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Kritiker halten das baden-württembergische Corona-Impfportal für zu unübersichtlich und technisch schlecht gepflegt. Die Landesregierung hat nun nachgebessert.

Nach der Kritik am Impfportal des Landes Baden-Württemberg hat sich das Land beim Bund für Verbesserungen eingesetzt. Wie ein Sprecher des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage des SWR mitteilte, werden inzwischen unter anderem neue Termine über den Tag verteilt freigeschaltet.

Zuvor waren neue Termine gebündelt nachts um 0:00 Uhr auf dem Onlineportal freigeschaltet worden. Das habe aber dazu geführt, dass viele junge Menschen für ihre Angehörigen nachts Termine besorgten und andere leer ausgingen. Jetzt werden laut dem Ministerium mehrmals am Tag neue Termine eingestellt und freigeschaltet - sowohl online, als auch bei der Telefonhotline. So soll eine faire Behandlung aller Impfwilligen sichergestellt werden.

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Anfang April hatte das Land Baden-Württemberg angekündigt, sich für Verbesserungen beim offiziellen Impfportal einzusetzen. Kritiker forderten unter anderem eine bessere Übersicht über Impfzentren und verfügbare Termine.

Zu wenig Impfstoff in Baden-Württemberg

Laut dem baden-württembergischen Gesundheitsministerium ist der begrenzende Faktor bei der Vergabe der Impftermine nach wie vor der knappe Impfstoff.

"Es werden jeden Tag neue Termine freigeschaltet und sind buchbar, aber die Nachfrage übersteigt das Angebot einfach bei Weitem."

Jeder Impfstoff, der ins Land komme, werde auch verimpft. Zwar seien die Impfstoffmengen gestiegen, trotzdem arbeiteten die Impfzentren aktuell noch nicht in Volllast. "Aktuell werden täglich mehr als 53.000 Menschen in den baden-württembergischen Impfzentren und durch die Mobilen Impfteams geimpft - möglich wären zwischen 60.000 und 80.000 Impfungen täglich", so das Ministerium.

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Telefon-Hotline 116 117 überlastet

Die Telefonhotline 116 117 werde von 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Dienstleisters betreut, im Auftrag des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums. Ihm zufolge variiert die Zahl der Anrufer täglich teilweise stark: "Es gibt Tage, an denen bis zu 1,5 Millionen Anrufe eingehen", so ein Sprecher; es gebe aber auch Tage mit 25.000 Anrufen.

Impfaktion in Pforzheim - so berichtete der SWR:

"Bei einem solch enormen Anruferaufkommen, wie an den Spitzentagen, kann nicht jeder Anruf angenommen werden und oft sind schlichtweg alle Leitungen besetzt. Ähnlich ist es bei der Onlineterminvergabe: Bei zu hohen Zugriffszahlen landen Menschen zeitweise in Online-Warteräumen - das ist eine Funktion, die das System bei zu hohen Zugriffszahlen vor dem Absturz schützt."

Das Land plant deshalb, die Mittel aufzustocken, damit der Dienstleister bei der Hotline zusätzliche Mitarbeiter einsetzen kann.

Private Anbieter wollen Alternative zu Impfportal bieten

Um die Suche nach einem der weiter knappen Corona-Impftermine zu erleichtern, hatten mehrere private Anbieter eigene Internetportale geschaltet. Sie sollten eine Übersicht über die Impfzentren und die dort freien Termine und so einen Mehrwert zum offiziellen Portal bieten.

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Beim Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg sah man solche Portale zunächst kritisch. Die Aussagekraft sei eingeschränkt gegeben; zudem entsprächen die Ergebnisse nicht immer der tatsächlichen Situation, da etwa Terminpaare nicht korrekt erkannt würden.

So funktioniert die Impfterminvergabe in BW

Die Bundesländer in Deutschland nutzen verschiedene Systeme zur Terminvergabe. In Baden-Württemberg werden Impftermine über das Portal impfterminservice.de der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie telefonisch über die 116 117 oder den Gebärdenvideochat vergeben.

"Wir haben damals auf diese Lösung mit der kv.digital gesetzt, weil das System stabil läuft, auf große Zugriffszahlen ausgelegt ist und seiner ursprünglichen Bestimmung gerecht wird, viele Termine in kurzer Zeit zu vergeben. Der Vorteil ist, dass die Nutzer ihren Termin nicht einfach so zugeteilt bekommen, sondern online auswählen können."

Screenshot der Anzeige "Virtueller Warteraum" des Corona-Impfterminservices (Foto: SWR, Screenshot)
Eine Teil der Impf-Anfragen landet in einem virtuellen Warteraum. Das soll eine Überlastung der Plattform verhindern. Screenshot

Anforderungen und Verbesserungsvorschläge würden in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Bund besprochen. So habe Baden-Württemberg beispielsweise Anfang Februar eine Warteliste für Menschen über 80 eingeführt; sie wird durch das Callcenter im Auftrag des Landes abgearbeitet. Wer sich telefonisch auf die Warteliste setzen lässt, soll telefonisch oder per Mail informiert werden, sobald ein Termin frei ist.

"Jetzt noch auf ein anderes System umzuschwenken, wäre teuer und zeitintensiv - und das neue System würde erst in einigen Wochen stehen, wenn hoffentlich ohnehin mehr Impfstoff da ist."

Baden-Württemberg will deshalb weiterhin die Erfahrungen anderer Länder beobachten und das vorhandene System beibehalten und gegebenenfalls verbessern.

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