Fast leere Regale im Aalener Tafelladen - die Tafelläden in der Region haben derzeit zu kämpfen, weil Spenden fehlen, aber immer mehr Kunden kommen.  (Foto: SWR, Frank Polifke)

Ukraine-Krieg, hohe Energiekosten, wegfallende Mini-Jobs

Tafelläden in Aalen und Heidenheim in Not - mehr Kunden, weniger Spenden

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Frank Polifke
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Sabine Bauer

Mehr Kunden, weniger Spenden - damit haben die Tafelläden in Aalen und Heidenheim derzeit zu kämpfen. Spenden fließen teilweise in die Ukraine ab, immer mehr Geflüchtete zählen zur Kundschaft.

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Die Tafelläden in der Region bekommen die aktuelle Weltlage derzeit zu spüren: Weil viele Lebensmittel in den Supermärkten teurer geworden sind, kommen wieder mehr Menschen zum Einkaufen, können bei der Tafel aber nicht immer das finden, was sie brauchen. Denn was im Discounter Mangelware ist, fehlt in den Tafelläden erst recht. So auch im Tafelladen in Aalen: Kurz vor Ladenöffnung am Donnerstag hat sich dort eine lange Schlange gebildet. Die Menschen warten und hoffen, dass sie das bekommen, was sie suchen.

"Alles fehlt...die Regale sind leer...früher war das anders."

Punkt zehn wird die Tür aufgeschlossen. Nach und nach werden die Kundinnen und Kunden eingelassen. Nach wie vor gelten Abstandsregeln bei der Aalener Tafel. Ein Blick in die Regale zeigt: Nudeln, Reis, Senf, Honig sind ausreichend vorhanden. Bei anderen Produkten: Fehlanzeige - Milch zum Beispiel, Zucker und Öl.

Bei einigen Warensorten gibt es weniger Nachschubprobleme - die Tafelläden in der Region haben derzeit zu kämpfen, weil Spenden fehlen, aber immer mehr Kunden kommen.  (Foto: SWR, Frank Polifke)
Auch wenn die Regale gut gefüllt scheinen, bei einige Waren läuft es mit dem Nachschub schleppend. Frank Polifke

Auch Mehl fehlt oftmals, am heutigen Einkaufstag gibt es jedoch Mehlpackungen. Gerhard Vietz, Leiter des Aalener Tafelladens, konnte bei einer regionalen Mühle etwas organisieren.

"Die haben sich sofort bereit erklärt, uns zu unterstützen. Eine Stunde später habe ich den Rückruf erhalten, wir bekommen eine Palette Mehl - eine sehr, sehr nette Geste."

Gerhard Vietz muss in letzter Zeit häufiger denn je den Mangel verwalten. Auch, weil die Spenden rückläufig seien, berichtet er.

Ein fast leeres Regal im Aalener Tafelladen, daneben einige Kisten mit Bananen - die Tafelläden in der Region haben derzeit zu kämpfen, weil Spenden fehlen, aber immer mehr Kunden kommen.  (Foto: SWR)
Bei Milchprodukten ist Ebbe im Regal, dafür gibt's einige Kisten Bananen - im Aalener Tafelladen muss derzeit der Mangel verwaltet werden.

Das gilt auch für den Tafelladen in Heidenheim. Viele Sachspenden flössen derzeit in die Ukraine, hat Leiter Dietmar Wotsch beobachtet.

"Die sammeln dann Spenden, die direkt in die Ukraine oder an die Grenze nach Polen gehen, das heißt, die Tafel ist dann nicht mehr so ganz im Blickfeld."

Viele Familien aus der Ukraine im Heidenheimer Tafelladen

Insgesamt sei die Situation bei der Heidenheimer Tafel seit einigen Wochen zunehmend angespannt. "Wir verzeichnen einen deutlichen Zuwachs an Kunden", so Dietmar Wotsch. Eine der Hauptursachen sei sicherlich der massive Anstieg der Lebensmittelpreise, dadurch seien viele verstärkt auf das Angebot der Tafel angewiesen. Auch der Krieg in der Ukraine wirkte sich aus - in der vergangenen Tagen seien täglich drei bis fünf neue Familien aus der Ukraine zum Einkaufen in die Heidenheimer Tafel gekommen.

Einkaufen im Heidenheimer Tafelladen - die Tafelläden in der Region haben derzeit zu kämpfen, weil Spenden fehlen, aber immer mehr Kunden kommen.  (Foto: SWR, Uli Zwerenz)
Die Kunden im Heidenheimer Tafelladen bekommen dort derzeit nicht alles, was sie brauchen oder wollen - denn die Spenden werden knapper. Uli Zwerenz

Einkaufsgutscheine vom DRK für Flüchtlinge aus der Ukraine in Ulm

So sieht es auch bei der Aalener Tafel aus: Dort waren es laut Gerhard Vietz vergangene Woche noch rund 30 Familien, diese Woche sind es schon 40. Ähnlich in Ulm: Claudia Steinhauer vom Deutschen Roten Kreuz, das die Tafelläden in Ulm und im Alb-Donau-Kreis betreibt, lässt Flüchtlingen aus der Ukraine regelmäßig Einkaufsgutscheine zukommen. Denn Geld haben sie oft keines.

"Sie bekommen erst Leistungen (...), wenn sie sich registriert haben und die aktuelle Wartezeit in Ulm beträgt zwei Wochen, bis sie sich registrieren können."

Mehr Kunden - auch durch Wegfall von Minijobs durch Corona

Inflation und Teuerung haben dazu beigetragen, dass es mehr Tafel-Kunden gibt, aber auch der Wegfall tausender Minijobs durch die Corona-Pandemie. Ukraine-Flüchtlinge spielten da gar keine so große Rolle.

Hohe Energiekosten belasten Tafelläden

Dietmar Wotsch, Leiter des Heidenheimer Tafelladens nennt noch einen Umstand, der die Tafelläden zunehmend belastet - die hohen Energiekosten. Neben den erwarteten höheren Strom- und Gasrechnungen sei man insbesondere vom derzeitig hohen Diesel-Preis betroffen. Täglich würden 20 bis 25 Märkte und Bäckereien im Landkreis Heidenheim angefahren, um Obst, Gemüse, Back- und Kühlwaren abzuholden. "Das macht sich auf der Tankrechnung bemerkbar."

Die Tafel-Mitarbeiter versuchen dem Mangel durch Spendenaufrufe und kirchliche Sammlungen entgegenzuwirken.

"Uns ist aber bewusst, dass es auch für die Spender zunehmend schwierig ist (...) und sind für jeden gespendeten Artikel umso dankbarer.

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