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Fast die Hälfte der Bewohner der Ellwanger Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) ist mit dem Coronavirus infiziert. Die starke Ausbreitung könnte eine ganz einfache Ursache haben.

Vermutlich sind die beengten Wohnverhältnisse in der Gemeinschaftsunterkunft in Ellwangen (Ostalbkreis) der Grund für die vielen Ansteckungen. Außerdem tragen offenbar viele Bewohnerinnen und Bewohner das Virus unbemerkt in sich und stecken andere an, ohne es zu wissen.

In der Einrichtung mit rund 560 Bewohnern waren am vergangenen Donnerstag sieben Menschen infiziert, am Montag waren es bereits mehr als 250 Flüchtlinge und 22 Beschäftigte.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Vorsichtsmaßnahmen laufen seit März

Laut Regierungspräsidium wurden seit Anfang März alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die Ausgangs- und Kontaktsperre gilt auch dort bis zum 19. April. Wie es den Menschen geht, hat uns Thomas Deines vom Regierungspräsidium Stuttgart, zuständig für Flüchtlingsaufnahme, geschildert.

"Wir haben sehr viele Umzüge, um zu verhindern, dass sich das Virus in der gesamten Einrichtung ausbreitet."

Thomas Deines, Regierungspräsidium Stuttgart, zuständig für Flüchtlingsaufnahme

SWR: Herr Deines, wie sieht es in Ellwangen aktuell aus? 

Thomas Deines: Aktuell sind unsere Bewohnerinnen und Bewohner stark verunsichert. Und wir stehen gerade vor der schwierigen Aufgabe, die positiv getesteten Menschen zu isolieren. Wir haben sehr viele Umzüge, um zu verhindern, dass sich das Virus in der gesamten Einrichtung ausbreitet.

Ein Bewohner der LEA Ellwangen ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. (Foto: SWR)
251 Flüchtlinge sind mit dem Coronavirus infiziert. (Archivbild)

Sie haben ja bestimmt Quarantänebereiche eingerichtet, reichen die denn aus?

Wir hatten bereits am Montag vor einer Woche einen Quarantänebereich eingerichtet und haben am Karfreitag eine neue Planung gemacht, die wir am Ostersamstag gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) umgesetzt haben, um den Quarantänebereich zu vergrößern. Wir haben einen neuen Speisebereich eingerichtet und sind jetzt in einer ganz guten Situation, die wir handeln können.

"Bisher haben die positiv getesteten Bewohner gar keine oder nur milde Symptome gezeigt."

Thomas Deines, Regierungspräsidium Stuttgart, zuständig für Flüchtlingsaufnahme

Viele Menschen sind infiziert, aber schwer erkrankt ist noch niemand, oder?

Wir mussten bisher zum Glück noch niemanden stationär unterbringen. Bisher haben die positiv getesteten Bewohner gar keine oder nur milde Symptome gezeigt.

Einige Geflüchtete sollen in ein spezielles Quarantänezentrum in den Rems-Murr-Kreis umziehen?

Wir werden besonders schutzbedürftige Menschen verlegen und haben damit schon am Osterwochenende begonnen. Wir haben beispielsweise eine Mutter mit zwei Kindern dorthin verlegt.

"Die Ausgangssperre wird eingehalten. Da haben wir gar keine Verstöße."

Thomas Deines, Regierungspräsidium Stuttgart, zuständig für Flüchtlingsaufnahme

Es gibt ja eine Ausgangs- und Kontaktsperre, das wird von der Polizei rund um die Uhr streng bewacht. Akzeptieren das die Menschen in der LEA?

Die Ausgangssperre wird eingehalten. Da haben wir gar keine Verstöße. Es ist aber für die Bewohner schwer zu verstehen, dass sie positiv getestet sind, wenn sie überhaupt keine Krankheitssymptome an sich feststellen. Das ist sehr schwierig zu vermitteln wegen der Sprachbarriere. Da haben wir sehr viel Aufklärungsarbeit.

Wie schützen sich die Beschäftigten vor Ort, tragen Sie einen Mundschutz?

Wir tragen alle einen Mund-Nase-Schutz, um uns gegenseitig zu schützen. Wenn wir Kontakt zu Geflüchteten haben, tragen wir eine Atemmaske. Die Mitarbeiter auf der Krankenstation, die mit Erkrankten zu tun haben, tragen einen Vollschutz-Overall.

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