Collage ungewöhnliche Nachrichten (Foto: SWR, Collage (dpa/picture-alliance, imago))

Jesus auf der Parkbank, Möhren fürs Volk, Baggerfahrer-Wut

Das waren die ungewöhnlichsten Nachrichten des Jahres 2021 aus Baden-Württemberg

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2021 brachte auch Geschichten mit besonderem Nachrichtenwert hervor. Nicht unbedingt relevant, aber durchaus unterhaltsam, emotional und manchmal auch einfach zum Kopfschütteln.

Verkehrsschilder gelten bisweilen als umstritten, zumindest nimmt man sie üblicherweise maximal zur Kenntnis, ohne sie besitzen zu wollen. Für Ortsschilder gelten andere Regeln, was 2021 deutlich vor Augen geführt hat. Gleich mehrere Gemeinden mussten dieses Jahr ihre Ortseingangsschilder einbüßen. Betroffen waren Asbach (Neckar-Odenwald-Kreis), Gunningen im Kreis Tuttlingen und Killer (Zollernalbkreis). Zumindest im Fall Killer, wo schon der 20. Fall eines Schilderklaus registriert wurde, gab es ein Happy End: Das Ortsschild tauchte einige Zeit später wieder auf. Dort macht man nun aus der Not eine Tugend und will Killer-Ortsschilder in Miniaturausgabe verkaufen. Übrigens stecken nicht nur Diebe hinter verschwundenen Schildern. In Wertheim (Main-Tauber-Kreis) montierte das Ordnungsamt ein Schild der Landesregierung ab: Eine neue Werbekampagne Baden-Württembergs war offenbar nicht vor Ort registriert worden.

Ortsschilder von Gunningen gestohlen (Foto: dpa Bildfunk, Silas Stein)
Keine Ortsschilder mehr in den Halterungen: Fünf von sechs Ortsschildern sind in der Gemeinde Gunningen (Landkreis Tuttlingen) gestohlen worden. Silas Stein

Rutsch-Skandal

In einer Rutsche festsitzen oder unfreiwillig durch einen Kanal rutschen - man mag sich gar nicht vorstellen, was schlimmer für Betroffene ist. So geschehen im Freizeitbad "Miramar" in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) und in Giengen im Kreis Heidenheim. In beiden Fällen kamen die Opfer weitgehend unverletzt davon - einen tüchtigen Schrecken werden sie aber bekommen haben.

Abwasserkanal mündet in Brenz (Foto: SWR, Oliver Schmid)
An dieser Stelle sind die drei Männer nach 300 Metern im Rohr wieder ans Tageslicht gekommen und am Brenzufer gestrandet. Oliver Schmid

Kirsch-Diebstahl

In der Landwirtschaft liegen Freud und Leid nahe beieinander. Zu ungewöhnlichen Diebstählen kam es bei Riegel am Kaiserstuhl, wo gleich 900 Kilogramm Kirschen gestohlen wurden und in Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) - hier nahm ein Mann tausende Weinblätter mit, die für den Winzer eine erhebliche Einbuße darstellen. Ernte-Diebstähle bei Bauern treten nicht selten auf, werden aber oftmals - wie auch in den genannten Fällen, nicht aufgeklärt. Laut einem Polizeisprecher gibt es meist keine Zeugen, da der Diebstahl oft gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Auch verwertbare Spuren werden, anders als bei Einbrüchen, zumeist nicht hinterlassen.

Abgeschnittene Blätter in Steinheim-Höpfigheim. (Foto: SWR, Sandra Kolnik)
Auch für Laien gut zu sehen: Die Weinblätter wurden abgeschnitten. Sandra Kolnik

Ein Cent Schaden - Polizei ermittelt

Die Spurensicherung war bei einem Fall in Senden (Kreis Neu-Ulm) nicht erforderlich, da Tatgeschehen und "Täter" eindeutig waren. Ein Mann hatte im Vorraum einer Sparkassenfiliale sein Handy aufgeladen, wobei ihn die Polizei erwischte. Die Schadenssumme betrug nicht mal einen Cent und auch das Kreditinstitut stellte keine Anzeige - dennoch kam der Fall bis zur Staatsanwaltschaft, die das Verfahren aber mangels öffentliches Interesses schnell wieder einstellte.

Möhren-Spende

Eine große Resonanz in der Öffentlichkeit erhielt hingegen der Fall eines Landwirts aus Heilbronn, der einen Teil seiner Karotten-Rekordernte öffentlich zur Verfügung stellte. Fast 19.000 Euro Spenden für eine Kinderhilfsorganisation kamen bis Dezember zusammen.

Landwirt Werner Hoffmann mit Lebensgefährtin Corinna Häuselmann (Foto: SWR)
Landwirt Werner Hoffmann mit Lebensgefährtin Corinna Häuselmann

Kategorie "Wer macht sowas?"

Vandalismus gehört landesweit zum Alltag, nicht jedes Ereignis schafft es daher überhaupt über die regionale Berichterstattung hinaus. Drei Vorfälle sorgten vor Ort allerdings für Fassungslosigkeit, gerade weil sie so überaus unsinnig wahrgenommen wurden. So wurde in Pforzheim ausgerechnet ein Kinderkarussell angezündet, in Mannheim ein öffentlicher Bücherschrank angesteckt und in Heilbronn eine Kunstinstallation in den Fluss getreten. Wer macht sowas?

 Die Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei mussten die Skulptur aus dem Neckar fischen (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Einsatz)
Die Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei mussten die Skulptur aus dem Neckar fischen Pressestelle Polizeipräsidium Einsatz

Ungewöhnliche Unfälle

Aus der Kategorie "Verkehrsteilnehmer auf Abwegen": Gleich mehrfach ignorierten Autofahrer bei Meckenbeuren eine frisch geteerte und noch klebrige Straße, die deutlich abgesperrt war. Weil die Fälle überhand nahmen, hielten Anwohner die turbulenten Szenen fest, die sich im Nachgang ergaben. In Tübingen quälte sich ein Lkw-Fahrer, der abkürzen wollte, sogar über eine Fahrradbrücke, die für solche schweren Gefährte gar nicht gedacht ist, sodass auch die Polizei einschritt. Noch mehr Schaden entstand zwischen Meckenbeuren (Bodenseekreis) und Untereschach (Kreis Ravensburg): Hier donnerte ein Lkw mit ausgefahrenem Kran in eine Fußgängerbrücke, die komplett entzweit wurde. Immerhin: In allen Fällen kamen keine Menschen zu Schaden.

LKW bringt mit Kranarm bei Meckenbeuren (Bodenseekreis) Fußgängerbrücke über B30 zum Einsturz.  (Foto: dpa Bildfunk, Felix Kästle / picture alliance)
Die zerstörte Fußgängerbrücke über die B30 aus der Vogelperspektive. Felix Kästle / picture alliance

Ärger vom Amt

Kleine Straße, großes Aufsehen: Der sogenannte Klappstuhlstreit in Heidelberg ging in diesem Jahr in die Stadtgeschichte ein. Das Ordnungsamt wollte Anwohnern einer Altstadtgasse, darunter dem ältesten Bewohner der Stadt, untersagen, sich mit Klappstühlen vor ihren Häusern zu treffen, um zu reden und ein Glas Wein zu trinken. Es folgte großer Protest mit leidenschaftlicher Empörung - schließlich lenkte die Stadtverwaltung ein. Eingegriffen werden soll künftig nur bei offentlicher Gefahr - der Bürger-Schwatz im Sitzen bleibt erlaubt. Hart hingegen blieb das Ordnungsamt in Mannheim bei einem besonderen "Anwohner". Hund "Joko", der seit Jahren seinen Stammplatz vor einer Galerie hatte, wurde offiziell in den Innenraum verscheucht. Auch wenn viele Nachbarn bestätigten, dass der Rüde stets entspannt auf dem Gehweg liege, griffen die Behörden durch. Er störe Fußgänger und mache Menschen Angst.

Ein Klappstuhl in der Heidelberger Pfaffengasse. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julia Giertz)
Ein Klappstuhl in der Heidelberger Pfaffengasse. picture alliance/dpa | Julia Giertz

Stein-Regen

Gibt es einen öffentlicheren Ort als den Platz vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof? Klingt drastisch, ist aber wahr: Auch hier kann es jederzeit passieren, dass man von herabfallenden Steinen getroffen wird. So geschehen im August, glücklicherweise mitten in der Nacht, wo nicht so viel los ist. Teile der Außenfassade lösten sich plötzlich und krachten auf den Boden. Verletzt wurde niemand, der Vorfall sorgte aber für Sperrungen und Umwege. Später stellte sich heraus: Bei den Sanierungsarbeiten in einem früheren Büroraum war versehentlich eine tragende Wand abgerissen worden.

Bahnhofsgebäude in Stuttgart gesperrt. Nachdem in der Nacht Teile der Fassade abgebrochen waren, wurde der denkmalgeschützte Bonatzbau behördlich gesperrt. Reisende müssen weite Umwege in Kauf nehmen. (Foto: imago images, IMAGO / Arnulf Hettrich)
Aus der Außenfassade des Stuttgarter Hauptbahnhofs haben sich Steine gelöst. IMAGO / Arnulf Hettrich

Baggerfahrer rastet aus

Äußerst öffentlich manifestierte sich auch der Wutausbruch eines Baggerfahrers in Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis. Weil er sich über unbezahlte Rechnungen geärgert hatte, so seine Erklärung, hatte er an einem Neubau unter anderem Balkone, Fassade und Garagen mit seiner Arbeitsmaschine beschädigt. Die Tat sorgte für großes Aufsehen und sogar eine Spendenaktion zugunsten des wütenden Unternehmers, der seine Firma schließlich schließen musste.

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Tierische und menschliche Aktionen

"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Dieses Zitat wird Mahatma Gandhi zugeschrieben und gleich mehrere Fälle in Baden-Württemberg in diesem Jahr füllen die "Haben"-Seite. In Mannheim war ein Terrier in einem Erdbau steckengeblieben. Den Besitzern blieb nichts anderes übrig, als Hilfe zu holen. Die kam in Form von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Stundenlang wurde gegraben, bis Terrier "Tarka" endlich wieder frei war. Ein Happy End gab es auch in Möckmühl (Kreis Heilbronn). Ein Katzenbaby hatte sich in einem Abwasserrohr verfangen - die Feuerwehr schlug sogar Teile des Rohrs ab, um das Kätzchen schließlich erfolgreich zu befreien. Aufs Kaminfeuer zugunsten einer Waschbärenfamilie verzichten - das war das Los einer Familie in Aalen. Die Tiere hatten es sich nämlich dort gemütlich gemacht, was ein Schornsteigfeger entdeckte. Wenig gemütlich hatte es ein Papagei in einer Raucherkneipe in Salach (Kreis Göppingen), der dort alleine in einem kleinen Käfig sein Dasein fristete. Dort befreite ihn schließlich die Polizei. Er kam in artgerechte Haltung.

Das in ein Handtuck gewickeltes Kätzchen (Foto: Pressestelle, Feuerwehr Möckmühl/ Tierrettung Odenwald Hohenlohe e.V.)
Die Katze bleibt in Obhut der Tierrettung Odenwald Hohenlohe Pressestelle Feuerwehr Möckmühl/ Tierrettung Odenwald Hohenlohe e.V.

Die Soll-Seite bei der Behandlung von Tieren füllen allerdings Nachrichten wie diese: Junge Männer waren Silvester vor einem Jahr in einen Stall in St. Blasien (Kreis Waldshut) eingedrungen und hatten dort eine Party gefeiert - auf Kosten von Alpakas, Eseln und Ziegen, die verstört und teilweise verletzt wurden. Gruselig wird es in Hinblick auf eine Serie von Tierquälereien im Kreis Ludwigsburg. Ein Unbekannter hat es dort auf Schafe und Hühner abgesehen. Mehrere Fälle (April, Mai) halten die Polizei auf Trab - zuletzt wurden zu Weihnachten geköpfte Hühner auf einem Friedhof entdeckt.

Plötzlich aufgetaucht: Eine Jesus-Figur aus Gips auf einer Parkbank in Urbach (Rems-Murr-Kreis). Wurde sie aus einer Kirche gestohlen? (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Aalen)
Plötzlich aufgetaucht: Eine Jesus-Figur aus Gips auf einer Parkbank in Urbach (Rems-Murr-Kreis). Wurde sie aus einer Kirche gestohlen? Pressestelle Polizeipräsidium Aalen

Gruseliges aus dem Land

Apropos gruselig: Ungeklärt bleibt das Rätsel des schwarz-weißen Pferdes im Wald bei Allmersbach im Tal im Rems-Murr-Kreis - genau wie der Brummton, der Menschen aus Baden-Baden Schlaf und Nerven raubt. Kein Trost ist, dass den Menschen in Urbach (Rems-Murr-Kreis) dafür Jesus erschien - wobei auch hier nicht klar wurde, woher er kam.

Holzpenis Heimenkirch (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)
Welcher Künstler das Phallussymbol bei Heimenkirch erschaffen hat, ist nicht bekannt. picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Holz-"Skulptur" im Kreisverkehr

Und das gilt - ohne mit einem Vergleich verstören zu wollen - auch in diesem Fall zum Abschluss des ungewöhnlichen Jahresrückblicks. Heimenkirch unweit des Bodensees wurde im April von einem überdimensionalen Holzpenis heimgesucht. Dieser stand plötzlich mitten in einem Kreisverkehr und verschwand ebenso wieder nach kurzer Zeit, ohne dass man weiß, wer sich die Mühe gemacht hat. Lob kam aus der Politik: Bürgermeister Markus Reichart (Grüne) sagte, Heimenkirch sei schließlich eine starke und potente Gemeinde.

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