Ein Kreuz am Rand einer Landstraße (Foto: dpa Bildfunk, Julian Stratenschulte)

Nach Rückgang wegen Corona-Pandemie

Zahl der Verkehrstoten auf den Straßen in Baden-Württemberg steigt leicht an

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Die Corona-Pandemie hat die Lage in Baden-Württemberg zwar auch 2021 leicht entspannt. Dennoch starben etwas mehr Menschen auf der Straße.

Während bundesweit so wenige Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen, ist die Zahl der Toten auf baden-württembergischen Straßen nach zuletzt deutlichem Rückgang 2021 wieder leicht gestiegen. Das geht aus der Verkehrsunfallbilanz hervor, die das baden-württembergische Innenministerium am Montag veröffentlicht hat.

Demnach stieg die Zahl der Verkehrstoten auf den Straßen in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent auf 348 (2020: 330). Vor allem Motorrad- und Lkw-Fahrerinnen und-Fahrer machen dem Innenminister Sorgen: "Fast die Hälfte unserer Verkehrstoten verzeichnen wir weiterhin im Zusammenhang mit Motorrad- oder Lkw-Unfällen", so Strobl. Nach Angaben des Ministeriums war auch im Jahr 2021 jeder fünfte Verkehrstote mit dem Motorrad unterwegs, bei Unfällen mit Lastwagen starben zudem 83 Menschen, das sind neun mehr als im Vorjahr. Laut Statistik sind Lkw an fast jedem vierten tödlichen Unfall (24 Prozent) beteiligt.

Mehr Tote und weniger Verletzte auf Baden-Württembergs Straßen

Die Anzahl der verletzten Personen ging dagegen um 5,5 Prozent auf 37.445 Verletzte (2020: 39.622) zurück. Mit insgesamt 273.875 polizeilich registrierten Verkehrsunfällen im Jahr 2021 (2020: 269.557) stellten die Verantwortlichen im Vergleich zum Vorjahr einen leichter Anstieg um 1,6 Prozent fest. Während bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden eine Abnahme um 6,1 Prozent zu verzeichnen war, stieg die Zahl der Verkehrsunfälle mit Sachschaden um 2,6 Prozent.

"Die Verkehrsunfallbilanz 2021 stimmt mich positiv", so Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montag. Fast 800 Schwerverletze weniger sei ein großer Erfolg. Umfassend gesehen bleibe die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle auf einem erfreulich niedrigen Niveau.

"Mit unseren Anstrengungen für mehr Verkehrssicherheit schützen wir das Leben und die Gesundheit aller Verkehrsteilnehmer."

Grund für weniger Unfälle waren Corona-Einschränkungen

In den ersten sechs Monaten des Corona-Jahres 2021 hatte die Zahl der Verkehrstoten noch auf historisch niedrigem Niveau gelegen. Als Grund war damals die Pandemie genannt und zugleich darauf hingewiesen worden, dass die Menschen wieder deutlich mobiler seien als in den Monaten zuvor.

Nach wie vor ist überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache für tödliche Verkehrsunfälle. 126 Menschen mussten im vergangenen Jahr ihr Leben lassen, weil Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs waren. Die Polizei hatte bereits unter anderem ihre Kontrollen verstärkt, außerdem wurden mehr mobile "Blitzer" eingesetzt und der Bußgeldkatalog verschärft.

Ein Tempomessgerät steht während einer Pressevorführung.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt)
Auch wegen der größeren Zahl an "Blitzern" hat die Polizei mehr Tempoverstöße festgestellt. picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt

Viel mehr Geschwindigkeitsverstöße

Unklar ist bislang dennoch, welche genauen Gründe es für den drastischen Anstieg der Geschwindigkeitsverstöße im Laufe des vergangenen Jahres gibt. Allein durch die Polizei seien 2021 knapp 1,5 Millionen davon festgestellt worden, hieß es vorab. Das ist etwa die Hälfte mehr als im Jahr zuvor.

Außerdem wurden rund 27.000 Menschen angezeigt, weil sie sich ans Steuer gesetzt hatten, obwohl sie Alkohol getrunken, Drogen konsumiert oder Medikamente eingenommen hatten. Weitere 94.000 Autofahrerinnen und Autofahrer benutzten das Handy beim Fahren. Etwa 100.000 Mal fiel der Polizei zudem auf, dass Menschen in Autos nicht angeschnallt waren oder ihre Kinder nicht richtig gesichert hatten.

Mehr Laster unterwegs - mehr Tote bei Lkw-Unfällen

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie waren bereits bei der Vorlage der Bundesstatistik als Grund für den erneuten Rückgang der Zahlen in den meisten Sparten genannt worden. Die Entwicklung sei ausschließlich ein Effekt der Pandemie, hatte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Ende Februar gesagt. "Sobald der Corona-Effekt nachlässt, kommen wir auch wieder zu den alten Unfallzahlen."

Es seien bundesweit weniger Autos unterwegs gewesen, zudem habe es vor allem im ersten Halbjahr 2021 kaum Urlaubsfahrten mit dem Auto gegeben. Neue Probleme hatte der Experte bei einer Cannabis-Freigabe gesehen. Hier seien die Folgen für die Verkehrssicherheit ungeklärt.

Kinder sind auf einer Straße mit dem Fahrrad unterwegs zur Schule. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ralf Hirschberger)
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ralf Hirschberger

Kinder brauchen einen besonderen Schutz im Straßenverkehr

Ein besonderes Augenmerk in der Präventionsarbeit gilt weiterhin den Kindern, die einen besonderen Schutz im Straßenverkehr brauchen. So startete beispielsweise zu Schuljahresbeginn die Aktion "Sicherer Schulweg" mit einem Maßnahmenpaket aus Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfallprävention.

"Die Verkehrsunfallprävention liegt mir besonders am Herzen", betonte der Innenminister. "Es gilt, die Menschen für die Gefahren im Straßenverkehr nachhaltig zu sensibilisieren und dadurch das Einhalten der Verkehrsregeln, Achtsamkeit und gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr bewirken."

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SWR