Eine Gruppe Rentner sitzt im Bus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)

Was kann der Mensch von Zebrafischen lernen?

Universität Ulm verstärkt Forschung über menschliches Altern

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Es sei eine der "drängendsten Herausforderungen der Medizin": Die Universität Ulm hat einen neuen interdisziplinären Sonderforschungsbereich zum menschlichen Altern erhalten.

Was können Forscher und Medizinerinnen von Zebrafischen lernen? Jede Menge, meinen die Forscher um den Ulmer Molekularmediziner Professor Hartmut Geiger. Denn das Wassertier kann auch noch im fortgeschrittenen Alter abgetrennte Körperteile oder Herzmuskelzellen regenerieren. Da kann man sich vielleicht etwas für den Menschen abgucken und daraus "Anti Aging-Strategien" entwickeln.

Prof. Hartmut Geiger koordiniert den neuen Sonderforschungsbereich "Alterung an Schnittstellen". Geiger ist der Leiter des Instituts für molekulare Medizin an der Universität Ulm. (Foto: Universität Ulm, Pressestelle / German Stem Cell Network)
Prof. Hartmut Geiger koordiniert den neuen Sonderforschungsbereich "Alterung an Schnittstellen". Geiger ist der Leiter des Instituts für molekulare Medizin an der Universität Ulm. Universität Ulm, Pressestelle / German Stem Cell Network

Der demographische Wandel ist unaufhaltsam: In vielen Ländern steigt der Anteil der über 65-Jährigen rapide an. Dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe ein gesundes Altern zu ermöglichen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Medizin und Lebenswissenschaften, sagt Geiger, der Leiter des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Ulm.

Es geht da um Fragen wie: Welchen Einfluss hat das Altern auf das Nervensystem? Warum verschlechtert sich die Regenerationsfähigkeit im Laufe des Lebens? Und inwiefern bestimmt die Alterung des Immunsystems und des Bindegewebes den Zustand von Organen?

Therapeutin betreut Senioren bei Krankengymnastik an der Ballettstange als Sturzprophylaxe (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke)
Seniorinnen und Senioren ein gesundes Altern zu ermöglichen, das ist einer der "strategischen Forschungsbereiche" der Universität Ulm picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke

Während intensiv zu typischen Alterserscheinungen wie Alzheimer oder Herz-Kreislauferkrankungen geforscht wird, sind grundlegende Funktionen auf molekularer und zellulärer Ebene noch wenig verstanden. Hier setzt der neue Sonderforschungsbereich an - und zwar mit Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen.

"Der neue Sonderforschungsbereich betrachtet das Altern als stark zusammenhängenden, ineinandergreifenden Prozess."

Man blickt also auf die kleinsten Einheiten menschlichen Lebens, die Zellen, und geht dann noch näher heran: bis auf die Ebene der Moleküle. An den Übergängen zwischen den Molekülen, aus denen Gewebe und Organe bestehen, gibt es zuweilen Störungen. Und diese Störungen wiederum können Alterungsprozesse auslösen, sagt die stellvertretende Koordinatorin des Sondersforschungsbereichs, Professorin Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie.

Die insgesamt 18 Teilprojekte drehen sich beispielsweise um mögliche Auslöser von Erkrankungen wie Parkinson oder um die Alterung beziehungsweise Verjüngung blutbildender Stammzellen, die unter anderem Einfluss auf das Immunsystem haben.

Unterschiede zwischen objektivem und biologischem Alter

Weitere Forschungen schauen nach dem objektiven Alter von Menschen - und ob sich ihr biologisches Alter davon unterscheidet. Gibt es bestimmte biologische Hinweise, sogenannte Biomarker, die vorzeitiges Altern erkennbar werden lassen?

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Altern

Darüber hinaus werden im Sonderforschungsbereich auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei Alterungsprozessen betrachtet. Auch der oftmals beschleunigte Alterungsprozess bei HIV-Infizierten wird eine Rolle spielen.

Forschungen sollen in Medikamentenentwicklung münden

Letztlich sollen grundlegende Erkenntnisse zu den "Schnittstellen der Alterung" in die klinische Praxis übertragen werden und Seniorinnen wie Senioren ein gesünderes Leben ermöglichen.

"Unser Fernziel ist die Entwicklung neuer Medikamente oder Interventionen, die das Altern auf zellulärer, molekularer oder epigenetischer Ebene verlangsamen könnten."

Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, bündeln Expertinnen und Experten aus Neurologie, Dermatologie, Immunologie, Epidemiologie sowie aus verschiedenen Natur- und Lebenswissenschaften ihr Wissen im neuen Sonderforschungsbereich. Neben der Universität und dem Universitätsklinikum Ulm sind die Agaplesion Bethesda Geriatrie Ulm, die Universitäten Tübingen und Aachen sowie das israelische Weizmann Institute of Science beteiligt.

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