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Ostern ohne einen Besuch von Messen und Gottesdiensten - was für Christen bislang unmöglich erschien, wird dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie Realität. Über Medien und Livestreams können die Gläubigen allerdings teilhaben.

Wer am Karfreitag an einem Gottesdienst teilnehmen wollte, musste sich mit Online-Angeboten, Fernsehen oder Radio zufrieden geben. Wegen der Coronavirus-Pandemie sind Veranstaltungen in Kirchen zurzeit nicht gestattet.

Burger: Familienmitglieder über Telefon und Video integrieren

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger forderte, die Gläubigen müssten sich neu orientieren. "Es geht darum, die Menschen bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen", sagte er vor den Osterfeiertagen. Dies sei auch Aufgabe der Kirche. Ostern stehe für Hoffnung, Mut und Zuversicht in schwierigen Zeiten - und dafür, dass niemand allein sei. Christen sollten daher Gemeinsinn pflegen und das Osterfest wegen des Coronavirus nicht ausfallen lassen. Da gemeinsame Gottesdienste und öffentliche Feiern verboten seien, müssten sich die Gläubigen neu orientieren, forderte der Erzbischof.

Gottesdienste würden im Internet, Fernsehen und Radio live übertragen, wie zuvor die Karfreitagsliturgie im Freiburger Münster. Zudem könne jeder Ostern daheim feiern und die Tage festlich gestalten. "Und je nachdem ergibt sich auch die Möglichkeit, über Telefon oder Video diejenigen Familienmitglieder und Freunde in diese Gemeinschaft einzubeziehen, die nicht vor Ort sind." Burger rief dazu auf, "dass wir uns an die Empfehlung der äußersten Einschränkung unserer sozialen Kontakte halten". Dies bedeute auch, "dass wir nun nicht, wie vielleicht gewohnt, die Großfamilie zu uns einladen oder zu einer großen Osterfeier reisen sollten".

Ein Zettel informiert am Zaun über einen «Live-Gottesdienst im Internet».  (Foto: dpa Bildfunk, Hendrik Schmidt)
Ein Zettel informiert am Zaun über einen "Live-Gottesdienst im Internet". (Symbolbild) Hendrik Schmidt

Fürst: Gott durchleide jedes Schicksal

Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart feierte Karfreitag im Rottenburger Dom. Auch diese Messe wurde wie hunderte andere live übertragen. "Das ist unser aller Zeichen, dass niemand alleine ist und dass wir gemeinsam und im Gebet diese schweren Zeiten überbrücken können, bis das Leben - auch in der Kirche - wieder auf neue Weise Fahrt aufnimmt." Der Bischof betonte, Gott sei "bei jedem und jeder Kranken und durchleidet mit ihnen jedes Schicksal, jedes einzelne Leiden". Gott entziehe sich nicht dem Leiden und Tod, sondern trage beides mit. Auch das Virus und die Pandemie hätten nicht das letzte Wort, sondern würden überwunden.

Die evangelischen Landesbischöfe von Baden und Württemberg, Jochen Cornelius-Bundschuh und Frank Otfried July betonten, sagten, der Blick richte sich in diesem Jahr besonders auf die Opfer der Corona-Pandemie. Sie riefen zu Solidarität und Hoffnung auf. "Die Nachrichten und Bilder in diesen Tagen erschüttern uns, weil Menschen leiden und viele sterben müssen", erklärten Cornelius-Bundschuh und July in einer gemeinsamen Botschaft. In diesem Jahr führe der Karfreitag "zu den Leidenden dieser Welt, den Menschen, die um Angehörige trauern, die an Covid-19 verstorben sind, zu denen, die Angst vor der Infektion haben, zu denen, die kaum noch Kraft haben in Pflege und Medizin, zu denen, die öffentliche Verantwortung tragen", sagten die beiden Bischöfe. Der Blick gehe auch in die Kriegs- und Konfliktgebiete dieser Welt, zu Menschen auf der Flucht und in die Flüchtlingslager.

Corona bedeute großen Einschnitt

In der Kleinen Kirche in Karlsruhe gab es am Freitagvormittag einen Gottesdienst mit Cornelius-Bundschuh, der live im Internet übertragen wurde. In seiner Predigt wies der Bischof auf den "großen Einschnitt" hin, der durch die gegenwärtige Krise entstehe. Die eigentliche Lebenswende aber geschehe an Karfreitag und Ostern. Ostern bedeute: "Das Leben ist stärker als der Tod. Die Gerechtigkeit siegt über den Eigennutz. Friede kehrt ein. Gott gibt uns die Kraft und den Mut, die Welt im Geist der Liebe Christi zu gestalten", betonte Cornelius-Bundschuh.

Die Corona-Krise erzeuge eine tiefe Verunsicherung: "Wir spüren, wie verletzlich wir sind. Unser Lebensmodell: 'immer mehr, immer besser, immer sicherer' scheint an eine Grenze gekommen zu sein." Gleichzeitig sei es aber auch "großartig, was Menschen gegenwärtig alles einfällt, um in Kontakt zu bleiben, ohne sich leibhaftig zu begegnen: vom Singen auf dem Balkon über die Nachbarschaftshilfe bis hin zu desinfizierten handgeschriebenen Postkarten mit Ostergrüßen in die Altersheime."

Gottesdienste im SWR

Der SWR zeigt zu Ostern mehrere Gottesdienste und Messen live im SWR Fernsehen. Anschließend könnten sie im Internet in der ARD-Mediathek angeschaut werden.

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