Papiertücher und Desinfektionsmittel im leeren Hörsaal (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Coronaregeln für Studierende in BW

Hochschulen müssen ab dem neuen Semester 3G kontrollieren

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Zum Start des neuen Semesters im Oktober gelten an den Hochschulen und Unis in BW die 3G-Regeln. Die Studierenden müssen kontrolliert werden, von den Lehrenden kommt Kritik.

Mit 3G soll wieder ein bisschen Normalität an die Hochschulen in Baden-Württemberg zurückkommen. Wie die Unis im Land kontrollieren, ob ihre Studierenden auf Corona getestet, gegen das Virus geimpft oder von einer Erkrankung genesen sind, bleibt ihnen nach Angaben des Wissenschaftsministeriums selbst überlassen.

Uni Mannheim stellt Hörsaalpass aus

Die Uni Mannheim, die ihren Vorlesungsbetrieb schon gestartet hat, stellt Studierenden nach Angaben einer Ministeriumssprecherin nach Vorlage eines 3G-Nachweises einen sogenannten Hörsaalpass aus, der auch digital genutzt werden könne. Dieser bestätige, dass der 3G-Nachweis zentral vorgelegt wurde, und ermögliche Zutritt zu den Hörsälen. Kontrolliert werde anhand von Stichproben - zunächst in einem Modellvorhaben inklusive wissenschaftlicher Begleitung.

Uni Mannheim führ Hörsaal-Pass für 3G-Nachweis ein (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)
Der Hörsaal-Pass kann auch digital genutzt werden. picture alliance/dpa | Uwe Anspach

Neben der Uni Mannheim haben auch an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften die Vorlesungen bereits begonnen. Die übrigen Hochschulen und Universitäten folgen im Lauf des Monats. Einige Hochschulen engagieren den Angaben zufolge externe Unternehmen für die 3G-Einlasskontrollen.

Hochschullehrer kritisieren Kontrollen als "Wahnsinnsaufwand"

Kritik gibt es trotzdem. Die Hochschullehrer in Baden-Württemberg sehen das größte Problem darin, dass alle Studierenden, die sich zum individuellen Lernen auf dem Campus aufhalten - etwa in einer Bibliothek - auf die 3G-Regeln überprüft werden müssen. Während bei den Vorlesungen nur Stichproben gemacht werden. Das sei ein Wahnsinnsaufwand und von den Lehrenden nicht zu leisten, sagte Peter Heusch, der Vorsitzende des Verbands Hochschule und Wissenschaft der Deutschen Presse-Agentur. Selbst die Stichproben seien von den Hochschulen kaum leistbar.

Das Wissenschaftsministerium erwiderte auf die Kritik, dafür könnten die Hochschulen auch Externe oder studentische Hilfskräfte einsetzen und dafür habe das Land auch Geld zur Verfügung gestellt. Das Ministerium räumt außerdem ein, dass im Lehrbetrieb eine händische Vollkontrolle der 3G-Nachweise schwer umzusetzen sei. Laut einer Sprecherin regelt die "Corona-Verordnung Studienbetrieb" daher auch Rahmenbedingungen für Stichproben und mögliche digitale Lösungen für Nachweise.

Studiderende mit Maske im Hörsaal (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Studierende im Hörsaal werden stichprobenmäßig auf 3G überprüft. Picture Alliance

Heusch, der mit seinem Verband die Professorinnen und Professoren an Hochschulen und Universitäten vertritt betont, dass die Hochschulen für Vollkontrollen baulich auch gar nicht gerüstet seien. "Jedes Gebäude habe ja mehrere Eingänge. Das führe dazu, dass die Zahl der individuellen Lernräume begrenzt bleibe. Auch technische Lösungen wie den Hörsaalpass hält Heusch für wenig hilfreich. "Das Ministerium erlaubt uns zwar einen hochschulinternen Nachweis. Aber da wir nichts speichern dürfen, können wir auch nicht automatisieren."

Auch hier widersprach das Wissenschaftsministerium. Das Beispiel der Uni Mannheim, die bereits vor einigen Wochen ins Semester gestartet ist, zeige, dass das sehr wohl möglich sei. "Viele Studierende stimmen freiwillig der Speicherung zu, automatisierte Abläufe funktionieren und es kommt zu hoher Akzeptanz sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden," sagte eine Sprecherin.

Verbandschef der Hochschullehrer rechnet mit Protesten der Studierenden

Für Studierende gibt es laut Verbandschef Peter Heusch aber noch weitere Erschwernisse. "Die Cafeteria ist zwar geöffnet, die Studierenden dürfen sich jedoch nur etwas holen und sich nicht hinsetzen." Heusch glaubt, dass die jungen Leute das nicht lange hinnehmen werden. "Meine Vermutung ist, dass es da noch Proteste der Studierenden geben wird," so Heusch. Die Hochschullehrer setzten darauf, dass das Land bei Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen auch die Lage an den Hochschulen erleichtert.

Auch Uni Stuttgart startet mit Mannheimer Modell

Das Land wünsche sich, dass die Hochschulen ihre Erfahrungen austauschen, heißt es vom Wissenschaftsministerium. Die Uni Stuttgart werde in zwei Wochen ebenfalls mit dem Mannheimer Modell starten. "Viele vermeintliche Probleme sind pragmatisch lösbar - im Interesse aller Hochschulangehörigen," so die Ministeriumssprecherin.

Auch die Rektorenkonferenz der Hochschulen (HAW) zeigt sich positiv und erklärt ebenfalls, man versuche, wo möglich, die Lehrenden und die Beschäftigten nicht mit Kontrollpflichten zu belasten. Man sei optimistisch, "dass nach normalen Anlaufschwierigkeiten und Optimierungen am Regelwerk und an der Umsetzung vor Ort ein Wintersemester mit einem hohen Präsenzanteil möglich ist", erklärte HAW-Geschäftsführer Benjamin Peschke.

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