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Bis Mitte 2021 wird es einen Corona-Impfstoff geben. Davon geht der Ulmer Virologe und Vorsitzende der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI), Professor Thomas Mertens, aus. Aber nicht für alle.

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Die große Hoffnung in dieser Corona-Pandemie ist, dass es bald einen Impfstoff geben wird und wieder Alltag einkehren kann. Auch in Deutschland entwickeln Unternehmen Impfstoffe, darunter das Tübinger Unternehmen Curevac. Wann der Impfstoff kommt und wer geimpft wird, darüber sprach Professor Thomas Mertens, Ulmer Virologe und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts am Dienstagabend in "ARD extra".

ARD: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Montag angekündigt, sie rechne mit einem Start der Impfungen Mitte kommenden Jahres. Jetzt denken vermutlich viele: "Klasse, dann werde ich nächsten Sommer geimpft." Was sagen sie denen?

Professor Thomas Mertens: Ich sage ihnen, dass ich das hoffe und glaube, dass wir bis Mitte nächsten Jahres mit dem Impfen der Menschen in Deutschland beginnen können. Ich sagen ihnen gleichzeitig, dass das nicht alle sein werden und dass sich an unserer epidemischen Situation wenig ändern und dass daher weitere Schutzmaßnahmen aufrechterhalten werden müssen.

Was ist denn die Rolle der Ständigen Impfkommission in Deutschland in diesem Prozess? Was genau entscheiden Sie?

Wir sind durch das Infektionsschutzgesetz dazu aufgefordert, eine Empfehlung zu geben für eine Priorisierung. Das heißt, für die Frage, wer in der Gesellschaft zuerst geimpft werden sollte, damit der Einzelne oder die Gemeinschaft den größten Nutzen davon hat. Das muss nach wissenschaftlichen Erkenntnissen geschehen und natürlich ethische Aspekte berücksichtigen.

Es heißt ja, die Testreihen würden vielversprechend verlaufen. Was hören Sie und was sind im Moment Ihre größten Fragen?

Meine Fragen sind immer noch die nach der Sicherheit und der Wirksamkeit. Das wird ja in dieser dritten Testphase ermittelt und solange die dritte Testphase nicht zu Ergebnissen gekommen ist, lässt sich das sehr schwer beantworten.

Die beiden deutschen Impfstoff-Kandidaten beruhen ja auf einem neuartigen Prinzip. Birgt das größere Risiken als die konventionelle Methode?

Bisher gibt es dafür Gott sei Dank keinen Hinweis. Aber man muss zugeben, dass es bislang noch keinen beim Menschen zugelassenen Impfstoff auf der Basis dieser Technologie gibt. Insofern ist es besonders wichtig, dass wir - selbst dann, wenn wir mit impfen angefangen haben - sehr gut dokumentieren, wie es den Geimpften geht und wie der Impfstoff gewirkt hat.

Rein praktisch: Wenn die Impfung kommt, gehen wir dann zum Hausarzt?

Wenn es zu einer Priorisierung kommt, dann kann man das den Hausärzten nicht auflasten, das wäre unzumutbar. Es kommt auch noch darauf an, wie der Impfstoff transportiert und gelagert werden muss. Einige Impfstoffe sind sehr kritisch, was das angeht. Es wird auf jeden Fall Impfzentren geben, in denen die Impfungen durchgeführt werden müssen.

Glauben Sie, dass es einen 100-prozentigen Schutz durch die Impfung geben wird?

Ich persönlich glaube das eher nicht. Das wird der Impfstoff nicht leisten können. Wir sind aber schon sehr glücklich, wenn wir einen hohen Prozentsatz vor schwerer Erkrankung schützen können.

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