Ein Zähler für die Energie-Abrechnung dreht sich mit scheinbar hoher Geschwindigkeit, sodass die hinteren Ziffern nicht mehr zu erkennen sind. Das zeigt an, dass die Energiepreise und auch die Nebenkostenfür Mieter derzeit stark steigen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Mehr Beschwerden wegen hoher Energiepreise

Verdopplung der Strom- und Gas-Preise: Verbraucherzentrale BW will gegen Energiekonzerne vorgehen

STAND

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg will gegen überhöhte Strom- und Gaspreise für Neukundinnen und -kunden vorgehen. Seit Oktober haben die Beschwerden stark zugenommen.

Für manche Strom- und Gaskundinnen und -kunden haben sich die Kosten verdoppelt oder gar verdreifacht. Viele Bestandskunden erhalten derzeit ihre Kündigung und fallen für zunächst drei Monate in die Ersatzversorgung des örtlichen Lieferanten zurück. "Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist, dass die Ersatz- und Grundversorgung schweineteuer geworden ist", sagte Matthias Bauer, Energieexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dem SWR.

Grundversorgung: Mehr als 1 Euro - statt 32 Cent pro Kilowattstunde

Noch vor Weihnachten habe Strom durchschnittlich etwa brutto 32 Cent pro Kilowattstunde gekostet. "Jetzt werden hier schon Preise für die Kilowattstunde aufgerufen - von Grundversorgern in Baden-Württemberg, die deutlich über einem Euro liegen."

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Verbraucherzentrale will Energiekartellbehörde einschalten

Gegen die Preisexplosion will die Verbraucherzentale BW laut Bauer zeitnah vorgehen. Man werde die Energiekartellbehörden in Baden-Württemberg einschalten und mit konkreten Marktverstößen konfrontieren. Auch die Verbraucherzentale in Rheinland-Pfalz kommt kaum mehr hinterher mit der Beratung von Betroffenen. Hintergrund der Beschwerdewelle ist, dass manche Energieanbieter seit einiger Zeit zwischen Neu- und Bestandskunden unterscheiden.

Unterscheidung zwischen Neu- und Bestandskundinnen und -kunden

Neukundinnen und -kunden müssen für ihre Strom- oder Gasverträge oft deutlich mehr zahlen als Bestandskunden. Die Energieexpertinnen und -experten der Verbraucherzentralen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz halten diese Unterscheidung zwischen neuen und bereits länger bestehenden Verträgen für rechtswidrig.

Auch die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen hat mittlerweile reagiert und drei Energieversorger abgemahnt. Die Energieversorger selbst begründen die Unterscheidung mit den derzeit höheren Einkaufspreisen.

Der Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Klaus Eder, hält die Kritik dagegen für "überhaupt nicht gerechtfertigt". In der Grundversorgung seien viele sozial schwache Kunden, die mangels Bonität kein Angebot von anderen Versorgern erhielten. Wer dagegen auf die höchste Einsparung setze, bezahle dies mit einem höheren Risiko. "Deshalb sind die gesplitteten Grundversorgungstarife auch ein Gebot sozialer Gerechtigkeit."

Welcher Stromtarif aktuell günstig ist

Energieexperte Bauer rät Strombeziehenden, wenn sie einen "guten Tarif haben, der etwas unter 30 bis etwa 35 Cent" liege, im Tarif zu verbleiben und zu überwintern. Günstiger bekomme man aktuell keinen neuen Vertrag. Viele Strom- und Gasanbieter nehmen laut Verbraucherzentrale zudem aktuell keine Neukundinnen oder -kunden auf.

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Anstieg der Energiepreise

Energieunternehmen sind laut EnBW-Pressesprecher Heiko Willrett nicht für die Gas- oder Strompreise zuständig. "Die Marktpreise sind grundsätzlich in den letzten Wochen und Monaten gestiegen." Hinzu komme, dass die Nachfrage massiv gestiegen sei. Der Strompreis bestehe zu rund 75 Prozent aus Steuern, Abgaben, Umlagen und staatlich regulierten Netzentgelten. Energieunternehmen könnten nur rund 25 Prozent des Preises beeinflussen. Expertinnen und Experten erwarten, dass sich die Preise im Laufe des neuen Jahres wieder normalisieren.

Extreme Abschlagserhöhung kann bei Pleite zu hohem Verlust führen

Manche Anbieter wollten auch die Abschlagszahlungen extrem erhöhen. Bei einer möglichen Pleite eines Anbieters könnten Kunden dann aber unnötig viel Geld verlieren. Die Verbraucherschützer kritisieren auch, dass einige Energieversorger Kunden einfach nicht mehr beliefern würden oder Verträge ihrerseits vor Ende ihrer Laufzeit kündigten, würden. Hier können- laut Verbraucherzentrale Betroffene möglicherweise Schadenersatz fordern.

Wer nach einer Kündigung in die Grundversorgung des örtlichen Energieanbieters fällt, soll oft höhere Preise zahlen als die Bestandskunden. Die Verbraucherzentrale hält das für nicht zulässig. Sie rät, die Unternehmen anzuschreiben und sich zu beschweren.

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SWR