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Bei einem Polizeieinsatz in Krumbach sind Schüsse gefallen, ein älterer Mann wird schwer verletzt. Nachbarn haben den Vorfall gefilmt. Seither geistert das Video durchs Netz und wird heftig kommentiert.

Ein Polizeiblaulicht (Foto: dpa Bildfunk, Friso Gentsch)
Polizeieinsatz in Krumbach mit Schusswaffengebrauch: Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt ermitteln Friso Gentsch

Der Polizeieinsatz am Gründonnerstag in Krumbach sieht zunächst nach Routine aus. Das Video zeigt einen jungen Polizisten und seine Kollegin sowie den älteren Mann in einem Garten, der nicht ihm gehört.

Die Beamten fordern den Mann auf, das Grundstück zu verlassen. Der Mann kommt dem aber nicht nach. Dann eskaliert die Situation. Der Mann hat einen Schraubenzieher in den Händen und läuft auf die Polizisten zu. Diese wiederum drohen den Einsatz von Pfefferspray an, später fallen Warnschüsse. Auch das kann den Mann nicht stoppen. Er schnappt sich ein großes Spielzeugauto und bedroht die Polizisten weiter. Einer der Beamten stolpert, auf dem Boden liegend schießt er auf den Angreifer. Der 63-Jährige wird getroffen und schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt, bestätigt das zuständige Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten.

Peter Pytlik, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Bayern (Foto: Gewerkschaft der Polizei Bayern)
Peter Pytlik, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Bayern, spricht von "ungefilterter Hetze" gegen die Polizei. Gewerkschaft der Polizei Bayern

Geäußert hat sich auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern, Peter Pytlik. Er gibt keine Einschätzung des Bedrohungsszenarios ab, verweist aber darauf, dass derartige Angriffe auf Polizisten schnell sehr gefährlich werden können.

"Wenn ein polizeiliches Gegenüber mit einer Waffe, einem Messer oder auch mit einem gefährlichen Gegenstand auf einen unserer Kolleginnen und Kollegen losgeht, dann ist es immer eine sehr schwierige und bedrohliche Situation - unter Umständen auch eine lebensgefährliche Situation".

Nach derzeitigem Ermittlungsstand geht die Staatsanwaltschaft Memmingen von einer rechtmäßigen Diensthandlung des Beamten aus. In den sozialen Netzwerken hingegen wird die Verhältnismäßigkeit der Reaktion heftig in Zweifel gezogen. Die Bandbreite der Kommentare reicht von Verständnis bis hin zu Hass und Häme gegenüber der Polizei. Polizeigewerkschafter Peter Pytlik spricht von unüberlegter, ungefilterter Hetze. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, dass solche Filme ganz gezielt eingesetzt werden, um ganz gezielt Stimmung zu machen.

Reaktion aus der Türkei

Der Vorfall hat auch eine politische Dimension angenommen. So hat sich der türkische Politiker und Abgeordnete der Türkischen Nationalversammlung, Metin Külünk, zu dem Fall geäußert. Denn der in Krumbach angeschossene Mann hat einen türkischen Hintergrund und – so mutmaßen der Politiker und mit ihm viele Menschen im Netz – er soll an Alzheimer leiden. Külünk schreibt auf facebook, die Polizei erschieße "unseren Bürger", weil er ein Spielzeugauto in den Händen hielte. Er hoffe, dass die deutschen Beamten "das Notwendige" machten.

Peter Pytlik warnt vor solchen Spekulationen. Zuständig für die Ermittlungen seien die Staatsanwaltschaft Memmingen und das Bayerische Landeskriminalamt.

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