STAND

Bundesweit haben sich Mieter des Bochumer Immobilienkonzerns Vonovia zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Sie bemängeln intransparente und nicht korrekte Abrechnungen. Der Konzern widerspricht.

Hans-Peter Zagermann aus Ulm-Wiblingen ist seit Jahren im Kontakt mit seinem Vermieter, dem Konzern Vonovia. Es gebe viele Kritikpunkte, besonders wichtig sind dem 66-Jährigen zwei: Die unklaren Aufgaben des Hauswarts und die Abrechnungen der Grünpflegearbeiten. Auf den Einsatznachweisen des Hauswarts, offiziell des "Objektbetreuers", stehen laut Zagermann beispielsweise die Kontrollen eines Spielplatzes und auch eines Mülleimers. Beides gebe es für seine Wirtschaftseinheit, das sind zwei Hochhäuser in Ulm-Wiblingen, nicht.

Die Wohnanlage der Vonovia in Ulm-Wiblingen (Foto: SWR)
Die Wohnanlage der Vonovia in Ulm-Wiblingen

"Für uns ist nicht mehr erkennbar, was der Hausmeister für uns als Mieter bringt. Die meisten Posten, die uns in Rechnung gestellt werden, sind Kontrollgänge. Kontrollgänge vom Treppenhaus, von den Aufzügen, von der Außenanlage. (...) Wir sehen nicht, dass wir einen Nutzen von dem Objektbetreuer haben, der für uns auch kein Ansprechpartner ist, wenn es Probleme gibt."

Hans-Peter Zagermann, Mietergemeinschaft Johannes-Palm-Straße in Ulm

Die Grünpflegearbeiten werden seit drei Jahren mit einer monatlichen Pauschale abgerechnet. Wenn man alle 340 Wohneinheiten in Ulm-Wiblingen zusammennimmt, kommen jährlich mehr als 30.000 Euro zusammen, so Zagermann. Doch was genau gemacht wird, das sei nicht herauszufinden. Nach Beobachtung Hans-Peter Zagermanns passierte beispielsweise 2019 über Monate gar nichts.

Laut Knut Unger sind das Erfahrungen, die viele Mieter bei dem Bochumer Konzern machen. Unger ist beim Mieterverein im nordrhein-westfälischen Witten tätig und Sprecher des neuen, bundesweiten Bündnisses. Betriebskostenabrechnungen, Mieterhöhungen oder auch Modernisierungen liefen überall nach fast demselben Schema ab. Und die Reaktionen auf Einwendungen der Mieter auch. Daher sei es wichtig, sich zusammenzuschließen und ein gemeinsames Vorgehen zu überlegen.

"Das Bündnis fordert bundesweit die Erstattung sämtlicher Hauswartkosten seit 2016. (...) Nach Ansicht des Bündnisses rechtlich unwirksam oder unbegründet waren in den letzten Jahren auch zahlreiche Mieterhöhungen wegen sogenannter Modernisierungen."

Aus dem offenen Brief des Vonovia-Mieterinnen- und Mieterbündnisses

Das nun neu gegründete, bundesweite Bündnis der Vonovia-Mieter fordert nun beispielsweise die Rückzahlung der Hauswartkosten seit 2016 für alle Vonovia-Mieter. Die Kritik: Viele Dienstleistungen rund um die Wohnungen erbringt inzwischen die Vonovia mit eigenen Tochtergesellschaften. So ist auch der Hauswart ein Angestellter einer Vonovia-Tochtergesellschaft. Die Rechnungen seien nicht nachprüfbar, so die Kritik.

Vonovia weißt Vorwürfe zurück

Der Bochumer Immobilienkonzern weißt die Vorwürfe zurück. Man arbeite "überall in Deutschland gemeinsam mit Mieter-Vertretern an tragbaren Lösungen bei Zweifels- und Konfliktfällen", so eine Sprecherin, auch mit den Unterzeichnern des offenen Briefs sei man im Austausch. Die Abrechnungen entsprechen laut der Sprecherin den gesetzlichen Vorgaben und enthalten alle relevanten Angaben.

Was die Modernisierungen angeht, sind sich laut Vonovia die Gerichte nicht einig, wie Modernisierungsabrechnungen formell gestaltet werden sollen. Das führe zu Unsicherheit bei Mietern wie Vermietern. Auch hier gehe das Unternehmen allerdings bei Problemen auf die Mieter zu.

Fall in Ulm wird geprüft

Was die angeführten Zweifel an den Kontrollen des Hauswarts auf Spielplatz und Mülleimer angeht, kontrolliere man die Einwände noch, hieß es weiter. Hans-Peter Zagermann wünscht sich transparentere Abrechnungen. So lange hofft er, dass bei dem bundesweiten Bündnis viele Mieter mitmachen. Von den 340 Mietparteien in Ulm haben sich derzeit 30 angeschlossen.

Urteil gegen Immobiliengesellschaft Mieterin setzt sich vor Landgericht Stuttgart gegen Vonovia durch

Schon seit langem protestieren Mieter des Immobilienunternehmens Vonovia gegen die ihrer Ansicht nach zu hohen Mietsteigerungen. Das Landgericht Stuttgart hat einer Mieterin in Stuttgart nun Recht gegeben: Vonovia muss Geld rückerstatten.  mehr...

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

Kaum noch bezahlbarer Wohnraum Große Immobilienkonzerne als Preistreiber

Großen, börsennotierten Immobilienkonzernen gehören inzwischen hunderttausende Mietwohnungen. Was letztlich zu steigenden Mieten für alle führt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN