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Welche Wünsche haben Bürgerinnen und Bürger im Oastalbkreis an die Mobilität der Zukunft? In einer Umfrage im Landkreis hat es erwartbare Antworten gegeben, die dennoch in die Zukunft weisen.

Täglich Stau: Die Verkehrsachse Heidenheim-Aalen ist überlastet.  (Foto: SWR, Frank Polifke)
Täglich Stau: Die B19 ist im Berufsverkehr häufig überlastet (Archivbild) Frank Polifke

Ein Projektteam um Hans Peter Weber von der Ostalb Bürgerenergiegenossenschaft hat die Ergebnisse der Befragung untersucht.

SWR: Herr Weber, welche und wie viele Bürgerinnen und Bürger des Ostalbkreises haben sie befragt? Ist die Umfrage repräsentativ?

Peter Weber: Ich denke, die Umfrage als solche ist sehr repräsentativ. Wir haben insgesamt über 1.300 Personen befragt. Darunter waren Arbeitnehmer von Unternehmen, Mitglieder der Ostalb Bürgerenergiegenossenschaft, Studierende an der Hochschule, Betreiber des ÖPNV, Busunternehmer, die Bahnbetriebe und dann natürlich Unternehmen, die das Ziel der täglichen Fahrt der Arbeitnehmer sind.

Ein Mann mit Brille und Bart, in einem blauen Hemd lächelt in die Kamera (Hans-Peter Weber) (Foto: Privat)
Hans-Peter Weber von der Ostalbbürgerenergie e.G. will umweltfreundliche Mobilitätskonzepte entwickeln Privat

Und was haben Sie als Ergebnis aus dieser Umfrage herausgefiltert?

Wir können ganz deutlich sagen: Das Auto ist des Menschen liebstes Kind, nach wie vor. Über zwei Drittel fahren morgens mit dem Auto zur Arbeit und hinzu kommt noch, dass die Meisten alleine zur Arbeit fahren.

Das hieße, die Straßen noch mehr auszubauen?

Mehr Straßen, das führt nicht zum Ziel. Wir müssen ansetzen bei den Nutzern und nach unserer Überzeugung, nach dem Ergebnis der Befragung, dürfen wir nicht zu viel vom Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel erwarten. Wir setzen an einer anderen Stelle an und sagen, wir wollen den Berufspendlerverkehr bündeln. Wir wollen Fahrgemeinschaften bilden, dass Arbeitnehmer, Kollegen, Kolleginnen einander unternehmensübergreifend mitnehmen und dass Unternehmen wiederum Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Ich sag mal, der gute, alte Werksbus lässt grüßen. Darüber hinaus könnte es noch spezielle unternehmensübergreifende Werksbuslinien zu den Stoßzeiten geben. Morgens von sechs bis neun und abends von vier bis sechs, zum Beispiel. Wichtig dabei ist, dass der Bus nicht an jeder Ecke hält und noch andere mitnimmt. Und vor allem darf der Arbeitnehmer nicht umsteigen müssen. Die Umsteige-Prozedur im ÖPNV ist der Haupthinderungsgrund, weshalb Menschen sagen, ich fahre mit dem Auto.

Nun klingt das nach einer guten Idee, so Werksbusse wieder einzusetzen. Aber nehmen wir bloß mal die aktuelle Situation mit Corona und dem Nahverkehr, platzen da nicht als solche alternativen Ideen?

Nein, da bin ich sehr viel zuversichtlicher. Zum einen haben wir ja irgendwann auch wieder eine Nach-Corona-Zeit. Wir dürfen jetzt nicht zu ängstlich sein, sondern müssen gemeinsam mit den Unternehmen, nicht gegen die Unternehmen, nicht gegen die Arbeitnehmer, sondern in einer gemeinsamen Aktion solche Dinge installieren. Wir sind derzeit mit unserem Projekt eine von 50 Kommunen deutschlandweit, die dieses Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert bekommen. Unternehmen müssen genau rechnen, was sie der Parkplatz für einen Arbeitnehmer kostet. Wir entwickeln einen sogenannten Mobilitäts-Baukasten, und aus diesem können die Unternehmen dann für ihr Unternehmen passende Elemente herausgreifen und für sich individuell zusammenbauen.

Danke, Herr Weber. Hans Peter Weber stellt am Dienstagabend die Ergebnisse der Umfrage zur Mobilität der Zukunft im Ostalbkreis auf der Homepage der Hochschule Aalen vor. Beginn ist um 19 Uhr.

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