Schild-Ölembargo (Foto: picture-alliance / Reportdienste, orsten Sukrow/SULUPRESS.DE)

EU will Importstopp für russisches Öl

Wie sich ein Ölembargo auf die Region Ulm auswirkt

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Das nächste Sanktionspaket der Europäischen Union sieht ein Ölembargo gegen Russland vor. Dies bliebe nicht ohne Folgen für die Region Donau-Iller.

Der international tätige Ulmer Schmierstoffhersteller Liqui Moly braucht viel Öl. Aber das geplante Ölembargo gegen Russland bereitet dem Unternehmen nicht so große Sorgen. Denn Liqui Moly bezieht überhaupt kein Grundöl aus Russland. Vollkommen entspannt beobachtet man die Situation trotzdem nicht: Denn die steigenden Transportkosten und die Lieferengpässe, die es im globalen Handel nach wie vor gibt, könnten auch Liqui Moly schaden, sagte ein Sprecher dem SWR.

Dosen des Schmierstoffherstellers Liqui Moly (Foto: dpa Bildfunk, Stefan Puchner)
Das Geschäft mit Schmierstoffen ist auch für Liqui Moly schwieriger geworden. Stefan Puchner

Ölembargo: Kupferverarbeiter Wieland hält sich bedeckt

Auch sehr energieintensive Branchen sind nicht unbedingt direkt betroffen. Der Kupferspezialist Wieland mit 8.000 Mitarbeitern in Ulm will zwar zu diesem Thema überhaupt nichts sagen, verweist aber auf eine Pressemitteilung des Deutschen Kupferinstituts. Darin heißt es: "Die möglichen Versorgungsengpässe mit Gas bereiten der deutschen Kupferindustrie Sorgen" – von Öl steht da nichts.

Gebäude der IHK in Ulm, in der Mitte wehen Fahnen mit dem Logo der IHK (Foto: SWR)
Die IHK Ulm ist angesichts des geplanten Ölembargos in Sorge.

IHK Ulm spricht von Unternehmen, die nicht mehr profitabel arbeiten

Sehr sorgenvoll hingegen blickt die IHK Ulm in die Zukunft: In der Region werden erste Unternehmen identifziert, die nicht mehr profitabel wirtschaften können. Vor einer Pleitewelle stehe man zwar nicht. Aber die Frage sei schon, wie lange das alles noch anhält, so ein Sprecher der IHK. Die Krise, die aus der Corona-Pandemie resultiert, mit Lieferengpässen, Personalsorgen und so weiter, die sei durch den Krieg jetzt noch verstärkt worden. 

Die Spedition Dachser in Langenau (Alb-Donau-Kreis) hat den Warenverkehr für Industriegüter und Lebensmittel auf die Insel vorerst gestoppt. (Foto: IMAGO, imago images/Rust)
Alle Branchen, die von der Mobilität leben, wären von einer Verknappung des Rohstoffs Öl betroffen. imago images/Rust

Für ganz Deutschland gilt: 50 Prozent des Öls wird für Mobilität verbraucht. Von einem Embargo wären also alle betroffen, die mit dem Auto oder LKW unterwegs sind. Speditionen, Busunternehmen, Kommunen - und selbstverständlich auch unzählige Privatpersonen.

Heizölhandel geht von Verknappung und steigenden Preisen aus

A propos Privatpersonen: Ein Drittel des Erdölverbrauchs in Deutschland wird verheizt. Kommt das Öl-Embargo gegen Russland, müssen wir von weiter steigenden Ölpreisen und einer Verknappung ausgehen, heißt es übereinstimmend von Ölhändlern und Herstellern von Schmierstoffen.

Gas-Engpass treibt Kosten in die Höhe (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Gas-Engpass treibt Kosten in die Höhe, ein Ölembargo würde dies noch befeuern, meinen Heizölhändler. Picture Alliance

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