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Corona-Selbsttest-Pflicht an Schulen und der ständige Wechselunterricht - keine leichte Situation für Jugendliche. Der Ulmer Kinderpsychiater Dr. Gerhard Libal gibt Lehrern und Eltern hilfreiche Tipps.

Erst Homeschooling, dann wieder Präsenzspflicht in der Schule und die "Selbsttets". Viele Schüler und Schülerinnen fragen sich, wann sehe ich meine Freunde wieder? Wie soll das alles werden? Das alles führt zu einer großen Verunsicherung bei Jugendlichen, weiß der Ulmer Kinderpsychiater Dr. Gerhard Libal. Dabei bräuchten junge Menschen gerade jetzt eine Beständigkeit, die ihnen Sicherheit geben kann.

Depressionen und Ängste

Die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen belaste nicht alle Kinder und Jugendlichen, sagt der Mediziner. Doch, wer vor dem ersten Lockdown bereits psychische Probleme hatte, den trifft es seit Corona umso härter. So häufen sich seit dem Sommer die Fälle von Depressionen, Ängsten und Zwängen, hat der Kinderpsychiater beobachtet. Noch gäbe es keine Studien darüber, welche Krankheiten und Störungen vermehrt auftreten. Aber die Belastungen nehmen zu. Der Taktgeber Schule fehlt. Und das führt auch Schlafproblemen, Magersucht und – eines fällt ihm besonders auf – ebenso zur Gewichtszunahme. Viele Jugendliche sitzen derzeit viel Zuhause und essen auch mehr.

Ein Junge hält in einer ersten Klasse an einer Grundschule mit Wechselunterricht eine Karte mit einer Gewitterwolke hoch. Die Karte symbolisiert, dass der Junge negative Emotionen gegenüber der Corona-Krise hat. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Kinder und Jugendliche leiden besonders unter der Corona-Pandemie picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Gesundheit ein kritischer Punkt

Eine Gewichtszunahme sei schwieriger rückgängig zu machen, als eine Mediennutzung, um die sich viele Eltern sorgen. Denn sie kann lebenslange Konsequenzen haben, warnt der Ulmer Kinderpsychiater. Denn oft bleiben die Kilos. Er rät Eltern und Lehrern daher darauf zu achten, die Probleme ernst nehmen und sich daran erinnern, dass es einen Unterschied gibt zwischen ihnen und der Gruppe der 12 bis 18-Jährigen gibt: "Erwachsene haben natürlich mehr Erfahrungen und ordnen das anders ein." Jugendliche brauchen da Unterstützung. Wichtig sei jetzt allem Verständnis für die vielleicht "erste große Krise " im Leben der Jugendlichen.

Selbsttests für Jugendliche kein Problem

Dass es in Bayern bereits die Coronatest-Pflicht für Schüler gibt und dieses auch in Baden-Württemberg demnächst in Regionen mit hoher Inzidenz kommen soll, sieht der Kinderpsychiater dabei nicht als neue Belastung für die Jugendlichen. Damit kämen Jugendliche gut zurecht.

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