Die Außenansicht des Ulmer Landgerichts. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

Was der damals angegriffene Dieter Lehmann Positives aus dem Vorfall zieht

Landgericht Ulm: Täter muss nach Faustschlag in die Psychiatrie

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Ein Jahr nach einem Angriff in einer Ulmer Parkanlage hat das Landgericht Ulm den Täter wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Mann muss in die Psychiatrie.

Wie ein Gerichtssprecher bestätigte, sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte einen anderen Mann ohne Vorwarnung niedergeschlagen hat. Das 65-jährige Opfer war der Vorsitzende des Generationentreffs Ulm/Neu-Ulm, Dieter Lehmann. Er wollte den Angeklagten Anfang August vergangenen Jahres davon abhalten, Kinder und Jugendliche zu belästigen. Daraufhin habe der betrunkene, damals 34-Jährige mit der Faust zugeschlagen.

Täter Gefahr für andere Menschen

Durch den Faustschlag und den Aufprall auf dem Boden erlitt der Senior schwere Kopfverletzungen. Er lag mehrere Tage auf der Intensivstation. Wie er im SWR-Interview berichtete, kam der Angriff völlig unerwartet. Dieter Lehmann spielte mit seinem Enkel und einigen Jugendlichen Basketball im Park, als sie der 34-jährige störte. Als er den jungen Leuten drohte, schaltete er sich ein und wachte erst später in der Notaufnahme wieder auf.

"Ich bin heute zu 90 Prozent wieder ganz der Alte!"

Er leide immer noch unter Wortfindungsstörungen und das Kurzzeitgedächtnis sei nicht mehr dasselbe, sagte Dieter Lehmann dem SWR. Allerdings beeinträchtige ihn das kaum. "Ich habe Glück gehabt", resümierte er, ein solcher Schlag habe in anderen Fällen schon im Rollstuhl oder tödlich geendet. Und dazu ginge ihm der Vorfall auch nicht nach, er erinnere sich ja kaum.

Das Urteil selbst bezeichnet er als schlimm für so einen jungen Menschen: die Tatsache, in die geschlossene Psychiatrie zu kommen. Andererseits habe er seine Möglichkeiten nicht genutzt, Besserung zu erzielen - wie zum Beispiel regelmäßig seine Medikamente gegen die Schizophrenie zu nehmen.

Angeklagter streitet Tat und Erkrankung ab

Im Prozess stritt der Angeklagte die Tat ab. Laut "Südwest Presse" ergab ein psychiatrisches Gutachten, dass der Angreifer an paranoider Schizophrenie leidet. Der 35-Jährige gestehe sich seine Krankheit nicht ein und stelle so eine Gefahr für andere Menschen dar. Eine Gefängnisstrafe kam aufgrund der Erkrankung von Anfang an nicht in Frage. Er kommt nun in Sicherheitsverwahrung in die Psychiatrie - und das ohne zeitliche Begrenzung.

Einführung eines Preises für Zivilcourage

Eine gute Sache habe die ganze Geschichte gehabt, erklärt Dieter Lehmann. Im Anschluss an den Vorfall habe er mit Unterstützung der beiden Städte Ulm und Neu-Ulm eine siebenteilige Reihe zum Thema Zivilcourage veranstaltet. Und seine Idee, einen Preis für Zivilcourage ins Leben zu rufen, wird umgesetzt. Beim nächsten Neujahrsempfang der Städte Ulm und Neu-Ulm wird es die Preisverleihung erstmals geben. Jury und Kriterien stehen noch nicht, die Planungen laufen aber.

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SWR