Viele junge Menschen stellen sich momentan offenbar die Frage: Soll ich in diesen Zeiten tatsächlich eine Ausbildung beginnen?  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Martin Schutt)

Betriebe und Kammern erreichen Jugendliche nur schwer

Ausbildung rund um Ulm: Lehrstellen vorhanden, Bewerber Mangelware

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Im Juni und Juli werden normalerweise die meisten Ausbildungsverträge abgeschlossen. Doch viele Betriebe haben Probleme, die passenden Lehrlinge zu finden. Aber nicht alle Bereiche sind betroffen.

Ausbildungsmessen: Finden nicht statt. Praktika in Betrieben: Sind derzeit kaum möglich. Beratungsgespräche: Gibt es fast nur virtuell. Viele Unternehmen haben derzeit Probleme, junge Leute zu erreichen. "Die Handwerksbetriebe können jeden Ausbildungswunsch erfüllen, allerdings fehlt bei der Berufsorientierung in Corona-Zeiten oft der Kontakt zu den Jugendlichen", schreibt die Handwerkskammer Ulm auf ihrer Internetseite. 

Gebäude der IHK in Ulm, in der Mitte wehen Fahnen mit dem Logo der IHK (Foto: SWR)
Gebäude der Industrie- und Handelskammer in Ulm

In Zahlen ausgedrückt wird die Situation noch deutlicher: Die Agentur für Arbeit Ulm meldet im Zeitraum von Oktober 2020 bis Mai 2021 18,5 Prozent weniger Bewerber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

IHK Ulm: Rund drei bis vier Prozent weniger Ausbildungsverträge möglich

Thomas Frank von der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK) rechnet deswegen in diesem Jahr mit einem Rückgang an Ausbildungsverträgen von drei bis vier Prozent. Das werde viele Branchen in den kommenden Jahren "hart treffen". Vor allem kleine, eher unbekannte Betriebe dürften Probleme haben, Auszubildende zu finden.

"Der Fachkräftebedarf kommt schneller wieder, als wir derzeit spüren und denken."

Viele junge Menschen stellen sich momentan offenbar die Frage: Soll ich in diesen Zeiten tatsächlich eine Ausbildung beginnen? Thomas Frank spricht in diesem Zusammenhang von "Trockenübungen", die viele Auszubildende machen müssten, wenn der Ausbildungsbetrieb coronabedingt geschlossen sei, wie bis vor Kurzem beispielsweise der Einzelhandel.

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Ausbildungsplätze gibt es genügend

Entgegen einer SWR-Datenanalyse für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mangelt es in der Region Donau-Iller aber offenbar nicht an Ausbildungsplätzen. Die Agentur für Arbeit Ulm verzeichnet von Oktober des vergangenen Jahres bis Mai dieses Jahres sogar ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem das Baugewerbe (+14,6 Prozent), Unternehmen im Bereich Verkehr und Lagerlogistik (+16,1 Prozent) und die öffentliche Verwaltung (+21,3 Prozent) bieten laut Agentur mehr Lehrstellen an. Branchen, in denen der Bedarf an Arbeitskräften durch die Corona-Pandemie gestiegen ist.

Auch bei einer Blitzumfrage der IHK Ulm haben im April 79 Prozent der teilnehmenden Unternehmen angegeben, dass sie genauso viele Lehrstellen wie vor der Krise anbieten - oder gar noch mehr. "Das zeigt, dass sich die Unternehmen von der aktuellen Situation nicht entmutigen lassen und positiv in die Zukunft blicken", schloss IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard daraus. Bei derselben Umfrage kam allerdings auch heraus, dass 28 Prozent der Unternehmen kaum Bewerbungen bekämen, 37 Prozent "nur wenig qualifizierte".

Trotz der überwiegend positiven Rückmeldungen in der nicht repräsentativen IHK-Umfrage gebe es viele Unternehmen im technischen und kaufmännischen Bereich, die derzeit zurückhaltend seien. "Die Lage in der Region ist ähnlich wie die in ganz Baden-Württemberg", sagt Thomas Frank.

Handwerk kommt glimpflicher davon

Auch das Handwerk zwischen Ostalb und Bodensee leidet offenbar kaum den Folgen der Corona-Pandemie - körpernahe Dienstleister wie Frisöre ausgenommen. Die Betriebe im Bereich der Ulmer Handwerkskammer "würden tendenziell eher mehr Ausbildungsplätze" anbieten, vor allem in den Gewerken, sagt Bastian Störk von der Kammer. Vielen Handwerksbetrieben habe die Pandemie nichts anhaben können, im Gegenteil: Die Arbeiten liefen weiter, die Aufträge nahmen zu.

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