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Werbung machen, das bedeutet: Auf sich aufmerksam machen. Damit das im Stadtbild nicht zu schrill, zu aufdringlich wird, hat die Stadt Ulm jetzt Gestaltungsrichtlinien für Werbeschilder festgelegt.

Eine Werbetafel am Beispiel einer Schuhwerkstatt "Auf dem Kreuz", einem kleinen Ulmer Viertel mit vielen restaurierten Altbauten: Der Schuhmacher hat ein weißes Blechschild mit eleganter, brauner Schrift an ein Gestänge montiert, daneben hängt ein eiserner Stiefel.

Schild einer Schuhwerkstatt (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Handwerklich gut gemacht, passt sich an die Umgebung an, vermittelt anschaulich das Handwerk des Ladens. "Das ist ein Werbeschild, wie ich es mag", so Stadtbildpfleger Stefan Uhl. Rainer Schlenz

Stadtbildpfleger Stefan Uhl schätzt an diesem Schild die handwerkliche Kunst. Es passt zur Umgebung und zeigt, worum es im Laden geht: Um Schuhe und Stiefel.

Ein paar Schritte weiter das Negativbeispiel: Über dem Schaufenster eines Anbieters für E-Zigaretten steht auf einem Vorsprung ein weißer Leuchtkasten. Schon tagsüber nicht gerade designpreisverdächtig. Und wenn es dunkel wird, schreien die Neonlichter sozusagen den Namen des Ladens heraus.

Leuchtreklame eines E-Zigarettennbieters (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Nicht gerade designpreisverdächtig: Ein Leuchtkasten, der keinen Bezug zur Umgebung aufnimmt. Rainer Schlenz

Ähnliche Gestaltungsmittel verwenden zwei Hotels am Münsterplatz: Dicke, weiß strahlende Leuchtwürfel mit schwarzen Buchstaben ragen "dominant" in die Fußgängerzone. Typische Fünfziger-, Sechzigerjahre-Werbung, meint Uhl, die vielleicht nicht mehr in eine moderne Stadt passt.

Senkrecht angeordnete Leuchtwürfel mit der Aufschrift HOTEL (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Senkrecht angeordnete Leuchtwürfel mit Standardbeschriftung: Ästhetik der Fünfziger und Sechziger Jahre, meint Stefan Uhl. Das passe nicht mehr so recht in eine moderne Stadt. Rainer Schlenz

"Wenn das ein Mal in der Stadt ist, dann ist's okay. Aber wenn das mehrfach ist, dann tut’s halt doch sehr weh.“

Stadtbildpfleger Stefan Uhl

Es geht indessen um mehr als ein gepflegtes Stadtbild. Es geht auch um Chancengleichheit der Mitbewerber – egal ob groß oder klein. Kleine Läden sollen genauso auf sich aufmerksam machen können wie die großen Player.

Grundsätze dürfen nicht zur Langeweile führen

Umgekehrt sollen die neuen Richtlinien jedoch auch nicht zu einer Vereinheitlichung der Werbeschilder und damit zur puren Langeweile führen. Das, meint Stefan Uhl, würde überhaupt nicht zu einer dynamischen und lebendigen Stadt wie Ulm passen. Schließlich habe man historische wie moderne Ecken, zurückgezogene Winkel und Stellen, wo das Leben pulsiert.

"Und da wünscht man sich ja auch, dass das lebendig ist und bleibt".

Stefan Uhl
Collage verschiedener Werbeschilder in Ulm (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Ulm ist eine vielfältige, dynamische Stadt, findet der Stadtbildpfleger Stefan Uhl. Und das spiegelt sich auch in der Vielfalt der Werbeschilder wider. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Handwerklich gut gemacht, passt sich an die Umgebung an, vermittelt anschaulich das Handwerk des Ladens. "Das ist ein Werbeschild, wie ich es mag", so der Stadtbildpfleger. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Nicht gerade designpreisverdächtig: Ein Leuchtkasten, der keinen Bezug zur Umgebung aufnimmt. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Senkrecht angeordnete Leuchtwürfel mit Standardbeschriftung: Ästhetik der Fünfziger und Sechziger Jahre, meint Stefan Uhl. Das passe nicht mehr so recht in eine moderne Stadt. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Für Stadtbildpfleger Stefan Uhl eines der vielen Beispiele gelungener Werbung: Der Schriftzug zieht die Blicke auf sich, ist aber vollkommen unaufdringlich. Eine elegante Lösung, die Modernes mit Historischem verbindet. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Ein Werbeschild, das geradezu im Widerspruch zur eleganten historischen Fassade des Kaufhauses steht: Es verdeckt die Schönheit des Hauses, der leuchtend-rote Schriftzug nimmt keinen Bezug zur Ausstrahlung der Fassadenelemente. Und die "Gestaltungsgrundsätze" der Stadt Ulm bevorzugen die waagerechte statt der senkrechten Ausrichtung der Schilder. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Hier soll vor allem die Ware locken, nicht so sehr das Schild. Der Schriftzug bleibt sehr dezent im Hintergrund. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Auffallen um jeden Preis: Hier steht das Schrille im Vordergrund. Ein blickdichtes "Schaufenster", das nicht wirklich zum Schauen einlädt. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen

Das neue Regelwerk, das Stefan Uhl geschrieben hat, trägt deshalb auch nicht den Namen "Verordnung" oder "Vorschrift mit Bußgeldkatalog". Es sind Gestaltungsgrundsätze, also Orientierungshilfen und Bilder, die bei der Genehmigung neuer Schilder allen Beteiligten helfen sollen.

Verzicht auf Satzung in Heidenheim

Die Stadt Heidenheim mit knapp 50.000 Einwohnern hält die Sache übrigens ganz anders. Sie verzichtet bislang auf eine Regelung.

"Als eine moderne, von Industrie geprägte Stadt mit einer kleinen historischen Altstadt stellt sich aktuell nicht die Frage zur Aufstellung einer Werbeanlagensatzung."

Pressesprecher Stefan Bentele
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