuweisung eines anderen Versammlungsortes gerechtfertigt. Der Stauffenbergplatz befindet sich am Alten Schloss, nur unweit der Fußgängerzone entfernt.

Protestaktion will Skulptur des "Hängemattenbischofs" zeigen

Mit Ihrer Protestaktion wollen die Initiativen vom 25. bis 29. Mai beim Katholikentag die ihrer Ansicht nach "die vollkommen unzureichende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche" kritisieren. Bei der Aktion der Missbrauchsbetroffenen soll etwa die Skulptur "Hängemattenbischof" des Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauers Jacques Tilly zu sehen sein, die erstmals im März 2021 vor dem Kölner Dom präsentiert wurde. Sie zeigt einen grinsenden, in einer goldenen Schlafkoje liegenden Bischof. Sie ist an zwei Kreuzen befestigt, die sich unter dem Gewicht des untätigen Amtsträgers so sehr verbiegen, dass sie zu zerbrechen drohen.

Ein Bischof in der Hängematte: Mit der Skulptur protestiert ein Bündnis gegen die Art und Weise der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa POOL | Sven Hoppe)
„Ein Bischof in der Hängematte: Mit der Skulptur protestiert ein Bündnis gegen die Art und Weise der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. (Archivbild) picture alliance/dpa/dpa POOL | Sven Hoppe

Missbrauchsskandal auch Thema beim Katholikentag

Bei der Eröffnung des Katholikentages am Mittwochabend ging Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede auf den Missbrauchsskandal ein und sprach sich für Reformen in der katholischen Kirche aus. Steinmeier sagte in Stuttgart, sexueller Missbrauch, Vertuschung und schleppende Aufklärung hätten viel Vertrauen beschädigt und zerstört.

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fand vor Beginn klare Worte zu den sexuellen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Die katholische Kirche müsse sich den Vorwürfen "ohne Wenn und Aber" stellen. Die Vorwürfe seien auch deshalb so schwerwiegend, weil Teile der Kirche versucht hätten, die Vorfälle zu vertuschen, sagte der 74-Jährige. 

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