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Ihren Start hat sich die Leiterin der Volkshochschule Aaalen, Nicole Deufel, sicher einfacher vorgestellt. Ein paar Monate im Amt brach die Corona-Pandemie aus. Wir haben die 46-Jährige gefragt, in welche Richtung sie die VHS in Zukunft lenken will.

Frau Deufel, was sind die Schwerpunkte, die sie gesetzt haben?

Nicole Deufel: Ich selber komme aus dem Bereich "Heritage Studies", also Kulturerbe und Kulturwissenschaft. Das ist wirklich das, was mich sehr interessiert und was ich hier auch gerne machen möchte. Und da zeichnet sich jetzt schon ab, dass wir im nächsten Semester in Zusammenarbeit mit der Hochschule in Aalen und dem Kulturamt für "Studium Generale" das Thema Kulturerbe haben werden, auch mit ganz tollen Referenten.

VHS-Leiterin Aalen Nicole Deufel im SWR-Studio  (Foto: SWR)
VHS-Leiterin Deufel will mit neuen Projekten neue Zielgruppen erreichen.

Was ist Kulturerbe in dem Fall also?

Kulturerbe ist zum einen die Geschichte unserer Gesellschaft und zum anderen das, was uns ausmacht als Menschen in Deutschland und unsere Identität. Der Limes ist ein großes Beispiel dafür. Etwas, was sehr sichtbar ist, auch in der Landschaft und was durchaus ein Bezugspunkt ist, allein schon, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin, auf den Limes stoße ich immer. Wir haben das Limesmuseum. Das ist Kulturerbe und wirkt in unseren Alltag hinein.

Wollen Sie damit auch versuchen, andere Leute für die Volkshochschule zu begeistern?

Es ist immer ein Auftrag und ein Wunsch einer Volkshochschule, für ganz viele unterschiedliche Menschen etwas anzubieten. Wir entwickeln auch immer Angebote für neue Zielgruppen. Da denke ich schon, dass wenn wir dieses Kulturerbe auf interessante, niedrigschwellige Art und Weise den Menschen zugänglich machen, auch neue Zielgruppen angesprochen werden, die vielleicht vorher noch nicht an die Volkshochschule Aalen und ihre Angebote gedacht haben.

Wer könnte diese Zielgruppen sein?

Ich komme aus dem Museumsbereich. In der Museumspädagogik gibt es sehr viele Projekte im Bereich aufsuchende Vermittlungsarbeit. Und da stricke ich aktuell an einem Projekt zur Aalener Geschichte. Die Zielgruppe dort werden Jugendliche sein. Das werden Menschen sein, die vielleicht eher nicht so gute Erfahrungen im Geschichtsunterricht gemacht haben. Und die wollen wir eben für das Kulturerbe begeistern, indem wir sie einbinden. Damit sie ihre eigene Geschichte erzählen können.

Wie findet Volkshochschule trotz Corona statt?

Wir konnten sehr, sehr schnell unsere Kurse online bringen. Da waren wir auf einer sehr steilen Lernkurve. Wir kommen recht gut durch die Krise. Aktuell können wir Präsenzkurse machen, natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln. Da sind wir sehr froh darüber. Es sind eben kleinere Kurse und auch viele andere neue Formate.

Wie sehen die weiteren Zukunftspläne aus?

Wir haben gerade ein "Erasmus Plus-Projekt" gestartet, wo ein Schwerpunkt sein wird: Was ist eigentlich das neue Lernen, das von unseren Teilnehmenden in Zukunft erwartet werden wird? Und da freue ich mich sehr, dass wir mit Partnern in Finnland und einem Theater in Irland zusammenarbeiten, also über diesen Austausch mit Organisationen, die jetzt nicht aus dem Weiterbildungssektor kommen.

Das Interview führte Frank Polifke.

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