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Der März endet ausgesprochen frostig. Wohnungslose kämpfen gegen die Kälte. Der SWR hat mit dem Leiter der Wohnungslosenhilfe der Caritas Ostwürttemberg über die Situation in Zeiten der Pandemie gesprochen.

Ein Wohnungsloser mit seinen Habseligkeiten sitzt auf einer Parkpark (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Schwierige Zeiten für Wohnungslose (Sujetbild) picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

SWR: Fast alle kommunalen Einrichtungen sind jetzt zu. Wie sieht es in diesen frostigen Nächten mit Unterkünften für Wohnungslose aus?

Wolfgang Lohner, Leiter der Wohnungslosenhilfe der Caritas Ostwürttemberg: Wir von der Caritas in der Region Ostwürttemberg haben ja an allen drei Standorten Aalen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim die Notübernachtung für alleinstehende, erwachsene Wohnungslose übernommen und wir werden die auch zu Corona-Zeiten offen halten. Das heißt, wir nehmen weiterhin wohnungslose Menschen auf. Unsere Einrichtungen sind auch sehr gut belegt. Es kommen täglich auch neue Leute, zum Beispiel welche, die frühzeitig aus der Haft entlassen wurden, damit die Gefängnisse leerer werden. Die können wir ja nicht auf der Straße lassen. Insofern wird es jetzt natürlich auch langsam etwas eng.

Es kommen also momentan mehr Menschen als sonst?

Nein, nicht unbedingt mehr Menschen. Wir haben die Regelung gehabt, dass Menschen, die weiterziehen wollen, dann nach zwei, drei Wochen auch weitergehen müssen. Das haben wir jetzt ausgebremst, da wir es nicht für sinnvoll halten, dass die Leute mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Wir lassen die jetzt länger vor Ort in den Notübernachtungen, so dass jetzt peu à peu neue Leute kommen, aber nicht mehr so eine große Fluktuation vorhanden ist.

Jetzt gibt es ja diese Abstandsregeln. Was bedeuten die für die Unterkünfte?

Dort, wo die Leute schlafen und sich in der Gemeinschaftsküche aufhalten, ist es natürlich schwierig. Wir versuchen das räumlich, so wie es geht, zu entzerren. Aber da stoßen wir natürlich an unsere Grenzen, weil wir Mehrbettzimmer haben. Den Tagesaufenthalt, den wir hier auch hatten, haben wir zu gemacht. Und in der Beratung haben wir eine Person nach der anderen im Beratungszimmer mit entsprechendem Abstand beraten und zum Beispiel auch den Tagessatz ausbezahlt.

Aber bis jetzt mussten Sie noch niemanden wegschicken - und das wird hoffentlich auch so bleiben?

Ja, wir mussten noch niemand wegschicken. Wenn jetzt allerdings einer unserer Bewohner mit dem Coronavirus infiziert wird, dann wird es schwierig. Da haben wir aber auch schon mit den Ordnungsämtern der Städte Kontakt aufgenommen. Notfalls werden die dann nach Polizeirecht Baden-Württemberg zuständig, diese Personen unterzubringen.

Und wie könnte das aussehen?

Teilweise haben die Städte auch ihre eigenen ordnungsrechtlichen Unterkünfte, die vielleicht auch geeignet sind, diese Personen unterzubringen. Aus meiner ganz persönlichen Sicht sind ja auch viele Hotels jetzt leer. In den Hotels gibt es ja Einzelzimmer mit eigenen Nasszellen. Notfalls wäre das eine Alternative.

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