"1.2. Stunde fällt aus" steht auf einer Schultafel. (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, Caroline Seidel)

Unterstützung für Lehrkräfte

Lehrermangel in BW ruft Kultusministerin Schopper und Verbände auf den Plan

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In Baden-Württemberg fehlen enorm viele Lehrkräfte. Kultusministerin Theresa Schopper versucht, mit mehreren Instrumenten gegenzusteuern. Doch die Ursachen liegen tief.

Mit verschiedenen Maßnahmen will die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) dem Lehrermangel im Land begegnen. Neben der Erhöhung von Studienplätzen will sie dem Problem vor allem mit der Aufstockung von Teilzeitkräften, aber auch mit dem erleichterten Direkteinstieg im Bereich der Sonderpädagogik begegnen. Allerdings räumte Schopper im SWR-Gespräch auch ein: "Wir wissen, wir haben Probleme, vor allem in den Grundschulen und auch in der Sonderpädagogik."

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Schopper versicherte, dass man vieles versuche, um möglichst viele Lehrkräfte zu bekommen. So würden zur "Krankheitsreserve" von 2.000 Lehrkräften nur noch 50 fehlen. Dennoch ist sich die Kultusministerin bewusst: "Unterrichtsausfall wird es immer geben, weil Lehrkräfte krank sind."

Grundschulverband BW warnt vor Negativspirale

Derweil warnt Edgar Bohn vom Grundschulverband Baden-Württemberg, es brenne an allen Ecken und Enden. Schulen befänden sich hinschtlich des Personals schon seit langem in einer Negativspirale. Immer mehr Aufgaben kämen hinzu, verteilt auf immer weniger Lehrerkräfte. Das führt laut Bohn zu Frust und Überlastung. "Die Grundschullehrkräfte arbeiten am Rand ihrer Möglichkeiten - und oft auch darüber hinaus", sagt er.

Hinzu kämen die Herausforderungen der aktuellen Krisen. Schon vor dem Ukraine-Krieg hatte die Landesregierung die Zahl der Studienplätze für Lehrerinnen und Lehrer erhöht. Denn zum einen dauert ein Lehramtsstudium auch seine Zeit, zum anderen kommt ein erheblicher Teil der jungen Studierenden am Ende gar nicht im staatlichen Schulsystem in Baden-Württemberg an.

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Enttäuschung bei Referendaren

Corinna Käppeler ist so ein Fall. Die junge Referendarin in den Fächern Englisch und Religion am Johanniterschulzentrum in Heitersheim (Breisgau-Hochschwarzwald) hat sich ab September für eine Privatschule im nahe gelegenen Freiburg entschieden. Auch aus Frust, weil sie im staatlichen System hätte umziehen müssen. "Ich bin vom Einstellungsverfahren in Baden-Württemberg enttäuscht, weil man keine Wahl hat, wo man nach dem Referendariat hinkommt", sagt sie.

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Dirk Lederle, Rektor der Johanniterschule Heitersheim, kann den Frust verstehen. Er habe es in seiner Zeit als Schulleiter noch nie erlebt, dass Lehrerinnen oder Lehrer nach dem Referendariat an seiner Schule bleiben durften. Der Abgang der jungen Kollegin reiße eine Lücke im Kollegium. „Ich werde im nächsten Schuljahr mit einer Unterrichtsversorgung um die 95 Prozent beginnen müssen. Sprich: Mir fehlen eigentlich schon mal fünf Prozent der Lehrerstunden, um überhaupt den Pflichtunterricht abdecken zu können“, sagt Lederle.

Finanzielle Anreize für unbeliebte Standorte?

Die Schule und der Lehrer-Beruf müssten attraktiver werden, meint er. Wer als junger Lehrer oder als junge Lehrerin einsteige, brauche eine verlässliche Perspektive, wann man wo hingehen könne. Auch finanzielle Zulagen für unbeliebte Standorte sind für Lederle vorstellbar.

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Edgar Bohn vom Grundschulverband reicht das noch nicht aus. Er fordert mehr Unterstützung für die Lehrkräfte, zum Beispiel durch pädagogische Assistenzen, und eine bessere digitale Ausstattung. Das könne ein Weg sein, um die aktuelle Überlastung zu beenden.

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