Foto der 16-jährigen Amani Aljaffal aus Rechtenstein im Alb-Donau-Kreis, die seit Montag vermisst wird (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Ulm)

Zeugenaufruf im ZDF

Vermisste Amani aus Rechtenstein: Einige Hinweise nach "Aktenzeichen XY"-Sendung

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Nach dem Zeugenaufruf im Vermisstenfall Amani in "Aktenzeichen XY...ungelöst" sind einige Hinweise bei der Polizei in Ulm eingegangen. Eine heiße Spur gibt es jedoch nicht.

Durch neue Bilder der Schülerin aus Rechtenstein erhofft sich die Polizei weitere Hinweise (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Ulm)
Seit 26. Juli fehlt von Amani jede Spur. Pressestelle Polizeipräsidium Ulm


Die Polizei will jedem einzelnen Hinweis nachgehen. Das werde jedoch einige Zeit beanspruchen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Bei den Hinweisen geht es vor allem um mögliche Aufenthaltsorte der 16-Jährigen. Diese erstreckten sich demnach über das gesamte Bundesgebiet.

Seit dem 26. Juli fehlt von der Schülerin aus Rechtenstein (Alb-Donau-Kreis) jede Spur. Die Polizei hatte sich durch die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" neue Hinweise erhofft. Hauptkommissar Frank Daiber von der Kriminalpolizei Ulm fasste in der Sendung die bisherigen Erkenntnisse zusammen.

Von ihrem Heimatort Rechtenstein (Alb-Donau-Kreis) sei Amani mit dem Bus nach Ehingen gefahren. Auf dem etwa zwei Kilometer langen Weg vom Bahnhof zur Schule sei sie verschwunden. Gefunden worden seien nur ihre Schulsachen in einem Rucksack, ihr Geldbeutel und ihr Handy. Ein Kinderbild, das ihr sehr wichtig sei und das sie immer bei sich trug, fehle seit ihrem Verschwinden.

Kriminalhauptkommissar: Verbrechen ist denkbar

"Denkbar ist ein Verbrechen durch eine fremde Person, oder jemanden, den sie kannte“, sagte Kriminalhauptkommissar Frank Daiber in der Sendung. Es gebe keine Zeugen, die Hilferufe gehört haben. Die Polizei ermittelt in verschiedene Richtungen.

Im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne ging es auch um die familiären Verhältnisse - besonders um Amanis Vater, der mit ihrem westlichen Lebensstil nicht einverstanden gewesen sei. Unter anderem wegen gewalttätiger Übergriffe musste er aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Es bestehe ein Annäherungsverbot, sagte Cerne. "Von Zwangsverheiratung und Verbringung nach Syrien war die Rede.“

Ein Tatverdacht gegen eine Person aus der Familie oder aus dem Umfeld der 16-Jährigen habe sich laut Frank Daiber allerdings bisher nicht erhärtet. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass Amani selbst untertauchen wollte, auch mit Hilfe von Personen, die sie selbst nicht gut kannte. Ihre Ausweispapiere habe sie allerdings nicht bei sich.  

Hinweise im Vermisstenfall Amani unter 0731/188-0

Nach wie vor hofft die Polizei in Ulm auf Hinweise aus der Bevölkerung und nimmt diese unter der Telefon-Nummer 0731/188-0 entgegen.

Die Polizei will unter anderem wissen: Wer hat die 16-Jährige seit dem 26. Juli gesehen? Wer kennt ihren Aufenthaltsort? Wer kennt Personen aus ihrem persönlichen Umfeld? Wer hat Foto- oder Videoaufnahmen (zum Beispiel mit dem Telefon oder einer Dash-Cam) vom 26. Juli 2021 aus dem Bereich des Bahnhofs und Berufschulzentrums in Ehingen? Hinweise können nach Polizeiangaben auch anonym gegeben werden, unter https://www.bkms-system.net/egamani.

Suchen nach vermisster Amani international ausgeweitet

Die Ermittler hatten die Fahndung international ausgedehnt und suchten auch nach Hinweisgebern aus dem Herkunftsland der syrischen Familie. Die Vermisste ist etwa 1,60 Meter groß und schlank. Sie hat schwarze, wellige, schulterlange Haare und auffallend große, braune Augen. Als sie zuletzt gesehen wurde, trug sie ein grünes Kopftuch, ein grünes Oberteil, eine Jeans und Jeansjacke sowie weiße Sneaker mit blauem Blumenmuster. Außerdem soll sie laut Polizei einen Rucksack mit Raubtierprint bei sich gehabt haben.

Amani lebte mit Mutter und Geschwistern getrennt vom Vater

Moderator Cerne hatte sich bereits am Mittwochmorgen im SWR4-Interview zu Amani geäußert. Die Zehntklässlerin sei eine exzellente Schülerin gewesen, sagte er. Sie habe in Deutschland bleiben, ihr Abitur machen und anschließend Medizin studieren wollen.

"Mit dieser westlichen Lebensausrichtung war ihr aus Syrien stammender Vater offenbar überhaupt nicht einverstanden."

Es habe dazu auch wohl viel Stress in der Familie gegeben, so Cerne. Die Mutter und die Geschwister lebten zusammen mit Amani getrennt vom Vater. Das Annäherungsverbot bestehe, "weil es im Vorfeld wohl schon ziemlich heftige Auseinandersetzungen gegeben haben soll."

Rucksack im Raubtierprint, der einem verschwundenen Mädchen aus Rechtenstein (Alb-Donau-Kreis) gehört (Foto: Polizeidirektion Ulm)
Dieser Rucksack gehört der vermissten Amani A. aus Rechtenstein (Alb-Donau-Kreis). Polizeidirektion Ulm

3.000 Euro Belohnung für Hinweise auf verschwundene Schülerin Amani

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Ulm in dem Vermisstenfall Amani eine Belohnung ausgesetzt. Falls eine Straftat hinter dem Verschwinden steckt, steht demnach eine Belohnung in Höhe von 3.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ermittlung des Täters führen.

Auf der Website von Aktenzeichen XY ist die Sendung, in der Amanis Verschwinden thematisiert wird, noch bis zum 20. Oktober abrufbar.

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