Viele Geräte sind an einen Corona-Patienten in einem Intensivbett-Zimmer angeschlossen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Matthias Balk)

Überlastung der Intensivstationen

Corona-Patienten aus BW in andere Bundesländer verlegt - bald auch nach Frankreich?

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Am Donnerstag wurden die ersten Covid-Intensivpatienten aus dem Raum Karlsruhe nach Rheinland-Pfalz und in das Saarland verlegt. Weitere Verlegungen sollen folgen.

Die sechs verlegten Corona-Patienten - zwei in das Saarland, vier nach Rheinland-Pfalz - kamen aus Kliniken in Karlsruhe, Karlsbad-Langensteinbach und Pforzheim, sagte Götz Geldner, Koordinator für intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten und Leiter der Ludwigsburger Anästhesie.

Geldner ist ärztlicher Direktor im RKH-Klinikverbund der Standorte in Bretten, Bruchsal (beide Kreis Karlsruhe), Neuenbürg und Mühlacker (beide Enzkreis). Auch dort läge die Auslastung der Intensivstationen bei über 95 Prozent. Derzeit hätten die RKH-Kliniken über 100 Corona-Patienten zu versorgen. Die Notfallversorgung könne man bald nicht mehr in gewohntem Umfang sicherstellen, so Geldner. Versorgungsengpässe und Priorisierungen werden erwartet.

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Auch Hessen wäre zur Aufnahme bereit

Das Land Baden-Württemberg hatte am Dienstag auf Bitten der Cluster-Koordinatoren für die Intensiv-Versorgung im Land um die Verlegung von sechs bis acht Covid-Patienten in andere Bundesländer gebeten. Laut Sozialministerium hatte neben dem Saarland und Rheinland-Pfalz auch Hessen bereits eine grundsätzliche Aufnahmebereitschaft signalisiert.

"Kleeblatt Südwest" soll helfen

Für den Fall lokaler Überlastungen der Intensivstationen gibt es bereits seit dem letzten Jahr gestufte Verlegungskonzepte. Danach sind die Bundesländer einer von fünf Kleeblatt-Regionen (Nord, Ost, Süd, West, Südwest) zugeordnet. Das Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz bilden mit Baden-Württemberg das sogenannte Kleeblatt "Südwest". Innerhalb der Versorgungsregionen übernimmt jeweils ein sogenanntes Leitkrankenhaus die regionale Koordinierung der Patientensteuerung. Bei Bedarf wird die Aufnahme und Verlegung von Patienten zunächst innerhalb der regionalen Cluster abgestimmt, dann zwischen den weiteren baden-württembergischen Clustern.

Erst wenn dort nichts verfügbar ist, wird die Verlegung auch in andere Gebiete und Bundesländer organisiert. In der vierten Corona-Welle ist es das erste Mal, dass solche Verlegungen geprüft werden - bundesweit derzeit für rund 80 Patienten.

Bereits vor einem knappen Jahr mussten Covid-19-Patienten vorsorglich verlegt werden - damals aber innerhalb Baden-Württembergs, nämlich von Heidelberg nach Stuttgart und Ulm.

Verlegungen bald auch nach Frankreich?

Wie ein Sprecher von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bestätigte, liegt auch von Frankreich das Angebot vor, Covid-Intensivpatienten aufzunehmen. Als Ziele der Verlegungen ins Nachbarland kämen Kliniken im Elsass in Frage. Laut Regierungssprecher Arne Braun ist es noch nicht zu einer Verlegung von Patienten ins Elsass gekommen. Es könne aber gut sein, dass man das Angebot annehmen müsse, so Braun.

In der ersten Corona-Welle waren vor eineinhalb Jahren mehr als 30 französische Intensivpatienten in baden-württembergischen Kliniken aufgenommen worden.

Fast ein Viertel der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg werden derzeit 542 Covid-Patientinnen und -Patienten (Stand Donnerstag, 16 Uhr) in Baden-Württemberg intensivmedizinisch behandelt. 24,1 Prozent der Intensivbetten im Land sind mit Corona-Erkrankten belegt.

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