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Die meisten Menschen in Baden-Württemberg haben sich über Ostern an die Corona-Regeln gehalten. Das teilte das Innenministerium mit. Die Polizei kontrollierte mehr als 27.000 Menschen.

Das baden-württembergische Innenministerium hat mit Blick auf die Einhaltung der Einschränkungen der Corona-Krise eine positive Osterbilanz gezogen. Die Polizei habe in den vergangenen Tagen zu Fuß, zu Pferd, zu Wasser, im Streifenwagen und aus der Luft massiv kontrolliert.

Häufigster Verstoß: Zu große Gruppen im öffentlichen Raum

Von Karfreitag bis zum Morgen des Ostermontags wurden demnach mehr als 4.000 Fahrzeuge und mehr als 27.000 Menschen kontrolliert. Dabei seien knapp 2.500 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz festgestellt worden. Die weit überwiegende Zahl, etwa vier von fünf Verstößen, betraf das Verweilen im öffentlichen Raum in zu großen Gruppen.

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Innenminister für planvolle Lockerungen der Maßnahmen

Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte, nach Ostern müsse man nun drangehen, das Leben und das Arbeiten wieder planvoll und vorsichtig hochzufahren. "Man kann ein Land nicht ewig lahmlegen. Das würden die Menschen nicht verkraften, und auch unsere Wirtschaft nicht." Es müsse ein detailliertes Konzept geben, wie man die besonders betroffenen Personengruppen schützen könne. "Besonders wichtig ist dafür eines: ausreichend viel Schutzausrüstung und vor allem koordinierte und großflächige Testungen."

"Lockern heißt vor allem: Testen, Testen, Testen."

Thomas Strobl (CDU), Innenminister Baden-Württemberg

Hier sei noch Luft nach oben. Außerdem sei die Möglichkeit, per freiwilliger App Infektionsketten zu kennen, ein Fortschritt zu mehr Freiheit, erklärte Strobl.

Trotzdem: Feste, Partys und Versammlungen mit Hunderten oder gar Tausenden von Menschen sieht Strobl auf absehbare Zeit nicht. "Was wir sicher weiter brauchen, gerade in Baden-Württemberg an der Grenze zum Elsass, sind die strikten Kontrollen an den Grenzen, inklusive Zurückweisungen." Es müsse ein detailliertes Konzept geben, wie man die besonders betroffenen Personengruppen schützen könne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Mittwoch (15. April) mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen wegen der Corona-Pandemie beraten.

Verstöße am Osterwochenende in vielen Landkreisen

Obwohl die meisten Menschen die Bestimmungen der Corona-Verordnung eingehalten haben, mussten am Gründonnerstag laut Polizeimeldung 67, am Karfreitag zusätzlich 94 Verstöße dokumentiert werden. Im Vergleich dazu waren es am Wochenende davor an drei Tagen insgesamt 114 Verstöße gewesen. Diese Menschen erwartet nun ein Ordnungswidrigkeitenverfahren und ein Bußgeld in dreistelliger Höhe.

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Spuck-Attacke gegen Polizisten

Nach einem Einsatz in Remchingen (Enzkreis) wurden acht Polizeibeamte vom Dienst freigestellt, weil die Möglichkeit besteht, dass sie sich am Samstag mit dem Coronavirus infizierten. Ein 52 Jahre alter betrunkener Mann hatte sich nach einem Streit mit seiner Frau den Mundschutz abgerissen und versucht, Polizisten zu bespucken. Der Mann stand mit seiner Familie unter Quarantäne, weil nach Angaben der Frau ein Familienmitglied positiv getestet worden war. Die Polizeibeamten müssen sich nun auch testen lassen. Dem 52 Jahre alten Mann droht eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, er und seine Ehefrau müssen außerdem mit einer Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Quarantäneanordnung rechnen.

100 Beamten kontrollierten in Stuttgart

Die Stuttgarter Polizei registrierte am Osterwochenende im Stadtgebiet 100 Verstöße, knapp 2.000 Menschen wurden kontrolliert. Wegen des schönen Wetters seien die Ausflugsziele in der Landeshauptstadt gut besucht gewesen, die Allermeisten hielten sich an die Auflagen und Abstandsregeln. Täglich seien rund 100 Beamte unterwegs gewesen.

Polizei Mannheim: "Bürger haben sich sehr verständnisvoll verhalten."

Die "Corona-Streifen" im Zuständigkeitsgebiet des Mannheimer Polizeipräsidiums zum Beispiel haben bis Montagabend mehr als 700 Fahrzeuge und etwa 6.500 Menschen kontrolliert und dabei 374 Verstöße festgestellt. Dabei kamen im Durchschnitt täglich 80 zusätzliche Streifen zum Einsatz. Das teilte das Polizeipräsidium Mannheim mit.

Am Sonntagvormittag kamen mehrere Hinweise über geöffnete Bäckereien und Konditoreien. Überprüfungen in Mannheim, Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis ergaben, dass viele Betreiber in Unkenntnis der neuen Corona-Regelungen, die über das übliche Ladenöffnungsgesetz hinausgehen, ihre Geschäfte geöffnet hatten.

Bei vielen Verstößen am Osterwochenende habe die Polizei mündliche Verwarnungen ausgesprochen, da sich die Betroffenen einsichtig zeigten. Polizeipräsident Andreas Stenger bilanzierte zufrieden: "Es geht nicht darum, jetzt möglichst viele Bußgelder zu erheben. Vielmehr soll die Einsicht in die Notwendigkeit der drastischen Einschnitte zur Eindämmung der Corona-Pandemie erhöht werden." Als Polizeipräsident freue es ihn, "dass trotz der vielen Kontrollen die Wertschätzung der Bürgerinnen und Bürger für die Arbeit der Polizei gerade über die Feiertage enorm hoch war. Ich kann die vielen Komplimente nur zurückgeben. Die Bürgerinnen und Bürger haben sich wieder sehr verständnisvoll und diszipliniert verhalten." Das Polizeipräsidium kündigte an, die polizeilichen Kontrollen auch nach Ostern fortzusetzen.

Auch in Karlsruhe hält sich die Bevölkerung an die Coronaregeln

Auch in Karlsruhe haben sich die Verstöße gegen die Coronaregeln in Grenzen gehalten. Vereinzelt ergaben sich am Samstag Verstöße gegen das Ansammlungsverbot, sowie das Nutzungsverbot von öffentlichen Einrichtungen, wie die Polizei Karlsruhe am Sonntag mitteilte.

Zu einer Auseinandersetzung kam es dennoch am Freitagabend kurz nach 17:30 Uhr, als Polizeibeamte einen 26-Jährigen einer Personenkontrolle unterziehen wollten. Er widersetzte sich zunächst - wurde dann aber durch die Beamten in Gewahrsam genommen. Drei Beamten wurden dabei leicht verletzt.

Platzverweise an Seen in Weingarten und Neckartailfingen

Meist wurde eingeschritten, weil sich Gruppen von drei und mehr Personen unerlaubt im öffentlichen Raum aufhielten oder ansammelten. So musste beispielsweise in einem Fall in Weingarten am Baggersee mehrere Kleingruppen am Nachmittag durch Direktansprachen des Platzes verwiesen werden. Bereitwillig kamen diese den polizeilichen Aufforderungen umgehend nach.

Auch Verstöße gegen Betretungsverbote, wie zum Beispiel am Aileswasensee in Neckartailfingen (Kreis Esslingen), wo am Freitagnachmittag gegen etwa 40 Personen Platzverweise ausgesprochen wurden, wurden geahndet.

Großer Polizeieinsatz in Reutlingen am Karfreitag

Einen größeren Einsatz mit mehreren Streifenwagen gab es am frühen Karfreitagmorgen in Orschel-Hagen in Reutlingen. Dort war eine Gruppe junger Leute gemeldet worden. Beim Eintreffen der Polizei flohen die meisten. Zwei 20-Jährige beschimpften und beleidigten die Polizisten und wehrten sich auch gegen die Feststellung ihrer Personalien. Einer der beiden soll die Polizeibeamten mit einer gefüllten Plastik-Getränkeflasche beworfen und nach einer Beamtin geschlagen haben. Die Beamten setzten Pfefferspray ein, ein 20-Jähriger wurde in Gewahrsam genommen. Ein Beamter erlitt bei dem Einsatz leichte Verletzungen.

Ulmer Polizisten verstärkt im Einsatz

Die Beamten des Polizeipräsidiums Ulm waren am Freitag und Samstag ebenso verstärkt unterwegs. In den Landkreisen Alb-Donau, Biberach, Göppingen, Heidenheim und Ulm nahmen sie im Rahmen der Streifen rund 1.500 Personen genauer unter die Lupe. In den meisten Fällen hielten sich die Menschen an die Corona-Verbote. Trotzdem mussten die Kontrollierenden etwa 90 Menschen anzeigen, weil sie sich in Gruppen von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum aufgehalten hatten. Aber auch weitere Verstöße, wie geöffnete Geschäfte und Einrichtungen, mussten die Polizisten feststellen. Gegen alle Betroffenen ermitteln die Beamten auch wegen der Verstöße gegen die Hygienevorschriften. Die intensiven Kontrollen wurden am Sonntag und Montag fortgesetzt.

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