Eine blonde Lehrerin steht mit FFP2-Maske vor einer Tafel. In Rheinland-Pfalz geht die Schule nach den Herbstferien wieder los, mit zwei Coronatests pro Woche. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/ dpa/ Bernd Weißbrod)

Bildung in Baden-Württemberg

Verband: Schulen fühlen sich überlastet und allein gelassen

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Schulleitungen in Baden-Württemberg fühlen sich überlastet und von der Politik nicht unterstützt. Das hat eine Studie im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ergeben.

Die Grenze des Machbaren sei erreicht, wenn nicht bereits überschritten, sagte Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE, dem SWR. 31 Prozent der Führungskräfte an den Schulen hatten in der Studie angegeben, sie würden ihren Job nicht mehr gerne machen.

Viele haben keine Lust mehr

Vor der Pandemie, im Jahr 2019, empfanden nur fünf Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragten Schulleiterinnen und Schulleiter diese Unlust, teilte der VBE am Freitag in Stuttgart mit. Als größte Probleme nannten die Befragten Lehrkräftemangel, hohe Arbeitsbelastung und schlechte Ausstattung.

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Der Lehrkräftemangel ist laut Befragung von 52 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter in Baden-Württemberg als eines der größten Probleme genannt worden. Bundesweit gaben dies 46 Prozent der Befragten an. VBE-Landeschef Gerhard Brand sagte, diese Werte seien keine Warnsignale mehr: "Nein, das Haus brennt lichterloh." Die Qualität der Bildung sei in Gefahr.

Schopper: Besserung durch mehr Studienplätze

Die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sagte dem SWR, auch ihr mache der Lehrkräftemangel Sorgen. Allerdings würden durch mehr Studienplätze Stück für Stück jedes Jahr mehr Lehrkräfte an die Grundschulen kommen. Auch für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren seien mehr Studienplätze geplant.

Eine Maske liegt in einer ersten Klasse einer Grundschule mit Wechselunterricht auf einem Mäppchen neben einer Karte, mit der die Kinder ihre Emotionen gegenüber der Corona-Krise anzeigen können. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Die Pandemie und die Corona-Maßnahmen an Schulen sorgen laut Studie für zusätzliche Belastung. (Symbolbild) picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Zusätzliche Aufgaben durch die Corona-Pandemie

Pandemiebedingt werden Schulen laut Umfrage zusätzlich belastet - beispielsweise durch Testen und Kontaktnachverfolgung. Nach Einschätzung des VBE machen diese Aufgaben etwa die Hälfte der beklagten Belastung aus.

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Note: 4,1: Keine Unterstützung durch Kultusministerium

Unterstützt durch das Kultusministerium fühlen sich in Baden-Württemberg derzeit null Prozent der Befragten. Entsprechend gab es in der Studie für die Landesregierung nur die Note 4,1. Der VBE-Vorsitzende forderte, politische Ziele wie Ganztagsunterricht und Inklusion erst mal zurückzustellen, solange Personal fehle.

Stattdessen solle man sich auf das Kerngeschäft der Schulen konzentrieren, "die Lehrkräfte in Ruhe lassen und sie einen guten Unterricht machen lassen", so der VBE-Landesvorsitzende.

Schule in Baden-Württemberg: Teilnahme am Untericht nur noch geimpft, genesen oder getestet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Schule in Baden-Württemberg: Teilnahme am Unterricht nur noch geimpft, genesen oder getestet. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Nur noch rund die Hälfte zufrieden mit eigener Aufgabenerfüllung

Auch die Bewertung der eigenen Arbeit hat sich durch die Herausforderungen der Corona-Krise verändert. Im Jahr 2019 gaben noch 69 Prozent der Rektoren und Rektorinnen an, zufrieden damit zu sein, wie sie ihre Aufgaben erfüllen könnten. 2021 war das nur noch rund jeder oder jede zweite (52 Prozent). Und 43 Prozent erklärten, nur gelegentlich ihren Aufgaben gerecht werden zu können. Zum Vergleich: 2019 gaben das lediglich zwölf Prozent an.

Für die Studie wurden im September und Oktober 2021 rund 250 Schulleiterinnen und -leiter in Baden-Württemberg befragt.

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