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Im Zuge des teilweisen Truppenabzugs aus Deutschland verlegen die US-Streitkräfte ihr regionales Europa-Hauptquartier von Stuttgart nach Belgien. Fast 12.000 Soldaten werden aus Deutschland abgezogen.

Das sogenannte US European Command (Eucom) werde von der baden-württembergischen Landeshauptstadt ins belgische Mons verlegt, sagte US-General Tod Wolters am Mittwoch. "Wir gehen davon aus, wobei es noch mehr Fine Tuning braucht, das Hauptquartier nach Mons in Belgien zu verlegen", sagte der US-General am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Mark Esper. Das Eucom ist das Hauptquartier des regionalen US-Militärkommandos für den gesamten europäischen Raum zwischen Arktis und Kaukasus. Dort laufen die Fäden von Militäreinsätzen in mehr als 50 Ländern zusammen.

Auch Africom könnte betroffen sein

Möglich sei zudem, dass das Hauptquartier für die US-Militäreinsätze in Afrika, Africom, das ebenfalls in Stuttgart sitzt, an einen anderen Ort verlegt werde. Insgesamt könnten die Pläne in Stuttgart etwa 25.000 Angehörige der Streitkräfte, Zivilisten und Angehörige betreffen. Mit den beiden einzigen Kommandozentralen außerhalb der USA - dem Eucom und dem Africom - gehört Stuttgart zu den bedeutendsten US-amerikanischen Stützpunkten in Deutschland. Handel und Politik in Stuttgart hatten bereits im Vorfeld den Verlust zehntausender Konsumenten befürchtet. Allerdings könnten die gut erschlossenen Flächen der Militärs von 187 Hektar die große Wohnungsnot in Stuttgart lindern helfen.

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Strobl und Kuhn von Abzug enttäuscht

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) zeigt sich enttäuscht über die geplante Verlegung der Kommandozentrale "Ich bin ziemlich sicher, die Soldaten, die hier in Stuttgart sind, hätten anders entschieden", so Strobl. "Wir waren, sind und bleiben gute Gastgeber für unsere amerikanischen Freunde." Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn lobt die guten Beziehungen Stuttgarts zu den US-Soldaten, kritisiert aber den Abzug scharf. "Mit ihrer Entscheidung kündigt die US-Administration unter Präsident Trump Hals über Kopf die seit Jahrzehnten gewachsene, enge Zusammenarbeit in einer Strafaktion gegen einen Verbündeten und ohne Konsens im US-Kongress auf." Linke und AfD in Baden-Württemberg begrüßen den Truppenabzug.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sieht den Abzug der US-Soldaten als Strafaktion Trumps. Picture Alliance

12.000 US-Soldaten werden aus Deutschland abgezogen

Die Zahl der US-Soldaten in Deutschland soll um fast 12.000 verringert werden - und damit deutlich stärker als bislang bekannt. Rund 6.400 Soldaten sollen in die USA zurückgeholt werden, weitere 5.600 sollen in andere Nato-Länder verlegt werden, wie Verteidigungsminister Mark Esper erklärte. Damit werde die "strategische Flexibilität" der US-Streitkräfte erhöht, sagte Esper im Pentagon vor Journalisten. Bislang hatte die US-Regierung von einem Abzug von rund 10.000 der etwa 36.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

In Rheinland-Pfalz ist von den Abzugsplänen die US-Airbase in Spangdahlem in der Eifel betroffen. Hier ist ein Geschwader mit Kampfflugzeugen des Typs F16 stationiert. Sie sollen laut Pentagon nach Italien verlegt werden. 

Nato von Umzug der US-Soldaten nicht überrascht

Für die europäischen Verbündeten kommen die US-Ankündigungen zum Teilabzug von Truppen aus Deutschland nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nicht überraschend. "Die Vereinigten Staaten haben sich vor der heutigen Bekanntmachung eng mit allen Nato-Alliierten beraten", teilte der Norweger am Mittwoch mit. Die Ankündigung unterstreiche "das anhaltende Engagement der Vereinigten Staaten für die Nato und die europäische Sicherheit". "Frieden und Sicherheit in Europa sind wichtig für die Sicherheit und den Wohlstand Nordamerikas", so Stoltenberg.

Donald Trump hatte Abzug angekündigt

Trump hatte den Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland im Juni angekündigt und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Die Bundesregierung in Berlin war vor der Bekanntgabe nicht informiert worden. Trump bezieht sich mit seiner Kritik auf ein Nato-Ziel, demzufolge alle Mitgliedsländer des Bündnisses mindestens zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgeben sollten.

Widerstand gegen Abzug im US-Kongress

Zur Umsetzung des geplanten - und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen - Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte. Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne auf Eis legen.

Zeitweise fast eine halbe Million US-Soldaten stationiert

Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik. Damals gab es zeitweise fast 250.000 US-Soldaten in Deutschland. Nach dem Fall der Mauer wurde allerdings radikal reduziert: Im Jahr 2000 waren es nur noch 70.000 US-Soldaten, zehn Jahre später 48.000 und heute sind nur noch 36.000 übrig. Damit ist Deutschland aber immer noch der zweitwichtigste Truppenstandort der USA weltweit nach Japan.

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