Testphase bislang sehr erfolgreich

Wie im Munderkinger Seniorenzentrum "gezockt" wird

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Uli Zwerenz
Uli Zwerenz (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Die Bewohner im Seniorenzentrum St. Anna in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis) sitzen derzeit häufig vor einem großen Bildschirm. Aber nicht um Filme zu schauen, sondern um spielerisch Körper und Geist zu trainieren.

Es ist augenscheinlich nicht nur etwas für die Jungen. Die 92-jährige Gertrud Fesseler sitzt im Speisesaal auf einem Stuhl vor dem großen Bildschirm im Seniorenzentrum St. Anna. Sie schaut hoch konzentriert und schwingt mit dem rechten Arm kräftig durch, so bringt die Seniorin eine imaginäre Kugel in Fahrt: "Alle Neune". Obwohl die frühere Säuglingsschwester noch nie gekegelt hat in ihrem langen Leben, räumt sie bei dem Computerspiel voll ab und ist stolz.

Danach ist Juditha Melzner dran. Die ebenfalls 92-Jährige hat sich für das "Motorradfahren" entschieden. Mit leichten Kippbewegungen im Oberkörper lenkt sie ihr Fahrzeug auf der Mattscheibe manchmal souverän und manchmal haarscharf an den Hindernissen vorbei. "Man muss was tun und strengt den Kopf an. Das ist sehr gut. Es wird immer besser", sagt sie mit einem Lächeln.

Kegeln auf dem Bildschirm ist im Seniorenzentrum St.Anna sehr beliebt. (Foto: SWR, Uli Zwerenz)
Mit der Konsole können die Seniorinnen und Senioren viele Sportarten probieren - zum Beispiel das Kegeln. Uli Zwerenz

Sozialdienstleisterin Lena Koegel vom Seniorenzentrum St. Anna beobachtet die Damen, erklärt ihnen alles Notwendige und ist zufrieden. "Die Senioren können unterschiedliche Körperregionen trainieren, es ist gut für das Herz-Kreislaufsystem, die Sturz-Prophylaxe, das Gedächtnis und für den Spaß natürlich", so Koegel. Sie kam auf die Idee, eine Spielkonsole für die Bewohner anzuschaffen.

"Es gibt schon die ersten kleinen Streitereien, wer darf wann mit der Box spielen."

Auch Einrichtungsleiter Denis Lamsfuß ist vom Erfolg des "Zockens" überzeugt. Viele Bewohner sind laut Lamsfuß durch die Corona-Pandemie sehr belastet und mit der Spiele-Box kann man da einen Lichtblick schaffen. Das Projekt diene auch der Lebensfreude und sei gut für die Begegnungen unter den Bewohnern, sagt er.

"Man sieht lachende Gesichter und Menschen, die die Pandemie irgendwie vergessen. Das sind sehr schöne Eindrücke."

Die Anschaffung der Box wurde auch über eine Weihnachtsaktion durch Spenden der Einwohner und Firmen in Munderkingen und dem Handels- und Gewerbeverein ermöglicht. Finanzielle Unterstützung für die laufenden Kosten kommt auch von der AOK Baden-Württemberg.

In ganz Deutschland im Einsatz

Die Konsole hat die Hamburger Firma RetroBrain entwickelt. Sie kommt derzeit in rund 200 Heimen in Deutschland zum Einsatz und es sollen nach Angaben der Firma noch deutlich mehr werden. In den kommenden Wochen wird im Seniorenzentrum St. Anna ganz genau beobachtet, wie die Spiele angenommen werden und wie sie sich auf die Entwicklung der Bewohner auswirken. Nach einigen Monaten soll es einen Projektbericht geben.

Bilder aus dem Seniorenzentrum St.Anna (Foto: SWR, Uli Zwerenz)
Mit der Anleitung von der Spielkonsole kann auch getanzt werden. Uli Zwerenz

Die Konsole wird übrigens nicht nur zum Spielen nachgefragt. Es gibt auch Programme, die gymnastische Übungen oder Tanzeinlagen zum Nachmachen vorführen. Das macht vielen Bewohnern hier ebenfalls großen Spaß. Insgesamt ist die neue Anlage in Munderkingen fast täglich im Einsatz.

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