STAND

Im Prozess um die Entführung und Vergewaltigung zweier Jungen in Ulm und Heidenheim ist der Angeklagte zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Der 37-Jährige aus Ebersbach an der Fils (Kreis Göppingen) muss zehn Jahre ins Gefängnis. Das Gericht wertete das umfassende Geständnis des Angeklagten strafmildernd. Dennoch müsse die hohe kriminelle Energie bei den Entführungen der beiden Jungen berücksichtigt werden.

Video herunterladen (2,9 MB | MP4)

Das Ulmer Landgericht verurteilte den Mann unter anderem wegen jeweils eines besonders schweren Falls von Vergewaltigung und sexuellem Kindesmissbrauch sowie Freiheitsberaubung, des Besitzes und der Verbreitung von kinder- und jugendpornografischem Material.

Der Angeklagte hatte bereits zu Prozessbeginn vor dem Ulmer Landgericht die Taten gestanden. Der Verteidiger hatte Anfang Mai erklärt, dass sein Mandant die Vorwürfe voll umfänglich einräume.

Staatsanwaltschaft forderte zwölf Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Die Nebenklage, darunter eines der beiden Opfer - ein heute 26-jähriger Mann - hatte sich dieser Forderung angeschlossen. Die Verteidigung plädierte auf acht Jahre Gefängnis.

Der Angeklagte gilt laut Gerichtssprecher als voll schuldfähig. Ihm war während der Verhandlung von einem Sachbearbeiter eine multiple Störung seiner sexuellen Identität bescheinigt worden. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung des 37-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik oder für eine Sicherungsverwahrung sahen die Richter aber nicht als erfüllt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Video herunterladen (2,2 MB | MP4)

Die Taten liegen bereits viele Jahre zurück. Im ersten Fall soll der Angeklagte 2006 während seiner Wehrdienstzeit in der Rommelkaserne bei Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) einen damals 13-Jährigen im nahegelegenen Ulmer Stadtteil Lehr in sein Auto gezerrt haben. Laut Anklage fuhr er mit ihm zu einem Feldweg und missbrauchte dort den Jungen. Dabei zwang er ihn unter anderem eine Windel zu tragen und schlug ihm aufs Gesäß.

Der Angeklagte aus Ebersbach an der Fils (Kreis Göppingen) beim Prozessauftakt im Mai vor dem Landgericht Ulm. (Foto: SWR, SWR)
Der Angeklagte hat die beiden Taten beim Prozessauftakt gestanden. (Archivbild) SWR

Ähnlich verlief der Fall 2007 in Heidenheim, dabei soll er einen Zwölfjährigen unter anderem zum Oralsex gezwungen haben. In beiden Fällen setzte der Täter die Jungen anschließend auf Parkplätzen aus.

Im Prozess hatten auch die Mütter der Opfer ausgesagt. Sie gaben beide vor Gericht an, dass es ihren Söhnen nach den Taten sehr schlecht gegangen sei. Die Verarbeitung dauere immer noch an. Der Staatsanwalt sieht das Urteil als Chance für die Opfer. Der Täter sei gefasst, es gebe einen Abschluss. Die beiden Opfer könnten jetzt einen weiteren Schritt in der Verarbeitung der Erlebnisse gehen.

Wie die Ermittler dem Angeklagten auf die Spur kamen

Die IP-Adresse des 37-jährigen Angeklagten war bei Internet-Recherchen in der Kinderporno-Szene in den Fokus der Ermittler geraten. Vor drei Jahren kam es zu einer ersten Durchsuchung in der Einliegerwohnung des Mannes in Ebersbach, wo er im Haus seiner Mutter und Großmutter lebte. Die Beamten sicherten tausende Dateien kinderpornografischer Bilder und Videos. Bei der Auswertung war den Ermittlern aufgefallen, dass in den Aufnahmen die Opfer häufig Windeln trugen, gefesselt waren und geschlagen wurden - ähnlich wie bei den Fällen in Ulm und Heidenheim.

Auch Chatverläufe und Suchverläufe im Internet wurden ausgewertet. Der Angeklagte habe sich dort mit Gleichgesinnten über seine Fantasien ausgetauscht. Außerdem hatte er im Internet Informationen zu einem Bericht in der Sendung "Aktenzeichen XY" gesucht. So konnten die Beamten den Tatverdacht gegen ihn erhärten. Er war Ende Oktober vergangenen Jahres festgenommen worden. Laut Polizei wird zudem geprüft, ob der Angeklagte für ähnliche Verbrechen im Ausland - in Österreich und Tschechien - verantwortlich ist.

Rückschau

Ulm

Prozessfortsetzung vor dem Landgericht Ulm Entführung und Vergewaltigung in Heidenheim und Ulm: Mütter der Opfer sagen aus

Im Prozess um die Entführung und Vergewaltigung von zwei Jungen vor etwa 15 Jahren in Ulm und Heidenheim haben die Mütter ausgesagt. Auch Therapeuten kamen am Mittwoch vor Gericht zu Wort.  mehr...

Ulm

Rund 15 Jahre nach den Taten Staatsanwaltschaft Ulm erhebt Anklage wegen Kindesentführung und Vergewaltigung

Ein Mann aus dem Landkreis Göppingen soll 2006 und 2007 zwei Kinder in Ulm und Heidenheim entführt und sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat jetzt Anklage gegen den Mann erhoben.  mehr...

STAND
AUTOR/IN