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In der Rommelkaserne in Dornstadt bei Ulm ging es bei einer internationalen Konferenz um die Frage, wie Militärs und zivile Organisationen im Krisenfall am besten zusammenarbeiten.

Männer und Frauen in Uniform und zivil (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Insgesamt 80 Teilnehmer aus dem militärischen wie zivilen Bereich haben über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Vernetzung im Krisenfall beraten Rainer Schlenz

Jede Menge Männer und Frauen in Camouflage-Uniform sitzen in den Stuhlreihen in der Rommelkaserne. Nicht ganz so viele Konferenzteilnehmer sind in zivil erschienen. Es sind die Vertreter von Organisationen wie dem UN-Flüchtlingshilfswerk, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und vielen anderen mehr. Diskutiert wird letztendlich über jede Form der Krise: Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder Kraftwerksunfälle. Es geht aber auch um gezielte Angriffe eines Gegners auf die empfindlichen Punkte eines jeden Staates:

"So dass Krankenhäuser ausfallen können, zur selben Zeit Brücken und Häfen ausfallen können, Kraftwerke nicht mehr in der Lage sind, die Stromversorgung zur Verfügung zu stellen. Und das hat Auswirkungen darauf, dass diese Länder gehemmt sind, NATO-Operationen zu unterstützen."

Oberstleutnant Andreas Eckel, Multinationales Kommando Operative Führung

Ausrichter der Konferenz ist das Ulmer NATO-Kommando JSEC gemeinsam mit dem Multinationalen Kommando Operative Führung. Zentrales Thema ist die Widerstandsfähigkeit eines Staates gegen derartige Angriffe. Resilienz nennen das die Experten. Gemeint ist nicht nur eine militärische Antwort auf derartige Erschütterungen, gemeint ist auch die Vorbereitung ziviler Stellen:

"Die NATO sieht die Widerstandsfähigkeit dieses zivilen Systems, von dem das Militär auch unmittelbar abhängig ist, als einen Baustein von Abschreckung an. Und eine Säule dieser Abschreckung ist die Fähigkeit sich zu verteidigen, militärisch, aber auch die Fähigkeit, dass die Systeme wieder stehen."

Oberstleutnant Andreas Eckel, Multinationales Kommando Operative Führung

Wie schnell also sind Transportwege wiederhergestellt oder die Trinkwasserversorgung gewährleistet? Wann läuft der Strom wieder? Dabei muss sich das Militär mit der Feuerwehr kurzschließen oder das Flüchtlingshilfswerk mit dem Bürgermeister. Die Vernetzungen sind komplex. Ein wichtiger Faktor bei der Konferenz hingegen ist ganz einfach.

"Es ist wichtig, dass die Leute sich kennen, die Gesichter ihres Gegenübers kennen, dass sie miteinander gesprochen haben. Wenn sie einen Katastrophenfall bewältigen wollen und sie vertrauen einander, geht es schneller!"

Oberst Henk Paape (NL), Ulmer NATO-Kommando JSEC

Auf der zivilen Seite sind auch Universitäten vertreten ebenso wie privatwirtschaftliche Unternehmen. Am Konferenztisch sitzt zum Beispiel der Logistikspezialist DHL, der ja verspricht, innerhalb von 48 Stunden Ware an quasi jeden Punkt dieser Erde zu transportieren – auch in Krisenfällen. Da wird es interessant fürs Militär:

"In diesem Fall ist die Idee nicht, dass wir DHL erklären, wie das Militär das macht. In dem Fall wollen wir wissen, wie jemand auf die Störung einer weltweit vernetzten Logistikkette reagiert. Also in diesem Fall stehe ich vor DHL und bin der Empfänger, nicht der Sender."

Oberstleutnant Andreas Eckel, Multinationales Kommando Operative Führung

Es geht um globale Zusammenarbeit in dieser Konferenz. Es geht weniger um die globale Politik, wie zeitgleich beim NATO-Gipfel in London. Die Äußerung von Frankreichs Präsident Macron, die NATO sei praktisch „hirntot“, nimmt der niederländische NATO-Offizier Paape ganz gelassen:

"Nun, da habe ich auch mal kurz meine Augenbrauen hochgezogen. Was Macron damit wirklich meint, das weiß nur er selbst. Es ist halt ein Satz. Wobei er damit immerhin geschafft hat, dass die Leute mal wieder nachdenken und miteinander reden. Vielleicht war das sein Ziel."

Oberst Henk Paape (NL), Ulmer NATO-Kommando JSEC
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