Niedrige Wasserstände und weniger Niederschläge

#unserWasser: Bäche und Flüsse in Ostwürttemberg und Oberschwaben trocknen aus

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Frank Polifke
Frank Polifke (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Viele Bäche, Flüsse und Teiche in der Region leiden unter Trockenheit und niedrigen Wasserständen. Bei einer SWR-Umfrage zum Wasser-Aktionstag meldeten mehrere Bürgerinnen und Bürger betroffene Gewässer.

Kloster am Blautopf in Blaubeuren (Foto: SWR, Maja Nötzel)
Der Blautopf sprudelt und sprudelt. Dennoch haben Anwohner auch dort Anzeichen von Trockenheit registriert. Maja Nötzel

Eine interaktive Karte zur ARD-Aktion "#unserWasser" im Internet zeigt, wo die SWR-Nutzer ihre Beobachtungen zur Trockenheit gemacht haben: Betroffen sind zum Beispiel der Blautopf in Blaubeuren im Alb-Donau-Kreis, die Iller in Neu-Ulm und die Egau in Ostwürttemberg. Schuld sind nicht nur ausbleibende Niederschläge. Nach Auffassung des BUND Ostwürttemberg führe auch die Landwirtschaft durch Überdüngung zu trockenen Böden. Dies gefährde die Trinkwasserreserven.

Die Trockenheit, die derzeit mit dem bloßen Auge zu erkennen sei, werde sich laut BUND in den kommenden Jahren immer öfter wiederholen.

Der Ursprung der Egau: Blick auf das Sediment der Buchbrunnenquelle (Foto: SWR, Timo Staudacher)
Der Ursprung der Egau: Blick auf das Sediment der Buchbrunnenquelle Timo Staudacher

Buchbrunnenquelle hat geringere Schüttung

Gut zu erkennen ist der Effekt der Trockenheit an der Buchbrunnenquelle bei Dischingen im Kreis Heidenheim. Sie ist eine der - im doppelten Wortsinn - wichtigsten Quellen des Zweckverbands Landeswasserversorgung. Rund 400.000 Haushalte versorgt er mit dem Quellwasser. Üblicherweise schüttet sie ca. 1.000 Liter pro Sekunde aus - derzeit nur 900. "Sie ist eigentlich sehr zuverlässig", sagt Bernhard Röhrle, Sprecher der LV. "Trotzdem beobachten wir seit etwa zehn Jahren, dass die Quellschüttung unregelmäßiger wurde, in den Winterhalbjahren zurückgegangen ist und dafür außergewöhnliche Schüttungen in den Hochsommermonaten hatte."

Der Trinkwasserbehälter des Egauwasserwerks in Dischingen (Kreis Heidenheim) (Foto: SWR, Timo Staudacher)
Der Trinkwasserbehälter des Egauwasserwerks in Dischingen (Kreis Heidenheim) Timo Staudacher

Grundsätzlich schüttet die Buchbrunnenquelle weniger. Es wird wärmer, die Böden werden trockener, mehr Wasser verdunstet. Und im Grunde wäre wesentlich mehr Regen nötig, um die Grundwasserspeicher aufzufüllen. Selbst der regenreiche Sommer des vergangenen Jahres mit seinem Hochwasser hat dafür nicht ausgereicht. Die Speicher seien nicht aufgefüllt, folglich falle der Pegel des Grundwassers, so Röhrle.

Vernetzung und Donauwasser sichern Trinkwasserversorgung

Unser Trinkwasser wird vermutlich dennoch nicht knapp werden. Davor schützt die zunehmende Vernetzung der Trinkwasserversorger. Derzeit plant der Zweckverband Landeswasserversorgung beispielsweise eine Entnahme zwischen Heidenheim-Aufhausen und Königsbronn, unweit des Brenzquelltopfs. Gespräche mit den Stadtwerken Heidenheim laufen. Und dann ist da ja noch die Donau: Bei Langenau entnimmt die Landeswasserversorgung Donauwasser und baut demnächst zusätzlich zu den vorhandenen zehn Filtern vier weitere ein. Damit lässt sich die maximal mögliche Menge an Donauwasser entnehmen und die Bedarfsspitzen im Hochsommer abfedern.

Eigenwasseranteil vieler Kommunen sinkt stetig

Ostwürttemberg und Donau-Iller gehören zu den von Trockenperioden und deren Folgen stark betroffenen Regionen, so Andreas Mooslehner, BUND-Regionalgeschäftsführer von Ostwürttemberg. Viele Kommunen haben laut BUND nur noch einen geringen Anteil an Eigenwasser, im Fall von Ellwangen liegt er bei etwa einem Drittel, Tendenz: Zunehmend. Die Austrocknung der Gewässer werde sich fortsetzen, warnt die Organisation.

Auch intensive Landwirtschaft und Industrie schädigten Trinkwasser

Gefährdet wird unser Trinkwasser laut BUND aber nicht nur durch zunehmende Absenkung des Grundwasserspiegels. Intensive Landwirtschaft und Industrie schädigten die Wasserqualität nach wie vor. Im Fall von Ostwürttemberg liege das nicht zuletzt an der intensiven Tierhaltung im östlichen Kreisgebiet: Ammoniak aus Gülle kann Böden und Gewässer versauern. Ebenfalls schädlich ist die starke Überdüngung mit Nitrat. Auch das schädige die Trinkwasserreserven, so die Experten der Umweltorganisation.

Wasserentnahme in Hitzeperioden muss reduziert werden

Die Anstrengungen in Sachen Gewässerschutz müssen dringend verstärkt werden, fordert Andreas Mooslehner. Insbesondere in Hitzeperioden müssen gewerbliche Nutzer wie Landwirte und Papierfabriken die Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen stark reduzieren - oder komplett einstellen, um einen Mindest-Wasserfluss zu gewährleisten. Die Industriebetriebe sollten ihre Produktion zunehmend auf wassersparende Verfahren umstellen - was aber auch mehr und mehr geschieht, so die Beobachtung des BUND.

Trockenheitsfolgen weniger gravierend als in anderen Regionen

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die zunehmenden Trockenheitsperioden sind in der Region Ostwürttemberg / Donau-Iller zwar spürbar, aber längst nicht so stark wie in anderen Regionen Deutschlands. Das bestätigt Jens-Olaf Weiher von der Unteren Forstbehörde im Landratsamt des Ostalbkreises. Folglich sei dort etwa die Gefahr von Waldbränden längst nicht so groß wie etwa in manchen östlichen Bundesländern. Höheres Bergland, feuchte Täler und Mischwälder mit relativ hohem Anteil von Laubbäumen sorgen dafür, dass es hier nicht so schnell brennt, erklärte Weiher dem SWR. Vegetationsbrände, etwa Wiesenbrände, könnten gerade im Frühjahr, wenn einerseits die Sonne scheint, Wind weht und andererseits Laub und Gras noch alt sind, trotzdem auftreten, echte Waldbrände dagegen kaum.

Waldschäden erhöhen Brandgefahr

Grundsätzliche Entwarnung gibt Jens-Olaf Weiher jedoch nicht: Durch die trockenen Sommer mit großen Waldschäden der Jahre 2018 bis 2020 liegen deutlich mehr abgestorbenene Zweige, Zapfen und Nadeln aus Baumkronen in den Wäldern. Bis das verrottet ist, bietet es Feuer eine gute Nahrung, warnt der Forstexperte.

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