Ein Bus der Linie X1 fährt auf der B14 an stehenden Autos vorbei. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Busstreit im BW-Landtag

Verkehrsausschuss gegen Abschaffung der Schnellbuslinie X1

STAND

Wie sieht die Zukunft der Schnellbuslinie X1 aus? Die Stadt Stuttgart würde die Linie gerne wieder abschaffen. Am Donnerstag diskutiert der Verkehrsausschuss des Landtags darüber.

Der Verkehrsausschuss des Landtags hat sich am Donnerstag mit der Zukunft der Schnellbuslinie X1 in Stuttgart befasst. Die Verbindung zwischen Bad Cannstatt und der Innenstadt soll zu mehr sauberer Luft beitragen, steht aber wegen geringer Fahrgastzahlen in der Kritik. Die Mehrheit der Stuttgarter Gemeinderäte will die Linie daher abschaffen. Allerdings stellt sich das baden-württembergische Verkehrsministerium quer. Denn die X1-Linie wird als Maßnahme im Luftreinhalteplan für Stuttgart vorgesehen.

FDP-Fraktion im Landtag sieht Linie X1 kritisch

Die FDP-Fraktion im Landtag, die das Thema in den Verkehrsausschuss eingebracht hat, sieht das kritisch. Der Stuttgarter Abgeordnete Friedrich Haag sagte: "Unser Ansatz wäre, dass die Stadt darüber entscheiden kann, was für Stuttgart die beste und effektivste Maßnahme ist." Mit dem Geld, das die Linie X1 aktuell kostet, ließen sich deutlich wirksamere Maßnahmen für eine bessere Luftqualität vorantreiben, so Haag. In der Vergangenheit hatte unter anderem auch der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch die X1-Busse angesichts weniger Fahrgäste als viel zu teuer kritisiert.

Die Linie X1 ist von Beginn an schlecht ausgelastet

Allein der Betrieb der Linie kostet die Stadt Stuttgart jährlich eine Million Euro. Als die Linie vor drei Jahren eingerichtet wurde, entstand für 2,7 Millionen Euro eigens eine neue Busspur auf der B14 entlang des Neckartors, wo noch bis vor Kurzem die Stickoxidgrenzwerte deutlich übertroffen wurden. Inzwischen wird der Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft eingehalten. Die Schnellbusse sind allerdings von Anfang an schlecht ausgelastet. Nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg wurden zuletzt im Frühjahr durchschnittlich elf Fahrgäste pro Fahrt gezählt. Vor der Coronakrise lagen die Zahlen höher, die X1-Busse fuhren auch häufiger. Seit Juli 2021 ist die Zahl der Fahrten deutlich eingeschränkt - um Kosten zu sparen.

Die geringe Auslastung gibt auch dem verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Dörflinger, zu denken. "Wir sind da sicherlich überhaupt nicht zufrieden", sagte Dörflinger gegenüber dem SWR, "Wir wissen aber auch, dass die Busspur eine ganz wirksame Maßnahme war, um überhaupt unter die 40 Mikrogramm zu kommen." Es sei daher nicht der richtige Zeitpunkt, um an der Maßnahme zu rütteln.

Verkehrsminister Hermann zeigt sich gesprächsbereit

Im Verkehrsausschuss des Landtags steht eine Mehrheit hinter der Position des Verkehrsministeriums. Der Luftreinhalteplans soll nicht geändert werden, zumindest nicht so, dass die Buslinie X1 ersatzlos entfällt.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) signalisierte Gesprächsbereitschaft. "Prinzipiell ist es möglich, dass diese Busspur auch als Umweltspur genutzt werden könnte", so Hermann - beispielsweise für die Nutzung von E-Fahrzeugen oder Fahrrädern. Zudem wies das Verkehrsministerium darauf hin, dass die abgetrennte Fahrspur dazu beitrage, Verkehrsaufkommen und Schadstoffausstoß zu verringern. Ob die Spur unbedingt für Schnellbusse genutzt werden müsse, könne mit der Stadt durchaus diskutiert werden.

STAND
AUTOR/IN
SWR