Frisches Sushi in einer Plastik-Verpackung im Supermarkt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa)

Müll vermeiden

Einweg-Müll: Gibt es Alternativen zur Tübinger Verpackungssteuer?

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Pizzakartons, Kaffeebecher, Plastikschalen - in den Städten quellen die Mülleimer über von Einwegverpackungen. In Tübingen gibt es ab Januar eine Steuer auf den Müll. Ob das hilft?

20 Cent für Besteck, 50 Cent für Becher oder Teller - weil immer mehr "to go" gegessen wird und mehr Müll entsteht, schlägt Tübingen ab dem kommenden Jahr diese Steuer zur Müllvermeidung auf Einweg-Verpackungen. Ob das funktionieren kann, ist umstritten.

Viele fragen sich, ob nicht ein komplettes Verbot oder ein Pfandsystem die bessere Lösung wäre. Wir zeigen die Vor- und Nachteile verschiedener Ideen, um den Plastikmüllberg zu reduzieren.

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Verbot von Einweg-Müll

Der beste Plastikmüll ist der, der erst gar nicht entsteht - zum Beispiel durch ein Plastiktütenverbot oder das EU-weite Verbot von Plastik-Trinkhalmen, Rühr- und Wattestäbchen.

Vorteil: Eindeutig umweltschädliche Produkte werden aus dem Markt gedrängt - wirkungsvoll, einfach und nachvollziehbar für jeden.

Nachteil: Oft entstehen Alternativen, die nicht unbedingt besser sind. Einfach nur ein Wegwerfprodukt durch ein anderes Wegwerfprodukt zu ersetzen, verkleinert nicht den Müllberg. Bestes Beispiel: die Papiertüte. Ihre Ökobilanz ist bei der Produktion kaum besser als die der Plastiktüte. Besser wäre also: Vermeiden statt ersetzen, also den Beutel von zu Hause mitbringen und immer wieder verwenden.

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Einwegpfand wie etwa auf Flaschen und Dosen

Als das Einwegpfand 2003 eingeführt wurde, hieß es umgangssprachlich auch Dosenpfand. Seitdem stehen in deutschen Supermärkten die Pfandautomaten, in die man Flaschen und Dosen hineinschiebt und dafür 25 Cent zurückbekommt.

Vorteil: Müll, der vorher oft in der Landschaft rumlag, bekam plötzlich einen Wert. Deswegen landen heute weniger Dosen und Flaschen in der Umwelt.

Nachteil: Auch mit Pfand bleiben die Flaschen und Dosen Einwegprodukte. Besser wäre aus Sicht der Umwelt aber Mehrweg. Doch dessen Anteil am Getränkemarkt ist seit der Einführung des Dosenpfands sogar gesunken und liegt seit Jahren unter dem Ziel von 70 Prozent, das das Verpackungsgesetz eigentlich vorgibt.

Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen

20 Cent auf Besteck oder 50 Cent auf einen Teller - das hat Tübingen als erste Stadt in Deutschland beschlossen.

Vorteil: Die zusätzlichen Kosten könnten Händler und Kunden überzeugen, auf Mehrwegverpackungen zu setzen. Wenn das gelingt, würden tatsächlich die Müllberge in der Stadt kleiner, und die Mülltonnen würden nicht mehr ständig überquellen.

Nachteil: Wer nur gelegentlich "to go" isst oder grundsätzlich nicht aufs Geld achten muss, dürfte die Steuer nicht als solche wahrnehmen - zumal sie bei 1,50 Euro pro Gericht gedeckelt ist. Was nicht wehtut, erreicht auch keine Lenkungswirkung.

Eine Alternative: Fördern statt strafen

1.000 Euro für eine Spülmaschine, 500 Euro für Mehrweggeschirr – so will Tübingen, zusätzlich zur Verpackungssteuer den Gastronomen den Umstieg auf Mehrweg schmackhaft machen. Auch in anderen Städten gibt es Förder- und Beratungsangebote, wie der Verpackungsmüll eingedämmt werden kann.

Vorteil: Mit Motivation den Erfolg schaffen statt mit der Gesetzeskeule.

Nachteil: Mit solchen Programmen werden wohl vor allem diejenigen erreicht, die ohnehin schon eine gewisse Offenheit für das Thema haben - während alle anderen sich getrost zurücklehnen können. Ein Weg also, der - bei ungewissem Ausgang - viel Geld und Zeit verschlingt. Es sei denn, er ist wie in Tübingen kombiniert mit der Steuer, dann könnte es funktionieren - nach dem Prinzip: Zuckerbrot und Peitsche.

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