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Fake News in sozialen Netzwerken

Ulmer Psychologin: Facebooks "Querdenker"-Sperrung kurzfristig hilfreich

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Sabine Hackländer

Facebook hat massenhaft Profile der sogenannten Querdenken-Bewegung gelöscht, um Falschinformationen zu verhindern. Eine Ulmer Psychologin bewertet die Maßnahme mit Blick auf ihre Wirksamkeit.

Die Löschung der knapp 150 Konten, Gruppen und Seiten bedeute zumindest kurzfristig weniger Falschinformationen im Netz, ist Psychologin Cornelia Sindermann überzeugt. Die Ulmer Wissenschaftlerin erforscht seit längerem den Auftritt der "Querdenken"-Szene in den sozialen Medien. Sie rechnet damit, dass die Bewegung sich nun auf andere Plattformen im Internet verlagert, zum Beispiel auf den Instant-Messaging-Dienst Telegram. Insofern sei die Wirkung der Konten-Sperrungen bei Facebook beschränkt.

Generelles Problem des Facebook-Algorithmus

Dabei komme erschwerend hinzu, dass Facebook ein generelles Problem habe, wenn es um die Beeinflussung von Usern gehe: In dem sozialen Netzwerk würden in der Regel Inhalte dargeboten, "die potentiell gefallen oder unseren Interessen und Ansichten entsprechen. Das heißt, auch wenn ich noch nicht in der "Querdenken"-Bewegung Teilnehmer bin, mich aber für ähnliche Themen interessiere, ist es durchaus möglich, dass mir der Facebook-Algorithmus auch ähnliche relevante Themen anzeigt, vielleicht eben auch Inhalte, die von einem "Querdenken"-Account stammen", sagte Sindermann.

"In diesem Fall kann es sein, dass ich mit solchen Nachrichten konfrontiert werde. Und wenn sie dann falsch sind, kann es sein, dass ich sie trotzdem glaube."

Je mehr Nachrichten-Quellen, desto geringer das Risiko

Insofern sei es entscheidend, wie viele Nachrichten auch außerhalb von Facebook konsumiert würden. So habe eine ihrer ersten Studien auf dem Feld gezeigt, dass knapp vier Prozent der befragten Personen nur über soziale Medien wie Facebook Nachrichten konsumierten. Diese Gruppe sei damit einem hohen Risiko ausgesetzt, gefilterte Informationen speziell von der "Querdenken"-Bewegung angezeigt zu bekommen. "Der Großteil der Menschen informiert sich aber über extrem verschiedene Quellen - also Podcasts, Radio, TV, Zeitung - und ist damit schon mal in einem geringeren Risiko, nur diese "Querdenken"-Informationen dargeboten zu bekommen. Und damit sind sie wahrscheinlich auch zu einem differenzierteren Bild imstande", so Sindermann.

Was halten die User von der "Querdenken"-Sperrung?

Dass die Facebook-Accounts nun gesperrt worden seien, führe in der "Querdenken"-Bewegung nun wahrscheinlich zu einem größeren Zusammenhalt. Bei Menschen außerhalb dieser Gruppe seien dagegen verschiedene Reaktionen denkbar: "Es kann sein, dass Personen, die bereits grundsätzlich Sympathisanten dieser Bewegung sind, durch so etwas gestärkt werden, es kann aber bei anderen Menschen genau die gegenteilige Wirkung haben, dass die durch solche Maßnahmen erkennen, wie gefährlich diese Bewegung zumindest in Teilen sein kann", sagte Sindermann.

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